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Eagle Helicopter: Mit dem Heli ins Holz

Ein Unternehmen aus der Schweiz hat sich darauf spezialisiert, Holzstämme mit dem Helikopter aus unzugänglichen Stellen auszufliegen. Dabei kommt es auf eine genaue Abstimmung zwischen dem Mann an der Kettensäge und dem Piloten an.

Über vier Tonnen wiegt das Bäume-Paket, das in die Luft gehoben wird.

Acht, fünf, drei, ein Meter Seil isch gschpannt!", so tönt es im Kopfhörer des Piloten, der seinen Super-Puma-Helikopter nun genau vertikal steigen lässt. Hinausgelehnt in ein Bubble-Fenster, das sich wie eine Blase seitlich aus der Helikoptertüre bläht, sieht er genau auf den Einsatzpunkt. Dennoch bleibt aus dieser Höhe der rucksackgrosse Haken (Klinke), am Ende des 75 m langen Seils für ihn klein wie ein Stecknadelkopf, den er in die Hände der Flughelfer zu platzieren hat. Flughelfer klein wie herumkrabbelnde Käfer Kirchturm-Perspektive. Spezialholz (Spez-Holz) fliegen steht heute auf dem Tagesplan der Eagle Helicopter AG, einem professionellen Helikopter-Unternehmen aus Zweisimmen im Berner Oberland. Spezialholzerei ist eine anspruchsvolle Arbeit für Pilot und Flughelfer, gilt es doch dabei meist alte, und dementsprechend schwere Bäume aus eng besiedelten Stadtgebieten, extremen Hanglagen oder kleinen Inseln zu entfernen. Ein starker Helikopter wie ein Super Puma ist hier oft die einzige Lösung und zweifellos die schnellste und effizienteste Art des Abtransports.

Minutiöse Vorbereitungsarbeit

Während Jahren haben sich die Bäume in einem der Vororte von Basel scheinbar unbemerkt zwischen den Häusern ausbreiten können. Jetzt sind sie zu groß geworden, spenden unerwünschten Schatten und drohen, die umstehenden Gebäude beim nächsten Sturm massiv zu beschädigen. Sie müssen deshalb weichen, das steht fest! Dani (Daniel) Schmid, von Beruf Holzwart, hat zwei Motorsägen der Marke Husqvarna 372 XP bereitgestellt. Sein Arbeitskollege, Flughelfer Erich Schwarz, prüft nochmals den Seilverlauf und erklärt: "Das ist eine heikle Aktion, wollen wir doch gleich vier Bäume miteinander ausfliegen. Dabei ist wichtig, dass sich die Stahlseile beim Anziehen nicht verhaken, was für uns, die Bodencrew, gefährliche Konsequenzen haben könnte. Löst sich nämlich das Seil unter Last aus der Verwicklung, kann der Baum wieder auf den Boden aufschlagen". Erich, seit drei Jahren bei Eagle Helikopter tätig, hat die verantwortungsvolle Aufgabe, den Piloten per Funk zu dirigieren. Das Team ist ruhig, nur nötigste Worte werden gewechselt. Plötzlich hebt Erich die Hand. Der Pilot hat sich über Funk gemeldet: "Tom kommt!", seine kurze Information an Dani.

Verantwortung beim Piloten

Tom beugt sich weit in seine ‚Aussichtsluke‘. Der Pilot ist auf genaue Anweisungen vom Boden angewiesen.

Tom (Thomas Bolzli) ist der Chef der ganzen Crew, denn als Pilot liegt bei ihm die Verantwortung für jede Aktion. Nur er kann letztendlich entscheiden, ob die Last überhaupt fliegbar ist, ob die Leistung der beiden Triebwerke (je 1.400 kWh) für das maximale Fluggewicht von 9.350 kg und die herrschenden Winde ausreichen. Ein Not-Klinken (Lastabwurf) wäre über bewohntem Gebiet fatal…

Vier Flughelfer-Teams von Eagle Helikopter AG sind heute in Basel verstreut, die Tages-Crew der Heli-Unternehmung besteht aus 15 Personen. Können mehrere Kunden im gleichen Gebiet bedient werden, beläuft sich eine Baum-Ausflugaktion im Schnitt auf 1.200 CHF (900 Euro). Zeit ist in diesem Geschäft Geld im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine Flugstunde des starken Helikopters kostet je nach Einsatzart rund 10.000 CHF (7.500 Euro). Jede Verzögerung kann den Profit der Firma zu Nichte machen oder gar zum Verlust mutieren. Eine unglaubliche Konzentrations-Zusammenarbeit zwischen Luft- und Bodenmannschaft beginnt. Schon kann man das dumpfe Poltern des heran donnernden Super Pumas vernehmen und fast im gleichen Augenblick erscheint der Grossheli wie ein Insekt am Himmel. Erich fixiert mit seinen Augen den Haken der weit unter dem Helikopter baumelt, während Dani sich mit einer der beiden Husqvarna-Sägen vor den Bäumen in Stellung bringt. Die zweite Motorsäge liegt griffbereit. Wie von Geisterhand senkt sich der Haken direkt in die Arme von Erich. Die Abluft (Downwash) des Rotors ist am Boden spürbar, obwohl der Helikopter 75 m höher schwebt. Während Erich die Seilenden in die Klinke einhängt, zieht Dani am Starter seiner Motorsäge. Der Motor springt problemlos an. Langsam wie in Zeitlupe steigt der Haken mit den Seilen hoch. Erich behält das Geschehen genau im Auge während Dani seine Husqvarna jetzt in den ersten Stamm rammt. Sägespäne fliegen wie Funken umher. Dann Erichs Kommando an den Piloten: "Tom jetzt leicht anziehen… halten… Dani sägt… sauber halten Tom… Dani sägt… Dani sägt!"

