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Fachkräftemangel auf vielen Positionen

Wie andere Handelssparten herrscht auch bei den Motoristen Fachkräftemangel und der Trend hin zum Studium verstärkt zusätzlich das es immer weniger Absolventen für eine Ausbildung zum Fachverkäufer gibt.

Immer weniger junge Menschen suchen eine Ausbildung ohne Studium. Daher kombinieren viele Arbeitgeber ihre Angebote.
Immer weniger junge Menschen suchen eine Ausbildung ohne Studium. Daher kombinieren viele Arbeitgeber ihre Angebote.
Foto: EUFH

Die Sache mit dem Fachkräftemangel im Handel ist vertrackt: Einerseits stellen die Mitarbeiter auf der Verkaufsfläche und auch in den Unternehmenszentralen einen Kostenblock dar, an dem jeder Controller gerne mit seinem Rotstift rumkritzelt. Andererseits ist gutes und gut ausgebildetes Personal wichtig, um beispielsweise im Unternehmen die Prozesse zu optimieren, oder um am PoS die Kunden zu beraten, Services zu bieten und dementsprechend Umsätze einzufahren.

Kandidatenmarkt statt Anbietermarkt

Gute Fachkräfte sind schwer zu finden. Dieser fast schon phrasenverdächtige Spruch kennt am besten die Baumarktbranche. Im Moment herrscht in dieser Branche eher ein Kandidatenmarkt, als ein Anbietermarkt vor.

Thorsten Olah, Leiter der Recruitingabteilung bei Hornbach, kennt das Problem des Fachkräftemangels: „Wir sehen einen Fachkräftemangel auf Positionen, wie beispielsweise Verkäufer/Fachberater mit speziellen Sortimentskenntnissen oder auf Positionen in unserer IT, Logistik und im eCommerce. Andererseits gibt es einen Fachkräftemangel in bestimmten Regionen Deutschlands, welche eine hohe Dichte an Unternehmen aufweisen und wo wir somit im branchenübergreifenden Wettbewerb stehen.“

Dirk Kant, Bereichsleiter Recht und Personal der Hagebau, sieht noch weitere Aspekte: „Neben der demografischen Entwicklung spielt es auch eine Rolle, dass sich immer mehr junge Menschen für eine Hochschulausbildung entscheiden. Wir werben dafür, dass die duale Ausbildung als eine echte Alternative zu sehen ist.“

Die Berufsstarter der Hagebau-Gesellschafter legten mit ihrer Ausbildung den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Entscheidend für den Fachkräftemangel sei daneben die zunehmende Digitalisierung von Prozessen – es entstünden neue Verantwortungsbereiche, dadurch werde komplexeres Fachwissen vorausgesetzt.

Gleichzeitig nehme die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Mitarbeitern kontinuierlich ab. „Es gilt also, die Branche für die Fachexperten attraktiv zu gestalten, sie weiterzuentwickeln und die Bindung an den Arbeitgeber zu stärken“, so Kant.

Ein Studium ist für derlei Berufsanforderungen meist ein Muss. Dies bestätigt Thorsten Olah: „Wir sehen klar einen Trend von der Ausbildung hin zum Studium (bzw. zum dualen Studium). Was zur Folge hat, dass Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben und damit mittelfristig auch keine potentiellen Verkäufer/Fachberater nachrücken.“

Fachkräfte aus den Universitäten

Jungen Studierenden, die später einmal im Einzelhandel Karriere machen wollen, bieten die Hochschulen die entsprechenden Studiengänge. Die Europäische Fachhochschule Rhein/Erft (EUFH) hat ein duales Studium „Handelsmanagement“ mit Abschluss Bachelor of Arts, darauf aufbauend ggf. Master of Arts in Marketingmanagement (berufsbegleitend) im Programm.

Wie eine Hochschulsprecherin gegenüber Motorist erklärt, sei der Praxisbezug ein wichtiger Schwerpunkt. „Auch während der Theoriephasen ist es so, dass zu erlernende Inhalte immer mit Bezug zu ihrem Einsatz in der Praxis thematisiert werden. Dafür sorgen einerseits praxiserprobte Professoren, andererseits auch die Studierenden selbst, die aus den unterschiedlichsten Handelsunternehmen kommen und von ihren Erfahrungen gegenseitig profitieren“, so die Hochschule.

Alle Studieninhalte seien branchenspezifisch, das heißt in diesem Falle mit Bezug zum Handel. Besonderer Wert werde auch auf das Training sozialer Kompetenzen gelegt. Von Anfang an besuchen die Studierenden Veranstaltungen zu Themen wie Kommunikation, Teamarbeit oder Mitarbeiterführung.

