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Droht Briggs & Stratton die Insolvenz?

US Medien berichten, dass der amerikanische Motorenfabrikant Briggs & Stratton derzeit bemüht ist, eine drohende Insolvenz abzuwenden.

Briggs & Stratton Motor
Auch Neuheiten wie dieser Motor täuschen nicht darüber hinweg, dass Briggs & Stratton im Mutterland USA in Schwierigkeiten ist.
Foto: Briggs & Stratton

Bereits im Dezember 2019 habe Briggs & Stratton Nettoschulden in Höhe von 581 Millionen US-Dollar angehäuft und sich laut S&P Global Ratings einer "zunehmenden Wahrscheinlichkeit" eines Zahlungsausfalls oder einer Umstrukturierung gegenüber gesehen. Mitte Juni konnte das Unternehmen dann seine Zinszahlungen in Höhe von 6,7 Millionen US-Dollar nicht mehr bedienen. Dies berichtet die Nachrichtenplattform Milwaukee Journal sentinel. Zwar gewährten die Gläubiger eine 30-tägige Nachfrist. Diese läuft nun am 15. Juli ab. Kann Briggs & Stratton bis dahin nicht zahlen, könnte der Konkurs drohen, so die Beobachter vor Ort.

Verkauf von Unternehmensteilen erwogen

Briggst & Stratton wollte gegenüber den US-Kollegen nicht Stellung nehmen, erklärte aber, notfalls bestimmte Unternehmen und Vermögenswerte zu verkaufen, um seine Bilanz zu stützen, und sich auf Kernkompetenzen, nämlich kleine Motoren, sowie neue Produkte wie Lithium-Ionen-Batterien zu konzentrieren. "Die Auswirkungen von COVID-19 waren beträchtlich und haben mitten in der Hauptsaison das Geschäft belastet", so Briggs-Sprecher Rick Carpenter in einer E-Mail an das Milwaukee Journal Sentinel. Auch die Kapitalmärkte seien in einer Zeit, in der man versucht habe, die Schulden zu refinanzieren, extrem volatil gewesen.

Deutlicher Stellenabbau

Nichtsdestotrotz wurden Führungskräften und anderen wichtigen Mitarbeitern so genannte Retention Awards, also Boni, über insgesamt mehr als 5 Millionen US-Dollar gewährt. Solche Zahlungen gingen häufig einer Insolvenzanmeldung voraus, heißt es. Aktuell hat sich zudem der Kurs der Briggs-Aktie auf 1,22 US-Dollar pro Stück verschlechtert. Ende Juni kündigte das Unternehmen darüber hinaus an, rund 228 Arbeitsplätze in seinem Werk an der North 124th Street in Wauwatosa zu streichen - als Maßnahme im Vorfeld des zuvor angekündigten Umzugs der Produktion in die Fabrik von Briggs & Stratton im ländlichen New York. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen im Raum Milwaukee 1.363 Mitarbeiter, davon 488 in Produktion und Vertrieb.

Bewegt war die Geschichte von Briggs & Stratton schon immer. Alleine in den letzten Jahrzehnten hat der Motorenhersteller in den USA immer wieder Werke eröffnet und geschlossen. Erweitert wurde unlängst im ländlichen Bundesstaat New York die Herstellung von Zero-Turn- und kommerziellen Mähern unter den Marken Ferris, Simplicity und Snapper Pro. Der aktuell angekündigte Umzug von Produktionsteilen in den Raum New York ginge auf eine Investition zurück, die man 2019 in ein Werk dort getätigt hat, heißt es.

Strategische Neupositionierung

"Wir verfügen in New York über Know-how und (Werks-)Kapazitäten in Bezug auf Rasenprodukte – Null-Turn-Mäher usw., die zu natürlichen Synergien führen, indem sie alle an einem Ort zusammen sind", so das Statement von Briggs & Stratton. "Dieser Schritt ist Teil unserer strategischen Neupositionierung, die wir im März angekündigt haben, und ein natürlicher Ausgleich der US-basierten Produktion, die wir seit Jahren kontinuierlich betreiben. Wir berücksichtigen alle Faktoren bei dieser Bewertung." Analysten sehen den Traditionsbetrieb jedoch nicht nur durch die Corona-Pandemie unter Druck. Diese habe zwar die Finanzierung und den für die Sanierung notwendigen Verkauf von Vermögenswerten erschwert. Doch auch ausländische Konkurrenz und der Verlust von Großkunden im Outdoor-Stromgerätegeschäft mache Briggs & Stratton zu schaffen.

08.07.2020