Und Dani sägt was seine Husqvarna hergibt, während der Helikopter wie festgeklebt am Himmel steht. Sekunden später sind die zwei weiteren Stämme durchtrennt, die zum gleichen Seilzug gehören. "Die ersten drei sind durch, Tom du hast sie… 10 m anziehen", so lauten die Kurzbefehle vom Boden an den Piloten. Im Cockpit lehnt sich Tom weit in die Aussichtsluke. Mit feinen Steuerbewegungen setzt er Erichs Instruktionen um, stets die verfügbare Leistung seines Fluggeräts kontrollierend. Die drei Bäume baumeln nun am Seil

des Helis gute 10 m über dem Boden, derweil Dani den vierten Baum ebenfalls durchtrennt. Plötzlich nimmt der Downwash des über 15 m messenden Rotors extrem zu Blätter und kleine Äste werden durch die Luft gewirbelt, Zuschauer halten sich Hüte und Röcke nieder, denn jetzt lässt Tom den Helikopter unter voller Leistung ansteigen. Das Gesamtgewicht des Baum-Doppelpakets wiegt knapp die maximale Aussenlast von 4,5 t des Super-Pumas. Die Kommandos von Erich umsetzend, zirkelt Tom die Bäume aus den Häuserhindernissen, als wäre es das einfachste auf der Welt. "Gut Tom, sauber gemacht!" rühmt Erich den Piloten. "Danke Jungs.", tönt es von irgendwo über den Dächern von Basel zurück.

Nicht immer läuft alles rund

Säger und Funker schlagen sich gegenseitig auf die flachen Hände: Die Anspannung weicht von ihnen, denn nicht immer läuft alles rund. Einmal brach das Schwert an Danis Motorsäge das Schneiden musste abgebrochen werden. Der Helikopter schwebte für einige Minuten aufgabenlos in der Luft, während Dani fieberhaft das Sägeblatt wechselte. "Eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Seither nehme ich zwei Motorsägen und zwar aus meinem Privatbesitz mit da weiss ich, was ich in den Händen habe!", erklärt Dani.

Tom dreht sich aus seiner Aussichtsluke zurück ins Cockpit, um den Instrumenten höchste Aufmerksamkeit zu widmen: Denn die Leistung, die Getriebebelastung, oder die Turbinentemperatur dürfen nicht überzogen werden. Gleichzeitig schaut er nach der Abladestelle aus. Die ganze Komposition hat sich mittlerweile einige hundert Meter über die Hausdächer gehoben und nun müssen die schweren Bäume genau auf die vorgesehene, zuvor abgesperrte Strassenkreuzung gelegt werden für Tom heißt das noch einmal volle Konzentration. Durch das Abbremsen der Vorwärtsgeschwindigkeit baumelt die Last extrem in Flugrichtung und zerrt am Helikopter. Ein Pendel mit Zerstörungspotential, würde es auf Häuser, Autos oder Einrichtungen treffen. Nur die große Erfahrung des Piloten bringt die Pendelbewegung zum Stoppen. Dann bekommt der unterste Baumstamm Bodenkontakt, und zwar genau an der Stelle, wo die Bäume abgelegt werden können. Eine Sisyphusarbeit. Tom hängt längst wieder in seiner Bubble, steuert den Riesenheli intuitiv und nach den Kommandos des Flughelfers am Boden. 7.000 Flugstunden sind Erfahrungsbeweis eines Vollprofis. Wie ein passionierter Mikadospieler legt er die Bäume behutsam ab klinkt die Seile aus und beschleunigt den Heli zur nächsten Einsatzstelle.

Verarbeitung der "Flug-Fracht"

Gleichzeitig mit dem Entschwinden des Helikopters machen sich die lokalen Forstarbeiter über den Baumsalat auf der Kreuzung her. Wild aufheulende Motorsägen entasten und zerkleinern die Bäume. In unwahrscheinlicher Schnelle werden die bereitstehenden Transporter beladen und nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei, die Strassen wieder offen und befahrbar.

Noch lange nicht Feierabend

Der Tag für die Helikopter-Crew hat aber erst begonnen. Dani und Erich fahren mit ihrem Auto zur nächsten Einsatzstelle in der Stadt Basel. Am Nachmittag schwebt der Helikopter mit schweren Pappeln am Haken über dem viel südlicher gelegenen Bielersee vorher wurde noch in Moutier eine Antenne samt zugehörigem Geräte-Gebäude auf einem Hügel installiert. Der lange Arbeitstag endet erst in Interlaken, wo Mannschaft und Helikopter über Nacht stationiert sind. Andy Schilling, der mit fliegende Helikopter-Mechaniker, überprüft den Super-Puma, macht die vorgeschriebenen Tages-Checks und erst als es dunkel ist, verlassen die letzten Mitarbeiter den Heli. So nahe am Heimatstandort (Zweisimmen) wird selten übernachtet. Der Super Puma operiert nicht nur in der Schweiz, das Einsatzgebiet erstreckt sich auch auf Deutschland und alle umliegenden Nachbarländer. Die morgige Aufgabe hat nichts mehr mit Bäumen zu tun: Auf dem Programm steht die Erstellung einer Gondelbahn im Skigebiet Berner Oberland.


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