Prof. Dr. Ralph Kleiner, Dekan an EUFH: „Verhalten spielt nicht nur eine sehr große Rolle hinsichtlich der Verbraucher, sondern generell im Umgang mit Menschen im beruflichen Umfeld. Viele Hochschulen integrieren diese Thematik nur in sehr geringem Umfang in das Studium. Die EUFH hat den Bereich der „Soft Skills“ aber als wichtigen und festen Bestandteil in das Studium eingebaut. Hier werden u. a. soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Gesprächsführung, Teamarbeit und Teamentwicklung sowie Managementtechniken wie Selbstmanagement, Projektmanagement, Verhandlungstechniken etc. gelehrt.“

Bezug zur Praxis

Elisabeth Ligendza, Leiterin der Kommunikation der Dualen Hochschule Baden Württemberg hebt ebenfalls die Praxisnähe ihrer Einrichtung hervor: „Bei uns an der DHBW Ravensburg können die Studierenden einen Bachelor of Arts machen - und zwar im Studiengang BWL-Handel plus. Wir bieten ein duales Studium an, das heißt, die Studierenden sind zur Hälfte in ihren Praxisphasen in ihrem Unternehmen und zur Hälfte an der Hochschule. Der Vorteil: Sie sammeln schon in ihrem Studium jede Menge praktische Erfahrungen. Zu unseren Partnerunternehmen zählen viele Einzelhändler, auch Baumärkte sind darunter.“

Der Studienschwerpunkt Handel Plus der DHBW bietet ein klassisches betriebswirtschaftliches Studium mit den Inhalten der speziellen Betriebswirtschaftslehre, welche sich an den Erfordernissen des Handels orientieren. Dazu gehören Vorlesungen und Fallstudien in Marketing und Vertrieb, Beschaffung, Logistik, Supply Chain Management, Personal und Führung.

Im Fokus steht eine größtmögliche Flexibilität im Sinne einer Problemlösungsfähigkeit, die grundsätzlich alle betriebswirtschaftlichen Funktionsbereiche sowie alle Handelssparten umfasst. Im dritten Studienjahr können die Studierenden wählen zwischen den Modulen Finanzmanagement, Accounting, Controlling und Tax, Supply, Marketing- und Vertriebsmanagement und ERP, Informations-, Innovationsmanagement und Consulting, um sich weiter auf ihre Tätigkeit im Unternehmen zu spezialisieren. Wie Ligendza erläutert, hätten sich die Studienschwerpunkte in den letzten Jahren stark in Richtung Digitalisierung und E-Commerce verschoben.

Fachverkäufer mit Kompetenz

Dahingegen sind die Anforderungen, welche die Mitarbeiter auf der Verkaufsfläche zu erfüllen haben, in den letzten Jahren ähnlich geblieben. „Der Fokus liegt hier darauf, ob der Bewerber für den Umgang mit Kunden geeignet ist. Wer Freude an der Beratung und Interesse an unseren Produkten hat, bringt gute Voraussetzungen mit“, berichtet Dirk Klant.

„Unverzichtbar ist natürlich die nötige Fachkompetenz, um eine kundenorientierte Produktberatung auf Augenhöhe zu gewährleisten. Neben der Dienstleistungsorientierung legen wir großen Wert darauf, dass unsere Bewerber und zukünftigen Mitarbeiter bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Interesse daran haben, sich weiterzuentwickeln“, so der Bereichsleiter Personal bei der Hagebau.

Ähnlich sieht das Thorsten Olah von Hornbach: „Wir suchen Kolleginnen und Kollegen, die Hornbach und unseren Projektgedanken verkörpern. Das bedeutet aktiv auf unsere Kunden zugehen, deren Vorhaben verstehen und mit Fachwissen zur Projektumsetzung und Sortiment bestmöglich beraten.“

Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben, ist es wichtig, dem Personal Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu offerieren. So beschreibt die Hagebau die Aufstiegschancen in der Organisation als „sehr vielfältig“. Vor allem das Thema Fachkarriere wird dabei immer mehr in den Mittelpunkt gerückt.

„Auf Grund des veränderten Marktes legen wir hohen Wert auf die Fachexpertise und Eigenverantwortung unserer Mitarbeiter“, so Kant. Entwicklungsmöglichkeiten gebe es neben klassischen Karrieremodellen im Wege des projektorientierten Arbeitens in neuen Organisationsformen. Der Fokus liege nicht mehr nur darauf, die Karriereleiter vertikal zu erklimmen, sondern sich als Mitarbeiter fachlich und auch persönlich weiterzuentwickeln.

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26.11.2019

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