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MOTOR-KETTENSÄGEN - Leicht ist Trumpf

Der Markt für Motor-Kettensägen hat sich nach einem kurzfristigen Rückgang im vergangenen Jahr auf niedrigerem Niveau stabilisiert.

Titel-Teaser-5-2016
Foto: Husqvarna

Der Schwerpunkt der Neuentwicklungen liegt derzeit bei leichten Klein- und Mittelklasse-Sägen, mehrheitlich mit Tophandle – schwere Fällsägen verlieren volumenmäßig an Boden.

Von 14 neuen Modellen mit Benzinmotor sind acht im unteren Leistungssegment mit obenliegendem Handgriff, einem sogenannten Tophandle, ausgerüstet und rangieren damit als Spezialsägen für besondere Anwendungen wie im Handwerk, für Baumpflege, Baumchirurgie und andere. Den Rest bilden ebenfalls leichte Modelle mit „Normalgriffen“. Die Elektrosägen mit Netzstrombetrieb scheinen endgültig den Kampf gegen die Akkusägen zu verlieren, denn null neuen Netzstrommodellen stehen acht Akkumodelle gegenüber, davon vier wiederum mit Tophandle. Bei insgesamt 22 neuen Modellen entspricht der Anteil der Akkusägen damit 36 %, wodurch der Stellenwert der Weiterentwicklung der Akkutechnik verdeutlicht wird.

Der Markt in Zahlen

Die vor Jahren vollzogene Marktbereinigung hat sich bisher als nachhaltig erwiesen. Am Markt agieren stabil zwölf Anbieter (nach elf im Vorjahr) mit insgesamt 17 Marken (nach 15 im Jahr davor). Das Angebot an Motor-Kettensägen umfasst insgesamt 238 Modelle und Modellvarianten. 172 mit Benzinmotor, 42 mit Netzstrombetrieb und 24 Akkusägen. Der Anteil der Akkusägen am Motorsägen-Gesamtsortiment beträgt damit bereits 10,1 %.

Die Absatzzahlen für Benzinmotor-Sägen waren bis 2014 von Kontinuität geprägt. Denn der in MOTORIST 05/2013 dargestellte Wert von 370.000 verkauften Einheiten in 2012 wiederholte sich auf Basis der Umfragerückläufe von den Anbietern punktgleich für die Jahre 2013 und 2014. Die von Euphorie getragene Prognose der Anbieter im Frühsommer für 2015 wurde von der aktuellen Marktentwicklung ab dem dritten Quartal hinweggefegt. Denn während der Herstellungszeit von MOTORIST 05/2015 hat der Absatz mehr als nur eine Delle erfahren. Und das kommt in den jetzt gemeldeten Zahlen zum Ausdruck, indem nämlich der Absatz in 2015 „nur“ 330.000 Einheiten betragen hat. Das entspricht einem Minus von 10,1 %.

Für Elektrosägen liegen von den Anbietern jetzt verlässlichere Zahlen vor. Von Modellen mit Netzstrombetrieb wurden in 2014 rund 215.000 und in 2015 rund 200.000 Einheiten abgesetzt. Bei Akkusägen waren es in 2014 rund 30.000 und in 2015 mehr als 37.000 Einheiten. So dass die Akkusägen als einzige Sparte von der Absatzdelle in 2015 verschont geblieben sind. Vielmehr wird dadurch einmal mehr der Verdrängungswettbewerb versus die Netzstromer dokumentiert. Die rasante Entwicklung bei den Akkusägen wird sicherlich noch mehr an Fahrt aufnehmen und noch so manche Überraschung bereithalten. Der Marktanteil der Akkusägen wird von den Anbietern bis 2019 auf 10,7 % und bis 2021 auf 15,7 % geschätzt.

Vermutlich unter dem Eindruck der Entwicklung im zweiten Halbjahr 2015 prognostizieren die Anbieter für 2016 etwas vorsichtiger. Denn der Markt wird zwar als konstant gesehen, aber mit einer deutlichen Tendenz zu fallend. Für 2017 fällt dagegen die Prognose für konstant deutlicher aus. Eine steigende Tendenz vermag indes keiner der Anbieter zu sehen, so dass die stetige Aufwärtsentwicklung dieses Marktes zunächst einmal zum Stillstand gekommen ist.

Bei der Betrachtung der Absatzzahlen muss darauf hingewiesen werden, dass an keiner Stelle die Billigaktionen der Discounter und Handelsketten sowie zunehmend der Online-Shops abgebildet sind. Diese Vermarktungsformen betreffen die Netzstrom-E-Sägen in höherem Maße als Benzinmotor- und Akkusägen.

unterstützung des fachhandels

Zu den klassischen verkaufsunterstützenden Maßnahmen gehören die Bereitstellung von Katalogen, Preislisten, Prospekten, Broschüren, Unterstützung bei der Laden- und Werkstatteinrichtung etc. Die Anbieter bringen sich aber zunehmend auch bei Sondermaßnahmen ein. Das betrifft zum einen spezielle Events wie Testtage, Aktionstage, Saisoneröffnungsaktionen, Großflächenplakate, regionale Funk- und Fernsehwerbung, lokales Sponsoring von Sportvereinen z.B. mit Trikot- oder Bandenwerbung, Beteiligung an 0%-Finanzierung u.dgl. Des Weiteren erstreckt sich die Unterstützung auch auf das Produktangebot, indem beispielsweise preisgünstige Angebotspakete (mit zusätzlicher Sägekette, zusätzlichem Akku etc.) geschnürt werden.

