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Vergleichen lohnt sich

Kompakttraktoren sind als Allrounder aus dem GaLabau, Kommunalbetrieb oder Gewerbe kaum wegzudenken. Nachdem sich etliche deutsche Hersteller aus dem Segment verabschiedet haben, drängen vor allem asiatische Fabrikate auf den Markt.

Derzeit einer der kompaktesten Traktoren auf dem Markt: Der Fort Sirio 4x4, hier mit Baumschul-Schutzbeplankung.
Derzeit einer der kompaktesten Traktoren auf dem Markt: Der Fort Sirio 4x4, hier mit Baumschul-Schutzbeplankung.
Foto: Ekkehard Musche

Transportieren, Pflegen, Räumen, Reinigen – wo immer derlei Tätigkeiten im öffentlichen oder privaten Grün in größerem Ausmaß anfallen, leisten Kompakttraktoren hilfreiche Dienste. Zu ihren großen Brüdern, den „ausgewachsenen“ Traktoren, grenzen sie sich maßgeblich in der PS-Zahl ab.

Grundsätzlich reicht die Range in der Motorenleistung bei den Kompakten von 20 bis 60 Pferdestärken, wobei es bei den hochmotorisierten Modellen durchaus Überschneidungen in das „erwachsene“ Segment gibt. Der Einfachheit halber werden hier daher lediglich Modelle bis zur 50-PS-Klasse berücksichtigt.

Rein äußerlich unterscheidet sich das Segment dagegen kaum vom typischen Trecker. Wie diese auch folgen Kompakttraktoren meist dem klassischen Aufbau mit Frontmotor, Frontschenkellenkung, kleineren Vorder- und größeren Hinterrädern oder Knicklenker mit Rädern gleichen Durchmessers. Features wie Front- und Heckhydraulik, Dreipunkt-Kraftheber hinten, Heckzapfwelle, Kabinenfähigkeit und in der Regel Straßenzulassung machen die Gattung für einen breiten und effektiven Einsatz bei jeder Witterung interessant und zunehmend beliebt. Davon kann auch der Handel profitieren.

Oft im Baukasten

Bei der Auswahl des Sortiments sollte wie beim Anwender auch die Zuverlässigkeit und Funktionalität der Maschinen im Mittelpunkt stehen. Je nach Einsatzbereich beziehungsweise den am häufigsten von der Kundschaft geäußerten Bedürfnissen, etwa Grünflächen- oder Gehölzpflege, Straßenreinigung, Greenkeeping, Winterdienst oder vornehmlich Transport, kommen unabhängig von der Leistungsklasse weitere Parameter ins Spiel. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund bieten viele Hersteller ein Baukastensystem an, das heißt, etliche Baugruppen werden einheitlich in eine ganze Serie beziehungsweise Modellreihe integriert. Dazu gibt es eine Palette von Anbaugeräten, die ebenfalls vereinheitlicht ist.

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Dies garantiert eine möglichst große Einsatzbreite, erleichtert dem Händler jedoch auch die Ersatzteilbevorratung sowie den Pflege- und Wartungsservice in der eigenen Werkstatt. Bewährt hat sich in der Praxis sowohl bei Händlern als auch Anwendern die Konzentration auf ein bis zwei Hersteller. Dies kann durchaus Kompromisse nötig machen, denn jeder Anbieter hat seine ganz spezifischen Stärken und Schwächen.

Asiatische Newcomer

Carraro-Traktor mit Spezialkettenfahrwerk von Moerschen
Carraro-Traktor mit Spezialkettenfahrwerk von Moerschen
Foto: Ekkehard Musche

Hinsichtlich der Fabrikate haben Anwender und Händler die Qual der Wahl. Denn das Angebot an Kompakten ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Nachdem sich deutsche Hersteller wie Fendt, IHC oder Deutz aus diesem Segment verabschiedet haben, sind zunehmend asiatische Hersteller in die Bresche gesprungen, darunter viele Newcomer wie Branson, Dongfeng, Kioti, LS, Solis oder TPS. Sie alle bestechen trotz Einhaltung der europäischen Vorgaben und Verwendung von Markenmotoren, etwa von Mitsubishi, Shibaura oder Yanmar, durch ein recht gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zudem zeigen sich diese asiatischen Anbieter innovativ, zum Beispiel bei batteriebetriebenen oder hybriden Antrieben, die ohne Zapfwellen und Keilriemen auskommen. Allerdings könnte es etwas Risikobereitschaft fordern, auf eine dieser Marken zu setzen. Denn obwohl weltweit aktiv, scheint Branchenkennern eine dauerhafte, sichere und kontinuierliche Zusammenarbeit nicht zu 100 Prozent gesichert. Neben den großen Kompakttraktorherstellern John Deere, New Holland, Shibaura, Yanmar sind kleinere Hersteller wie Antonio Carraro, Del Morino, Fort oder Ferrari eine Alternative, insbesondere beim Einsatz unter beengten Verhältnissen. Durch ihre kompaktere Bauform und einen anderen Rahmen- und Lenkungsaufbau haben diese Modelle auch abseits des Berglandes durchaus ihre Berechtigung.

