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Wellness für den Rasen

Jeder Rasen bildet übers Jahr eine Filzschicht aus Moosen und abgestorbenen Pflanzenresten. Sie verhindert die störungsfreie Wasser- und Nährstoffaufnahme. Das Aufschlitzen dieser Schicht und das Herausschleudern dieses „Unrates“ mittels Vertikalmessern ist die effektivste Methode, wieder ein gesundes und sattes Grün zu erzielen. Wir haben für Sie Geräte mit Blick auf wichtige Aspekte hin ausprobiert.

Er weiß, wovon er spricht, denn Ekkehard Musche probiert sehr gerne selber aus.
Er weiß, wovon er spricht, denn Ekkehard Musche probiert sehr gerne selber aus.
Foto: Henk Beunk

Diese harte Arbeit des Vertikutierens erfolgt mittels einer mit losen oder festen Messern besetzten Horizontalwelle. Dies ermöglicht eine durchgängige Zerstörung der Filzschicht. Die im Abstand von 2-3 cm angebrachten Messer dringen circa 1 cm tief in den Boden ein. Das erfordert von den Arbeitswerkzeugen eine nicht zu unterschätzende Schwerstarbeit. Überall sind Sand, Steine, Wurzeln, aber auch Sehne, Schnur, Draht und ähnliches. All das muss ohne größere Schäden verkraftet werden.

Motorisierung

Je nach Arbeitsbreite kommen 3-9-PS-Horizontalmotoren (Briggs & Stratton, Honda, Subaru) zum Einsatz, die folgende Extras aufweisen sollten: Luftfilter mit großer Oberfläche, Benzinhahn, Gasregelung, Kraftstofftank mit mindestens 2 Litern Fassungsvermögen – verstärkte reparaturfreundliche Startervorrichtung, leicht zugängliche Ölstandskontrolle.

Da die Motorleistung durch Keil- oder Zahnriemen übertragen wird, der dabei gleichzeitig als Überlastschutz fungiert, sind eine groß dimensionierte Kurbelwellenlagerung und hochwertige Wellendichtringe enorm wichtig. Dabei kommt dem Drehzahl-Drehmomentverhältnis eine besondere Rolle zu. So ist der Motorenhersteller Subaru (cpm, Eliet) bei der hohen Drehzahl von 3.600 U/min in der Lage, Abgas- und Lärmvorschriften einzuhalten, und bewegt sich dadurch in optimaleren Motorbereichen als die Mitbewerber.

Zuschaltung Messerantrieb

Je mehr der Keilriemen, als eines der Hauptverschleißteile neben Messer und Lager, geschont wird, desto länger hält er. Ihn schon gleich beim Startvorgang mit zu bewegen, ist für die Laufbahnen schädlich, da es immer sofort zum Schlupf kommt. Diese Sachlage verstärkt sich, wenn die Messerwelle durch Erd- und Vertikutiergutreste nicht frei rotieren kann. Das schlägt dann bis zum Starter durch. Ein Belastungswechsel durch zuschaltbare horizontale Keilriemenspannrollen ist da schon schonender für das Übertragungselement (Herkules).

Die dabei auftretenden wechselnden Zugbelastungen führen aber ebenfalls zum schnelleren Verschleiß, da dabei dauerhaft auf die Keilriemenrücke Druck ausgeübt wird. Die Spannung in vertikaler Richtung (Eliet) auszuführen ist die bessere Lösung, weil sie den Keilriemen unter Belastung nicht so stark verformt. Der Einsatz einer preisintensiven Fliehkraftkupplung ist die keilriemenfreundlichste Variante (cpm), denn hier unterliegt das Übertragungselement keinerlei Wechselbelastungen.

Höheneinstellung Messerwelle

Der beste Vertikutierer taugt nichts, wenn er mit einer falschen Arbeitstiefe betrieben wird. Eine korrekte und bleibende Einstellung der Messereindringtiefe ist deshalb entscheidend für das qualitative Arbeitsergebnis. Außerdem gibt dieser Mechanismus die Möglichkeit, den Messerverschleiß auszugleichen.

