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Leserkommentar zum Thema Sportplatzpflege mit Robotern

„Gerade im Profi- und Semiprofi-Fußballbereich, aber auch im Hobbybereich sollte man automatische Mäher mit Vorsicht genießen. Die Verlockung ist natürlich groß: Personalkosten werden gespart, und die Anschaffung ist deutlich günstiger als ein Profi-Mäher für mehrere 10.000 Euro.

Zu „Service, Service und nochmal Service“, MOTORIST 3/19, S. 47 ff.*
Robotermäher auf Sportplätzen: Der Schuss kann laut Gregor Pfundmeir nach hinten losgehen.
Robotermäher auf Sportplätzen: Der Schuss kann laut Gregor Pfundmeir nach hinten losgehen.
Foto: Pixabay

Allerdings gibt es zwei Punkte, auf die man aufpassen sollte:

1. Mit dem Mähen allein ist es nicht getan: Ein Fußballverein sollte nicht vergessen, dass zu einer vernünftigen Rasenpflege auch andere Dinge als das Mähen gehören. Und jeder Greenkeeper, der etwas auf sich hält, wird das essenzielle Kernelement seiner Arbeit, das Mähen, nicht einfach einer Maschine überlassen. Denn bei der täglichen Überfahrt über das heilige Grün fallen sofort Änderungen im Bestand auf, bei denen Abhilfe geleistet werden muss. Ich spare mir also vielleicht das Mähen, aber alles andere nicht. Das vergessen einige Vereine. Außerdem werden Arbeiten wie Vertikutieren und Lüften nun öfter nötig sein, da der Roboter ausschließlich mulcht und selbst der beste Rasen nicht alles an Grasschnitt zu biologischem Dünger umwandeln kann. Auf einer sandbasierten Rasentragschicht, die meistens auf Fußballplätzen vorzufinden ist, ist es mit dem Bodenleben eh nicht so weit her. Das heißt, es kommt durch den Einsatz eines Roboters eher zu einem unerwünschten Anstieg an organischer Substanz. Zu dichter Bestand, eine Anreicherung der Filzschicht, eine schlechtere Belüftung der Grasnarbe, eine Verschlechterung der Drainagefähigkeit und ein steigender Krankheitsbefall sind sehr wahrscheinlich die mittel- und langfristige Entwicklung.

2. Auch der Pflegehorizont für wichtige mechanische Bodenbearbeitung wird beschränkt: Ohne Begrenzungsdraht geht nichts, und aktuell muss dieser zum Teil noch durch die Mittellinie gelegt werden. Ich muss also bei jeder anderen Pflegemaßnahme (Vertikutieren, Lüften, Aerifizieren, Tiefenlockern) auf die Drähte aufpassen, sonst ist wieder eine Nachbesserung notwendig.

Mein persönliches Fazit:

Ein Roboter ist nicht immer die kostensparende und beste Lösung, auf die so viele Vorstände gewartet haben. Hier werden wichtige Pflegeaspekte vernachlässigt oder schlicht durch Unwissenheit nicht in Betracht gezogen. Ich persönlich habe nur ein kleines Basiswissen in der Thematik Greenkeeping durch meine zweijährige Tätigkeit im Außendienst eines Zulieferers für Sportrasenpflegemaschinen und kenne mich auch nicht so gut aus wie die Profis, aber sehe das Thema deshalb etwas differenzierter. Deshalb habe ich unter anderem sogar meinem eigenen Fußballverein von einem Mähroboter dringend abgeraten, da das auf lange Sicht keine Lösung ist.“

Gregor Pfundmeir jun., Gartentechnik Pfundmeir in Friedberg.

Leserkommentare sind die persönliche Meinung der Schreiber und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion.

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18.09.2019