Hinzu kommen Originaltraktoren, etwa von Iseki, Kubota oder Yanmar, die nicht für den Einsatz in der EU bestimmt sind und zum Beispiel über keinen zertifizierten Überrollschutz, Sicherheitsgurt oder keine Lehrlaufsperre verfügen. Auch kann es vorkommen, dass einzelne Modelle über einen Rückwärtsgang für den Zapfwellenbetrieb verfügen, was im Einsatz schädliche Folgen für Maschine, Anbaugerät und Bediener haben kann. Häufig wird für derartige Traktoren im EU-Raum daher keine Haftung oder technische Unterstützung übernommen.

Wichtige Features

Neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis, der Einsatzbreite und Qualität der Marke sollte bei der Zusammenstellung des Sortiments in jedem Fall auch die Zuverlässigkeit des Herstellers/Importeurs in puncto Ersatzteillieferung, Garantiebehandlung und Technikschulung ins Kalkül gezogen werden. Mit Blick auf die technischen Features sollten Modelle mit einer Motorisierung von 22 bis 40 PS, also bis 2.000 Kubik, über mindestens drei Zylinder verfügen.

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Für alles, was leistungsmäßig darüber hinausgeht, sind mit Blick auf Leistungsreserven und Drehmoment vier Zylinder probat. Auch auf einen zuschaltbaren Allradantrieb und eine Differenzialsperre sollte man heute nicht mehr verzichten. Einige Hersteller agieren hier recht flexibel. So kann man etwa bei New Holland (Modell Boomer) sowohl Hydrostatantrieb oder 16x16-Getriebe ordern. Ebenfalls in Erwägung zu ziehen ist die Option eines Frontladeranbaus. Denn dieses Zubehör gewinnt immer mehr an Bedeutung. Kommen Kompakttraktoren hauptsächlich in der Rasenmahd zum Einsatz, beziehungsweise hat man es als Händler in der Mehrheit mit einer Zielgruppe zu tun, die auf diesen Einsatzzweck fokussiert ist, ist eine Zwischenachszapfwelle, angeboten etwa bei Kubota, von Vorteil. Insbesondere hier sollte jedoch auch in der Kundenberatung genau abgewogen werden, inwieweit speziell für das Mähen konzipierte Maschinen unterm Strich effektiver sind.

Kritische Komponenten

Praktisches Feature bei John Deere: Der Verschmutzungsgrad des Luftfilters ist von außen sichtbar.
Praktisches Feature bei John Deere: Der Verschmutzungsgrad des Luftfilters ist von außen sichtbar.

Ein zentrales Kritierium, das für den Einsatzzweck und nicht zuletzt im Verkaufsgespräch eine Rolle spielt, sind die Abmessungen der Kompakten, insbesondere Spurbreite, Wendekreis, Bodenfreiheit sowie das Gewicht. Ebenso relevant ist die leichte Erreichbarkeit aller pflege- und wartungsrelevanten Bauteile. Eine einteilige Motorhaube, etwa bei Kubota (Modell L1361 DT), kann hier von Vorteil sein. Hilfreich ist der direkte Blick auf den Luftfilter beziehungsweise dessen Verschmutzungsgrad, wie zum Beispiel bei John Deere.

Auch die Kühlergitter sollten einfach zu reinigen und die Öl- und Kraftstofffilter leicht zugänglich sein. Leider finden sich im Markt etliche Modelle, die durch ihre Bauweise selbst einfache Instandhaltungsarbeiten wie etwa einen Anlasser-Wechsel zeitaufwendig erschweren. Ein Knackpunkt sind hier oftmals die Kabinen- sowie Sonderauf- und -anbauten. So lassen sich mitunter Motorhauben nicht mehr öffnen oder einzelne Motorbereiche nicht mehr ohne größeren Demontage-Mehraufwand erreichen.

23.07.2020

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