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Bertinchamp steigt in Nordwest-Vorstand auf

Ein alter Bekannter ersetzt den ausscheidenden Vorstandschef Bernhard Dressler bei Nordwest: Martin Helmut Bertinchamp, ehemals Gardena und Husqvarna. Dressler verlässt das Unternehmen vorzeitig aus "wichtigen persönlichen Gründen". Gleichzeitig einigt sich Nordwest mit seinen Ex-Vorständen Jüngst und Franzen.

Eröffnungsfeier Nordwest in Dortmund
Bernhard Dressler (2. v.r.) und Martin Helmut Bertinchamp (3. v.r., damals noch im Aufsichtsrat) gemeinsam bei der Eröffnung des neuen Nordwest-Sitzes in Dortmund im Jahr 2017.
Foto: Nordwest

Der Vorstandsvorsitzende des vor allem beim Produktonsverbindungshandel starken Einkaufsverbandes Nordwest, Bernhard Dressler, hat den Aufsichtsrat gebeten, seinen Dienstvertrag und seine Vorstandsbestellung aus wichtigen persönlichen Gründen vorzeitig einvernehmlich zu beenden. Seine Amtszeit ist gegenwärtig bis zum Ablauf des 31.01.2021 befristet.

Dressler ist derzeit wegen einer Erkrankung bis zum 31.12.2018 (einschließlich) arbeitsunfähig und an der Ausübung seines Vorstandsmandates verhindert. Während des Zeitraums dieser Verhinderung wird er von dem Aufsichtsratsmitglied Martin Helmut Bertinchamp vertreten, den der Aufsichtsrat mit Wirkung ab dem 24.10.2018 als Stellvertreter gemäß §105 Absatz 2 des Aktiengesetzes in den Vorstand entsandt hatte.

Möglich, dass Bertinchamp auch als Dauerlösung infrage kommt. Er bringt nicht nur im Werkzeug-Umfeld eine Menge Branchen-Know-how mit, sondern hat auch im Gartensegment eine Geschichte. Von Ende 2004 bis zur Übernahme durch Husqvarna war Bertinchamp CEO von Gardena, bis 2011 dann auch Mitglied des Husqvarna-Vorstands.

Dressler war ursprünglich (ein Stück weit auch als Hoffnungsträger) gekommen, um das Schlamassel, das infolge des eher unrühmlichen Abgangs und des damit einhergehenden Rechtsstreits mit den Ex-Vorständen Peter Jüngst und Annegret Franzen aufgetreten war, zu beseitigen. Insofern passt es, trotz seiner bedauerlichen Erkrankung, dass Nordwest auch dieses Thema offiziell ad acta legen kann. Man hat sich mit Jüngst und Franzen und ihrem D&O-Versicherer Axa auf eine Zahlung in Höhe von 650.000 Euro geeinigt.

Nordwest warf ihnen vor, während ihrer Amtszeit im Zeitraum zwischen etwa Frühjahr 2014 bis Mai/Juni 2015 den Plan verfolgt und den Versuch unternommen zu haben, einen Wettbewerber gegen Nordwest aufzubauen (offenbar 'MP - Die Mittelstandsprofis' mit Sitz in Wuppertal), den Zusammenbruch der Nordwest, insbesondere des Haustechnikbereichs, herbeizuführen sowie Kunden und Mitarbeiter von Nordwest abzuwerben und zugunsten des aufzubauenden Wettbewerbers zu übernehmen, und deshalb ihre Organpflichten als damalige Vorstandsmitglieder der Nordwest verletzt zu haben. Es sei damit verbunden zu einem erheblichen Schaden gekommen. Jüngst und Franzen bestreiten und bestritten dies.

Das aufgrund einer Strafanzeige der vom 15. Juni 2015 gegen die Ehemaligen Vorstandsmitglieder eingeleitete Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hagen zum Aktenzeichen 300 Js 597/15 ist im November 2017 hinsichtlich des Vorwurfs der Untreue mangels hinreichenden Tatverdachts nach § 170 Abs. 2 StPO und im Übrigen, unter anderem hinsichtlich der Vorwürfe des versuchten Prozessbetrugs, des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und der Datenveränderung, nach § 153a Abs. 1 StPO wegen geringen Verschuldens und mangels öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung gegen von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern gezahlte Geldauflagen eingestellt worden. Nun wird das Thema auch Nordwest mutmaßlich nicht weiter umtreiben müssen.

20.11.2018

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