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Marktübersicht Aerifizierer und Vertikutierer - Erster Aerifizierer für Privatkunden

Vertikutierer sind dann ein klassisches Motoristengeschäft, wenn es sich um Geräte mit Benzinmotorantrieben handelt. Hier ist der Fachhändler traditionell stark, und das sowohl beim Verkauf an Privat- als auch an Profikunden.

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Foto: RMV

Aerifizierer sind bisher nur im Profibereich verbreitet, für das Privatkundengeschäft fehlten bisher kleinere Geräte. Das scheint sich nun zu ändern und eröffnet neue Möglichkeiten. Und Vermietung ist der klassische Einstieg bei Vertikutierern, um das Neugerätegeschäft zu beleben.  

Kein Kunde wird bewusst einen Vertikutierer einsetzen, um seinen Rasen zu beschädigen - aber sie tun es immer wieder. Deshalb ist sowohl im Vermiet- als auch im Neugeräteverkauf Kundenaufklärung und Beratung im richtigen Umgang mit den Geräten weiterhin unabdingbar.

Eigentlich sagt der Name „Vertikutierer“ doch alles aus, nämlich „vertikal schneidendes Gerät“, das den Rasen schlitzt. Jeder Rasen besteht aus unterschiedlichen Grassorten, die nicht nur nach oben, sondern auch in die Breite wachsen. Wenn zu tief geschlitzt wird, werden diese Querwurzler zerstört, die ganz besonders wichtig für die Dichte der Grasnarbe sind. Deshalb sollte der Vertikutierer, richtig eingesetzt, maximal 5 mm tief in den Boden eindringen und lediglich abgestorbene Gräser herausharken, damit Feuchtigkeit und Nährstoffe wieder an die Wurzeln vordringen können.

Stauende Nässe, oft hervorgerufen durch Bodenverdichtungen, lässt sich jedoch keinesfalls mit dem Vertikutierer beseitigen. Dazu braucht man Aerifizierer, also Geräte, die Pfropfen aus dem Rasen herausstechen und deren Löcher dann mit grobem Sand oder feinem Kies verfüllt werden. Nur diese Geräte sind die eigentlichen Rasenlüfter, auch wenn der Laie das bisher anders sieht. Wie sollte er das auch wissen, denn bisher sind keine tauglichen Aerifizierer für die private Anwendung auf dem Markt. Aber das wird sich ändern, denn erste Angebote sind auf dem Markt und einige Hersteller planen die Einführung von Aerifiziergeräten zum Einsatz im Privatgarten.

Marktpotential und Trends

Wie nicht anders zu erwarten, haben wir auf die Frage nach Stückzahlen und Umsatzgrößen dieses Marktes von den Herstellern nur wenig Konkretes genannt bekommen. Trotzdem ergibt sich ein aktuelles Marktbild: Die Stückzahlen waren in den letzten beiden Jahren in etwa konstant und werden auch für die nächste Zeit so eingeschätzt. Der Motorist hält wertmäßig bei Benzingeräten einen Umsatzanteil von 70 bis 80 % und bei Elektrogeräten von etwa 30 %. Im Jahr 2013 sollen geschätzt 24.000 Geräte, im Jahr 2014 dann 25.000 Benzinvertikutierer verkauft worden sein. Die Zahl der verkauften Elektrogeräte soll das Vierfache betragen haben.

Der Fachhandel hat wie üblich bei den hochwertigen Benzin- und Elektrogeräten die Nase vorn. Die Fläche punktet eindeutig im Billigsektor und speziell bei den Elektrogeräten. Dort steigen die Stückzahlen geringfügig, obwohl der Umsatz in Euro sinkt, da speziell Importe aus Fernost in Aktionen verramscht werden.

Wer nicht wirbt, verpasst den Anschluss

Vertikutierer sind der ideale Ansatz für die erste eigene Werbung im neuen Gartenjahr. Gerade die Frühjahrsaktionen der Baumärkte bieten dem Fachhandel die Möglichkeit, seine eigenen Angebote in dieser Richtung besonders leicht an den Mann zu bringen. Ein bereits versandfertiger Brief liegt bereit und geht zur Post, wenn beim Wettbewerb die Werbetrommel gerührt wird. Aber Geduld, man sollte schon die Witterung beachten, denn wenn in den Gärten noch Winter herrscht, verpuffen solch frühe Werbemaßnahmen. Im Ausstellungsraum kann die saisonale Werbefläche für das Thema „Vertikutierer“ schon im Januar dekoriert werden. Diese Frühjahrsfläche hat dann alle zu diesem Zeitpunkt anfallenden Arbeiten im Garten als Thema. Zusätzlich weisen Plakate auf das Mieten der unterschiedlichen Geräte hin, die der Privatmann nur sporadisch verwendet.

Demonstrieren Sie dem Kunden, welche Geräte in welcher Reihenfolge und wann für eine perfekte Rasenpflege notwendig sind. Legen Sie die entsprechenden Infos mit einer Mietpreisliste aus, die er dann mitnehmen kann. Diese Infos findet er natürlich auch in Ihrem Internetauftritt.

Eine weitere Möglichkeit, das Vertikutierergeschäft anzukurbeln, wäre ein Gutschein für einen kostenlosen Vertikutierer-Einsatz beim Kauf eines neuen Rasenmähers.

Und wie wäre es mit einer Marketingaktion im Herbst, gleichzeitig mit der Einladung zur Winterinspektion des Rasenmähers, unter dem Motto: „Wir verkaufen jetzt unsere Vorführmaschinen bis zu 20 % billiger! - Greifen Sie zu!“ Dann bekommt das Herbstgeschäft einen Schub und im nächsten Frühjahr stehen nagelneue Vertikutierer im Mietgeräte-Pool. Oder Sie schnüren Pakete wie beispielsweise „Rasenkur für 100 m² Rasen zum Festpreis von xx Euro“. Darin enthalten sind dann der Vertikutierer, Düngerstreuer, Rasenwalze sowie die entsprechende Menge Rasendünger und Grassamen zum Nachsäen.

Fazit:

  • Vertikutierer sind ein kleines, aber wichtiges Geschäft.
  • Sie sind die Geräte, die am Beginn der Rasensaison als Erstes gebraucht werden.
  • Einweisung und umfangreiche Erklärungen, wie das Vertikutieren richtig durchgeführt wird, sorgen für zufriedene Kunden und Geräte, die länger halten.
  • Vertikutierer sind ideal für die Vermietung. Die lohnt sich aber nur, wenn man es ernsthaft anpackt und nicht als lästiges Anhängsel betrachtet.
Ein Motorist tut gut daran, sowohl im Verleih als auch im Verkauf sein Augenmerk auf hochwertige Geräte zu richten. Billigprodukte mit schlechtem Arbeitsergebnis Schaden seinem Ruf als Fachmann. Beim Vermieten von Vertikutierern sollten Profigeräte bevorzugt werden.

Die ersten Aerifizierer für den privaten Einsatz kommen auf den Markt. Für Rasenliebhaber dürfte das eine gute Nachricht sein. Aber es besteht hoher Beratungsbedarf.

H. J. Schmidt, Ing.


Der Artikel über Vertikutierer und Aerifizierer – hier auszugsweise veröffentlicht – ist in MOTORIST 6/15 erschienen.

10.12.2015