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Neues Gefahrgutrecht für Akkus seit Januar 2020

Seit dem 1. Januar 2020 ist europaweit eine neue Regelgung für den Transport von Akkus in Kraft. Gemäß ADR müssen Transporteure eine Prüfzusammenfassung vorweisen. Motorist fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Wenn ein Akku brennt, dann brennt er. Bei großflächiger Lagerung und einem unentdeckten Brand kann dann meist nur noch die Feuerwehr helfen – und die Versicherung.
Unter anderem das Brandrisiko stellt eine latente Gefahr bei Akkus dar und soll durch die neue Verordnung eingedämmt werden.
Foto: Pixabay

Seit dem 1. Januar 2020 sind Hersteller und Vertreiber verpflichtet, für Lithiumbatterien und Lithiumzellen eine so genannte Prüfzusammenfassung nach UN-Test 38.3 vorzuweisen. Grundlage hierfür ist die Revision des ADR/RID/ADN 2019 im Rahmen des Europäischen Übereinkommens über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, kurz ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route). Die neue Regelgung greift entlang der gesamten Transportkette, also zum Beispiel auch, wenn ein Akkubetriebenes Gerät zum Kunden ausgeliefert oder etwa im Rahmen einer Wartung bei diesem abgeholt wird und gilt für sämtliche Batterien, die nach dem 30. Juni 2003 hergestellt wurden, ebenfalls, wenn sie bereits in einem Gerät verbaut sind. Um welche Geräte es sich dabei handelt, spielt keine Rolle. E-Bikes und Autos sind ebenso betroffen wie Elektrowerkzeuge oder Gartengeräte. Akkus gelten im Sinne der oben genannten Verordnung grundsätzlich als Gefahrgut.

Nachweis ist Pflicht

Die neuerdings verpflichtend eingeforderte Prüfzusammensetzung soll Auskunft darüber geben, ob die Batterie sämtlichen Transportsimulationen unterzogen wurde und standgehalten hat. So müssen Akkus in Tests ihre Haltbarkeit gegenüber Faktoren wie Druck, Temperatur, Quetschung oder Aufprall beweisen, erst dann werden sie zum Transport zugelassen. Welche Tests in welcher Form erfolgen müssen, ist in einem entsprechenden Handbuch der Vereinten Nationen beschrieben. Bleibt man als Vertreiber oder Transporteur die Prüfzusammenfassung schuldig, kann man sich empfindliche Geldstrafen einhandeln. Riskant ist auch das Haftungsrisiko im Schadensfall. Im Detail müssen Hersteller und Vertreiber die (nach Abschnitt 38.3.5 des UN- Handbuchs Prüfungen und Kriterien in der 6. Ausgabe Amd. 1) festgelegte Zusammenfassung zur Verfügung stellen. Ansonsten unterliegen die Batterien einem Transportverbot. Dies bedeutet, dass der Transporteur sich diese Bestätigung in Form dieser Zusammenfassung einholen muss. Ganz neu ist die Regelung nicht. Bereits seit einem Jahr gabe es eine Übergangsfrist (nach 1.6.1.47 ADR 2019, 27. ADR-Änderungsverordnung).

Offene Fragen in der Praxis

Ein Problem stellt derzeit offensichtlich die Frage dar, in welcher Form die Prüfzusammensetzung in der Praxis bereitgestellt werden muss. Je nach Länge der Lieferkette kann ein Papiernachweis so zum Beispiel schwierig werden. Eine alternative digitale Lösung ist derzeit noch nicht in Sicht. Eindeutig ist jedoch, welche Fakten auf einer Prüfzusammenfassung im Sinne der neuen Verordnung seit dem 1. Januar 2020 enthalten sein müssen.

Diese Nachweise sind Muss

  • Name des Zellen-, Batterie- oder Produktherstellers
  • Kontaktinformationen des Zellen-, Batterie- oder Produktherstellers
  • Name des Prüflabors, inklusive aller Kontaktinformationen
  • eine eindeutige Prüfberichtsidentifikationsnummer
  • Datum des Prüfberichts
  • eine detaillierte Beschreibung der Zelle oder Batterie
  • Liste der durchgeführten Prüfungen und Ergebnisse
  • Verweis auf Prüfanforderungen für zusammengesetzte Batterien
  • Verweis auf die verwendete überarbeitete Ausgabe des Handbuchs über Prüfungen und Kriterien und etwaige Änderungen dazu
  • Unterschrift mit Namen und Titel des Unterzeichners als Hinweis auf die Gültigkeit der bereitgestellten Informationen

Mehr Informationen zum Thema, praxistauglich aufbereitet für den Motoristen-Fachhandel, bietet der 10. Motoristen-Kongress am 21. März in Bamberg. Im Vortrag von Gefahrgut- und Sicherheitsexperte Denis Beck wird es genau um dieses Topic gehen. Zur Anmeldung geht es hier.

10.01.2020