Entwicklungs-Stand und –Ausblick

Die Modellpaletten der Premiumanbieter sind hinsichtlich Motorentechnik, Emissionen, Sicherheitstechnik und Benutzungskomfort insgesamt auf einem hohen technischen Stand. Dennoch werden die Anstrengungen zur Verringerung der Emissionen (Schall und Abgas), zur Verringerung des Gewichts, zur Erhöhung der Produktsicherheit (die Kettensäge zählt nach wie vor zu den gefährlichen Arbeitsgeräten) und zur Verbesserung des Handhabungskomforts (Startsysteme etc.) eine Daueraufgabe bleiben. Die bereits bei einigen Profimodellen der Premiumanbieter implementierte elektronische Mikroprozessor-Technik für die Zündzeitpunkt-Steuerung und die Gemischbildungs-Systeme (Motormanagement) wird nach und nach bei weiteren Modellen Einzug halten. Wenn die Entwicklung so anhält, wird diese Technik auch zum Anzeigen, Erfassen, Speichern, Auslesen sowie PC-Darstellung und -Bearbeitung von Prozessdaten Anwendung finden. Dadurch kann einerseits der Informationsstand und daraus resultierend die Handlungsbasis der Anwender verbessert werden. Andererseits bieten die gewonnenen Daten dem Servicepersonal eine wichtige Basis für erforderliche Servicemaßnahmen.

Bei der künftigen Marktbedeutung der Akkusägen spielen zwei Faktoren eine zentrale und entscheidende Rolle. Zum einen der Entwicklungsfortschritt der Li-Ion-Akkutechnik, einschließlich der Suche nach neuen Speichertechniken, insbesondere mit weiterer Erhöhung der Energiedichte und der Speicherkapazität. Zum anderen die Weiterentwicklung der innovativen Gleichstrommotoren, die die gespeicherte Energie als Durchzugskraft auf die Sägekette übertragen und der zugehörige Aktionsradius. Je höher die Leistungsmerkmale beider Faktoren gesteigert werden können, desto höher wird auch die künftige Gesamtleistung einschließlich Aktionsradius der Akkusägen sein. Das Manko zu kleinen Aktionsradiuses (Reichweite) lässt sich schon heute mit rückengetragenen Power-Akkupacks auf elegante Weise neutralisieren. Das Vordringen der Akkusägen in weitere, bis hin zu Profi-Anwendungsbereichen, wird damit vorprogrammiert.

Motorist und Elektronik

Unter den Schlagwörtern „Laptop statt Schraubenschlüssel“ und „Krawatte statt Blaumann“ haben wir schon wiederholt den epochalen Umbruch beleuchtet, der angesichts der zunehmenden Ausrüstung der Produkte mit innovativer Elektronik in einigen Motoristenwerkstätten schon vollzogen wurde und anderen noch bevorsteht. Ganz entscheidend ist, dass sich dieser Umbruch in aller Konsequenz abspielt. Denn dieser Umbruch erfordert nicht nur radikales Umdenken und fortdauernd den Erwerb neuen Wissens aller Mitarbeiter, bis hin zur Veränderung des Berufsbildes, sondern auch eine Umgestaltung des Werkstattbereiches. Und das muss nach Möglichkeit in einem Zug passieren. Nur so kann gegenüber Kunden, die mit einem mit Elektronik gespickten Produkt zum Service kommen, von Anbeginn uneingeschränkte Fachkompetenz demonstriert werden. Wenn dieser Drahtseilakt gelingt, dann kann dies zu noch besserer Kundenbindung und zu mehr Umsatz im After Sales Service führen.

hpr

Fazit

  • Der Markt für Kettensägen hat sich nach einem Rückgang im letzten Jahr auf niedrigerem Niveau wieder stabilisiert.
  • Die preisempfindlichen Einstiegsprodukte stehen nach wie vor unter dem Druck von Billigimporten aus Fernost.
  • Der Schwerpunkt der Modellpaletten liegt im aktuellen Zeitraum bei leichten Klein- und Mittelklasse-Sägen, vornehmlich mit Tophandle. Schwere Fällsägen verlieren an Bedeutung.
  • Der vermehrte Einbau innovativer Funktionskomponenten bewirkt eine scharfe Abgrenzung zu Billig- und Noname-Produkten.
  • Im Focus der Entwicklungsingenieure stehen weiterhin intelligente elektronische Motormanagement-Systeme, die Entwicklung von Akku-gespeisten Elektrosägen sowie die Weiterentwicklung der Stromspeichersysteme.
 

Der Auszug ist ein Beitrag aus MOTORIST 5/16.

18.10.2016