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John Deere verkauft Sabo an Mutares

Die Sabo Maschinenfabrik GmbH, bisher in der Hand von John Deere, wechselt ihren Eigentümer. Vermutlich bis Ende Juli 2020 soll die Transaktion abgeschlossen sein. Neue Muttergesellschaft wird die auf Industriebeteiligungen spezialisierte Mutares SE & Co. KGaA.

Familiärer Geist bestimmt den Kurs in der Sabo-Zentrale in Gummersbach.
Sabo segelt bald unter neuer Flagge . Die Marke bleibt, der Eigentümer ändert sich.
Foto: Onusseit

Nach 29 Jahren endet das Engagement von Deere & Company beim Gummersbacher Rasenpflegespezialist Sabo. Dies gab die Sabo Maschinenfabrik GmbH bekannt. Demnach wird die Mutares SE & Co. KGaA das Gummersbacher Traditionsunternehmen bereits zu Ende Juli vollständig übernehmen. Mutares ist eine private Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München, die auf die Akquisition und Verwaltung mittelständischer Unternehmen spezialisiert ist. Derzeit besitzt die Company 13 Unternehmen aus drei Industriesegmenten, nämlich Automotive & Mobility, Engineering & Technology sowie Goods & Services.

Marke bleibt erhalten

Auswirkungen auf die Marke Sabo, ihr Portfolio an handgeführten Rasenmähern und tragbaren Gartengeräten, den Produktionsstandort sowie die Belegschaft soll der Deal nicht haben, heißt es aus Gummersbach. Auch weiterhin werde man seine Kunden in Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern mit qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen beliefern, so das Statement. Für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Vertriebspartner werde sich im Geschäftsalltag nur wenig ändern.

John Deere: konzentrieren aufs Kerngeschäft

Laut Tim Merrett, Vice President der John Deere Turf and Utility, ist Sabo nach wie vor eine der führenden Marken für hochwertige Rasenmäher und handgeführte Gartengeräte in Europa. Gerade mit seinem breiten Portfolio an leistungsstarken Akku-Systemen sei das Unternehmen sehr gut positioniert. Dennoch will sich John Deere im Zuge seiner jüngst angekündigten „Smart Industrial“-Strategie stärker auf die zentralen Produktionssysteme konzentrieren. Weitere Investitionen in handgeführte Rasenmäher passten hier strategisch nicht mehr ins Konzept.

Hohe Erwartungen an Sabos Performance

Johannes Laumann, CIO von Mutares, freut sich dem Vernehmen nach über den Zuwachs von Sabo im Mutares-Geschäftsbereich Goods & Services. Laumann ist überzeugt, dass Mutares aufgrund der bewährten Expertise und operativen Erfahrung die "beste Wahl als neuer Eigentümer" ist, um das Wachstum der Gummersbacher voranzutreiben. So habe Mutares durchaus ambitionierte Ziele hinsichtlich Wachstum und Geschwindigkeit, wie man aktuell erfolgreich bei der 2019 übernommenen keeeper-Gruppe zeige. Auch das Potenzial von Sabo erfolgreich umzusetzen, ist man bei Mutares überzeugt.

Ehrlicher Optimismus in Gummersbach

Auch in Gummersbach ist man ehrlich optimistisch: „Während Sabo im John Deere Konzern schon seit geraumer Zeit nicht mehr zum Kern der strategischen Ausrichtung gepasst hat, bekommen wir mit Mutares eine Investorin und Eigentümerin, die nicht nur auf den Mittelstand ausgerichtet ist sondern auch große Erfahrung drin mitbringt, Unternehmensteile aus Konzernen zu lösen und als unabhängige mittelständische Unternehmen erfolgreich aufzustellen. Daraus ergeben sich für uns einige Vorteile und Möglichkeiten am Standort Gummersbach, auf unsere Marke und unser Produkte ausgerichtet, mit schlanken Prozessen und kurzen Entscheidungswegen zu wachsen. Wir werden auch zukünftig unseren mit SABO NEXT eingeschlagen Weg fortsetzen. Darüber hinaus freuen wir uns auch darauf Dinge neu denken zu können“, so Sabo-Geschäftsführer Christoph Büscher gestern gegenüber Motorist.

Restrukturierung anvisiert

Als Beteiligungsgesellschaft steht die Mutares SE & Co. KGaA für die schnelle Sanierung der von ihr übernommenenn Unternehmen. Ein langfristiges Engagement ist in dem Geschäftsmodell eher nicht vorgesehen. Im Schnitt hält man die erworbenen Unternehmen nur etwa fünf Jahre. Durch Restrukturierungsmaßnahmen, Investitionen sowie durch strategische Neu-Angliederungen (Add-ons) im Sinne einer Buy-and-Build-Strategie sollen die Firmen wieder profitabel gemacht werden. Börsenanalysten, etwa von Pareto Securities, gehen davon aus, dass der Kaufpreis für Sabo eher symbolisch war. Sie vermuten, dass der Umsatz der Gummersbacher zuletzt bei rund 50 Millionen Euro gelegen hat, Sabo operativ jedoch in den roten Zahlen ist. Zum Mutares-Geschäftsmodell gehört es ebenfalls, eigene Berater in die übernommenen Unternehmen zu entsenden, um die Sanierung gemeinsam mit dem Kernteam voranzutreiben.

Über Mutares

Mutares selbst wurde 2008 gegründet, damals mit zwei Beteiligungen und einem Umsatz von 6 Millionen Euro. 2019 hatte sich letzterer bereits auf über 1 Milliarde Euro aufsummiert. Die Zahl der Beteiligungen lag im Rechnungsjahr bei 13. Nicht alle Übernahmekandidaten der vergangenen Jahre gingen glücklich aus der Transaktion hervor. Fünf Unternehmen meldeten nach dem Einstieg von Mutares Insolvenz an. Aktuell scheint der Einkaufshunger von Mutares besonders groß oder aber die Marktlage günstig. So hat das Unternehmen inklusive Sabo in diesem Jahr bereits die vierte Transaktion dieser Art vollzogen. Beispielsweise wurde zuletzt auch ein Kontrakt zur Übernahme der Nexans Metallurgie Deutschland GmbH (NMD) mit Produktionsstandorten in Bramsche und Neunburg und zirka 250 Mitarbeitern unterzeichnet.

30.06.2020