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Die Vorteile der Akkugeräte

Der Marktanteil akkubetriebener Gartentechnik wächst rasant. Die Akzeptanz auf Anwenderseite legt zu. Selbst im Profibereich sind die kabellosen und benzinfreien Alternativen stärker gefragt. Doch was sind die Gründe dafür?

Mit den schweren und unhandlichen Batteriepaketen der ersten Jahre haben moderne Akkus nichts mehr gemein.
Mit den schweren und unhandlichen Batteriepaketen der ersten Jahre haben moderne Akkus nichts mehr gemein.
Foto: Pellence

Ob Smartphone, Akkuschrauber oder Elektroauto: Lithium-Ionen-Akkus sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch im Gartensegment erleben sie schon seit einiger Zeit einen regelrechten Siegeszug.

Laut Industrieverband Garten (IVG) gab es 2018 bei Mährobotern europaweit ein Wachstum von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Trend soll in den kommenden Jahren anhalten. „Auch im Segment der akkubetriebenen Gartengeräte haben wir es mit einem wachsenden Markt zu tun. Hier verkauften sich Heckenscheren, Rasentrimmer, Laubsauger und Rasenmäher am besten, in dieser Reihenfolge“, führt George Brown, Technischer Referent beim IVG, aus. „Grundsätzlich legten aber alle Akkuprodukte um bis zu 60 Prozent zu.“

Dass der Trend zum Akku anhält, bestätigt auch Oliver Hütt, Geschäftsführer der Einkaufskooperation Greenbase: „Sowohl die Herstellersortimente als auch die Endkundennachfrage haben sich nochmals verstärkt in Richtung akkubetriebene Gartengeräte entwickelt. Mittlerweile ist unter unseren Markenherstellern fast keiner mehr, der nicht bereits seit einigen Jahren oder spätestens für die kommende Saison Akkugeräte im Sortiment hat.“ Darüber hin-aus gibt es immer mehr Hersteller, die auf reine Akkusortimente setzen.

 „Wir bewegen uns in manchen Produktkategorien, speziell im Endverbrauchersegment, auf 50 Prozent Akkuanteil zu“, berichtet Hütt. Seiner Einschätzung nach werden kabelbetriebene Gartengeräte in absehbarer Zeit keine Rolle mehr im Fachhandel spielen. „Benzinbetriebene Geräte haben jedoch weiterhin ihre Berechtigung. Auch künftig wird es Anwendungen oder Einsatzorte und -bedingungen geben, bei denen akkubetriebene Geräte noch an ihre Grenzen stoßen. Unabhängig davon wird der Siegeszug der Akkutechnologie in den nächsten Jahren nicht aufzuhalten sein.“

Meist aus Fernost

Die höhere Nachfrage nach Akkugeräten spiegelt sich in den steigenden Einfuhrraten von Akku-Zellen beziehungsweise Akkus wider: Nach Angaben des Zentralverbands der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) legte das Importvolumen von Fabrikaten, die auf Lithium-Ionen basieren, zwischen 2013 und 2018 um 340 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Der Großteil aller Zellen und Akkus wird in Asien produziert.

Welche Anwendungsgebiete mit Akkutechnik bereits bedient werden können und welche Profigeräte es auf dem Markt gibt, lesen Sie im Fachmagazin "Motorist". Wenn Sie noch kein Abo haben, dann können Sie das Heft auch als Mini-Abo zum Vorzugspreis für zwei Monate testen.


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Zu den wichtigsten Herstellern gehören Samsung SDI (Südkorea), Panasonic (Japan), LG Chem (Südkorea) oder CATL (China). Im Jahr 2018 konnten die asiatischen Anbieter laut ZVEI 57 Prozent des deutschen Importvolumens aller Zell- und Akku-Typen für sich beanspruchen. Bei der Lithium-Ionen-Technologie waren es sogar 78 Prozent. Somit belief sich das Importvolumen in diesem Segment auf 1,8 Milliarden Euro.

Die Einfuhren von Lithium-Ionen-Zellen oder -Akkus aus Europa machten 2018 mit einem Volumen von 460 Millionen Euro nur rund ein Viertel aus. Jedoch stiegen sie zwischen 2016 und 2018 mit mehr als 50 Prozent stark an. Seit 2013 hat sich die Zahl versechsfacht.

Grüner, gesünder, geräuschärmer

Husqvarna Epos
Mähroboter gehöhren zu einen der beliebtesten Akkugeräten für Endverbaucher.
Foto: Husqvarna

Doch weshalb geht der Trend so stark in Richtung Lithium-Ionen-Akku? Neu ist die Technologie nämlich nicht. Sony brachte bereits 1991 die erste wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterie für kommerzielle Zwecke auf den Markt, die in einer Videokamera verbaut war. Seither hat sich jedoch einiges getan, und der Lithium-Ionen-Akku wurde weiterentwickelt.

Heute weist er eine sehr hohe Energiedichte und Leistungsfähigkeit auf, weshalb er mit anderen Antriebstechnologien längst mithalten kann. Mit nur einem Ladezyklus lässt sich deutlich länger arbeiten als noch vor einigen Jahren. Deshalb lösen die akkubetriebenen Geräte ihre kabelgebundenen Pendants langsam aber sicher ab. Selbst in Produktkategorien wie den Aufsitzrasenmähern oder Kehrmaschinen sind bereits verschiedene Modelle erhältlich. Die Akkus werden darüber hinaus kompakter und leichter und die Ladezyklen kürzer.