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Wirkt die Höheneinstellung auf alle vier Räder, bleiben die Gewichts-, Last- und Gehäuse-Bodenabstandsverhältnisse erhalten. Wichtig ist dabei auch, dass eine leicht zu betätigende Transportstellung vorhanden ist. Die Sabo-Konstruktion mit dem Kipphebel fand dabei am meisten Zuspruch.

Vertikutiermesser

Einfach drehbare Flachstahlmesser herrschen vor, denn sie sind in den Beschaffungskosten gering und verlangen dem Motor nicht so große Leistungen ab. Je hochwertiger die Stahlqualität der Messer, desto länger ist natürlich die Lebensdauer.

Eine lang anhaltende Schärfe ist dabei enorm wichtig. Denn sonst wird zu viel Erde mit herausgeschleudert, die Wurzeln liegen blank, und eine Schädigung der Rasenfläche wäre die Folge. Vertikutieranbieter, die eine Schärfegarantie übernehmen (zum Beispiel Eliet = 100 Betriebsstunden), sind deshalb für den Profieinsatz ideal.

Die Anbringung der Messer über Druckscheiben hat im Gegensatz zur starren Anbringung den Vorteil, dass sie ein zusätzlicher Überlastschutz beim Aufschlag auf Steine oder dicke Wurzeln ist. Die Messerwelle mit gekapselten Kugellagern versehen, muss für den schnellen Messerwechsel leicht demontierbar sein. Deshalb ist die Konstruktion an den cpm-Geräten mittels Federstift am gelungensten.

Lose aufgehängte Vertikutiermesser können Steinen ausweichen und klappen dank der Fliehkraft wieder in Arbeitsstellung. Allerdings kommen sie bei stark verhärtetem Ton und Lehm nicht so gut in den Boden. Dieser Mangel wird durch schraubenförmige Federn verringert.

Messerwellenwechsel/Werkzeugvarianten

Der Einsatz der Bodenwalze beim Othmerding.
Der Einsatz der Bodenwalze beim Othmerding.
Foto: Othmerding

Unterschiedliche Rasenbedingungen erfordern unterschiedliche Werkzeuge. Es gibt zweifellos Vertikutiermesser, die gleichermaßen gut mit Filz und Moos fertig werden, aber oftmals kommen diese Geräte rein nur wegen der Moosbeseitigung zum Einsatz, und da sind die Federzinkensysteme, obwohl es mehr ein Rupfen ist, einfach am effektivsten.

Außerdem spielen unterschiedliche Bodenfestigkeiten bei der Auswahl der Vertikutierwerkzeuge eine gewichtige Rolle. Deshalb sind unterschiedliche Werkzeugvarianten wünschenswert. Wenn diese sich dann so problemlos austauschen lassen wie bei cpm, kann auch mal während des Einsatzes gewechselt werden.

Messerwellenlagerung

Gekapselte Kugellager in Metallgehäuse sollte die Mindestanforderung bei Profivertikutierern sein. Werden allerdings die Lager außerhalb des Arbeitsbereiches platziert (zum Beispiel cpm, Herkules), leben sie deutlich länger, denn sie kommen nicht so ohne Weiteres in direkten Kontakt mit Erde und anderen Fremdkörpern. Das hat allerdings auch den Nachteil, dass man an diesen vorstehenden Bauteilen eher mal hängen bleibt und nicht so randnah um Ecken und Pfähle herumkommt.

Bedienelemente

Der Umschalthebel Transport – Arbeitsstellung, Gasregelung, Kupplungshebel, Starterseilbefestigung sollten idealerweise alle vom Schiebeholm erreichbar sein. Da professionelle Vertikutierer ein hohes Eigengewicht besitzen und benötigen (50 bis 135 kg), sind dickwandige Führungsholme mit stabiler Gehäusebefestigung zwingend erforderlich.

Bei allen Geräten war der Holm so arretierbar, das man ohne Öl- und Kraftstoffverlust problemlos Messerwechsel und Reinigungsarbeiten vornehmen konnte. Leider wurde bei keinem Hersteller an eine Holmhöheneinstellung gedacht, was besonders im Bereich unter 170 cm und über 195 cm zu unvorteilhaften Körperhaltungen führte.