Vollständig entladene Akkus von handgeführten Geräten können mittels Schnellladegerät oft schon in weniger als 45 Minuten geladen werden. Das macht akkubetriebene Geräte auch für den professionellen Einsatz im Garten- und Landschaftsbau oder in der Anlagenpflege interessanter, wo „Benziner“ bislang meist das Mittel der Wahl waren. Hinzu kommt, dass fossile Brennstoffe und die bei der Verbrennung freigesetzten, umweltschädlichen Abgase stärker von der Gesellschaft hinterfragt und kritisiert werden.

Darüber hinaus können benzinbetriebene Geräte bei häufiger Anwendung die Gesundheit schädigen. Das regelmäßige Einatmen der Abgase kann zu Atemwegs- oder Krebserkrankungen führen und das Unfallrisiko durch Schwindelanfälle aufgrund von Kohlenmonoxid-Vergiftungen erhöhen. Zudem birgt das Hantieren mit Kraftstoff an sich schon eine gewisse Gefahr.

Ein weiterer Vorteil der Akkutechnik gegenüber dem Benzinbetrieb: Die Geräte sind deutlich vibrationsärmer. Das macht das Arbeiten angenehmer und reduziert das Risiko von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Hand-Arm-Vibration, etwa Wirbelsäulenschäden oder Durchblutungsstörungen und Gelenkschäden des Hand-Arm-Systems. Zudem ist der Lärmpegel merklich geringer. Das freut nicht nur die Nachbarn, sondern kommt auch Profis bei der Pflege von Freiflächen zugute. Denn dadurch können die Akkugeräte zu Uhrzeiten und in Bereichen genutzt werden, wo der Einsatz von Benzingeräten nicht erlaubt ist, etwa an lärmempfindlichen Orten wie Krankenhäusern oder Schulen.

Darüber hinaus ist bei vielen Akkuprodukten kein Gehörschutz mehr während der Nutzung erforderlich, was die Arbeit auf Dauer deutlich angenehmer macht. Die Zahl der Betriebe und immer häufiger auch die Kommunen, die in vielen Bereichen sogar ganz auf Akku-Technik umsteigen, wächst daher rasant.

Wirtschaftlichkeit im Zeitverlauf

Ein Aspekt, der in Zusammenhang mit der Akkutechnik immer wieder thematisiert wird, sind die Anschaffungskosten für ein Gerät inklusive dem Akku und dem Ladekabel beziehungsweise Ladegerät. Denn diese sind in der Regel höher als die für benzinbetriebe Geräte – obwohl die Akkus in den letzten Jahren schon deutlich günstiger geworden sind.

Die Hersteller halten jedoch dagegen: Zwar sei der Kaufpreis im Vergleich etwas höher, die laufenden Kosten aber viel geringer. Das liegt vor allem an den höheren Preisen für den Kraftstoff im Vergleich zum Strom. Wann der Zeitpunkt eintritt, an dem sich die Anschaffung der Akkumodelle rentiert, ist jedoch schwer zu benennen. Denn das ist von diversen Faktoren abhängig, etwa der Anwendungsart, dem individuellen Nutzungsverhalten und den Kraftstoffkosten.

Ein namhafter Hersteller von Geräten für den Profibereich stellt etwa ein Rechenbeispiel vor, nach welchem sich die Anschaffung von drei Akkugeräten (Freischneider, Heckenschere, Laubbläser) im Vergleich zu Benzingeräten bereits nach zwei Jahren lohnen soll. Zwar fällt die Bilanz im ersten Jahr aufgrund der höheren Anschaffungskosten noch negativ aus, in den Folgejahren kommen bei den Akkugeräten allerdings nur die Stromkosten für das Aufladen des Akkus hinzu.

Beim Benzinequipment sind die Kosten für den Kraftstoff sowie für die Wartung und für die Instandhaltung nach der Berechnung des Herstellers höher. Demnach belaufen sich die Einsparungen nach fünf Jahren auf etwas mehr als 5.000 Euro, wenn man sich für die drei Akkugeräte der gleichen Marke statt für benzinbetriebene Alternativen entscheidet. Natürlich bildet das vom Hersteller beschriebene Szenario einen Verlauf unter idealen Bedingungen ab. Grundsätzlich ist aber dennoch davon auszugehen, dass sich die Anschaffung von Akkugeräten nach einer gewissen Dauer amortisiert und auf lange Sicht günstiger ist, sofern die Geräte vorschriftsmäßig genutzt werden.

Einer für alle

Mit der Erweiterung der Sortimente um weitere akkubetriebene Produkte setzen immer mehr Hersteller auf das Prinzip Baukasten: Durch die Trennung von Akku und Gerät ist es möglich, die Sekundärbatterie einfach herauszunehmen und auszutauschen. Ein Akku lässt sich somit in viele verschiedene Geräte des Herstellers einsetzen, sofern sie mit dem Baukasten kompatibel sind. Bei manchen Anbietern sind bereits um die hundert Werkzeuge und Geräte integrierbar. Weitere Produkte, die mit demselben Akkutyp betrieben werden, können bei Bedarf auch ohne einen zusätzlichen Akku und ein weiteres Ladekabel beziehungsweise Ladegerät hinzugekauft und in den Baukasten integriert werden.

Das wirkt sich entsprechend positiv auf die Kostenrechnung der Anwender aus. Zudem besteht dadurch die Möglichkeit, einen Akku am Ende seiner Lebensdauer zu ersetzen. Somit muss nicht das ganze Gerät repariert und im Zweifel sogar entsorgt beziehungsweise recycelt werden. Das macht das Baukastenprinzip auch aus ökologischer Sicht zu einer sehr sinnvollen, nachhaltigen Entwicklung in diesem Bereich.

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16.04.2020