Bei den antriebslosen Vertikutierern hat die Griffgestaltung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Schnell wird ansonsten das Schieben von 42 bis 65 kg über weichen Moosteppich zur Strapaze. Da die natürliche vertikale Handhaltung bei cpm und Herkules einsetzbar war, wurde diese auch als weniger beschwerlich empfunden. Bei Letzterem mussten durch die sehr große Griffholmbreite ab und zu schmerzhafte Randerfahrungen in Heckennähe gemacht werden.

Vertikutiergehäuse

Aluminiumgehäuse oder Stahlblech ab 2 mm Dicke mit einer stabilen Messerwellenlagerbefestigung sind das A und O. Gussgehäuse (zum Beispiel Sabo) können aufgrund ihres Herstellungsverfahrens dickwandiger und homogener gestaltet werden, was kompaktere Baumasse und optimalere Gehäuseformen ermöglicht und den Aufbau von Erdschichten im Messerbereich verringert. Außerdem kann mittels eingelassener Langlöcher eine einfache, aber stabile Nachjustierung der Keilriemenspannung erfolgen und sie rosten nicht.

Saatbettnachbereitung

Die Geräte kamen jeweils bei trockenen und feuchten Rasen und unterschiedlichen Bodenfestigkeiten zum Einsatz. Es wurden auch mutwillig Flächen befahren, die mit Flachwurzlern bestockt waren, um das Sprungverhalten zu testen. Korrekt formuliert: Wie reagieren die Maschinen bei Fremdkörperaufschlag.

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Außerdem wurden Slalomfahrten vorgenommen, um die Manövrierfähigkeit beurteilen zu können. Die Tester rekrutierten sich aus Hausmeisterdiensten und Großgartenbesitzern.

Alle Modelle sind für den professionellen Einsatz gut bis sehr gut geeignet sowie leicht und verständlich zu bedienen.

Aufgrund der Arbeitsbreite und des Gewichtes können der cpm VP 450 Profi und der Sabo 45-220 schnell und problemlos in fast jedes Auto verladen werden und sind deshalb auch für die Vermietung bestens geeignet. Außerdem haben sie durch diese Eigenschaften Vorteile in der Wendigkeit und kommen deshalb besonders gut in verwinkelten Gärten zurecht.

Allerdings nimmt ein Gerät durch die festgespannten Messer es übel, wenn es auf hartnäckigen Widerstand (Wurzeln, Steine) trifft. Entweder fängt er an zu springen, oder die Spannscheiben lockern sich, was bei fremdkörperreichen Rasenflächen zu mehrmaligen Reparaturunterbrechungen führen kann. Die mit Fliehkraftmesser bestückten Vertikutierer hatten dabei weniger Probleme. Schlimmstenfalls würgte der Motor ab, oder er brauchte danach einige Sekunden, um wieder auf Normdrehzahl zu kommen. Dank des wie ein Kupplungshebel gestalteten Gasgriffes und der Fliehkraftkupplung war eine derartige Beeinflussung beim cpm-Gerät am geringsten.

Von Flächenleistung und Preis-Leistungs-Verhältnis hat der Herkules V550H positiv überrascht. Von der Arretierung der Höheneinstellung mal abgesehen, konnte er alle Aufgaben in professioneller Art und Weise erfüllen. Allerdings sind bei 65 kg Gesamtgewicht zum Verladen Auffahrrampen oder helfende Hände notwendig.

Der Eliet E 600 compactor ist durch den Fahrantrieb, das Gewicht, die Vertikutiergutaufnahme und den Preis eine eigene Liga. Er holte mit seinen Messern mit Abstand das meiste aus dem Rasen raus, machte vor nichts Halt und hinterließ eine sauber gewalzte Rasenfläche. Er ist von der Gesamtkonzeption auf Firmen ausgelegt, die viel, regelmäßig und effektiv Flächen zu vertikutieren haben. Die Aufnahme des Vertikutiergutes, das langlebige Messersystem und die sehr hohe Werkzeugwirksamkeit in der Grasnarbe macht diese viel höhere Investition rentabel.

15.01.2020