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Ist Mobile Payment die Zukunft?

Etwa die Hälfte der Deutschen bezahlt besonders gerne mit Scheinen und Münzen. Noch zumindest, denn die wachsenden Möglichkeiten, an der Kasse zu bezahlen, üben einen immer stärkeren Reiz aus. Speziell das kontaktlose Bezahlen mit Kreditkarten und auch dem Smartphone, mit Google und Apple Pay ist im Kommen.

Solche Kartenlesegeräte hat so ziemlich jeder Händler. In der Regel ist damit auch das Einlesen von Kreditkarten möglich.
Solche Kartenlesegeräte hat so ziemlich jeder Händler. In der Regel ist damit auch das Einlesen von Kreditkarten möglich.
Foto: Flyerwerk/pixabay

Zunächst einmal zum längst stärksten Mitbewerber für Papier und Metall: dem Plastikgeld – ganz konkret der EC-Karte! Diese wird heute im Einzelhandel erwartet und von knapp einem Drittel der Kunden eingesetzt. Denn es wird nur noch selten gefragt, ob “mit Karte” bezahlt werden kann. Und das weiß natürlich auch der Motorist und nimmt die EC-Karte ähnlich regelmäßig an wie das Bargeld. Die Kosten sind überschaubar und vor allem mit keinem weiteren Zeiteinsatz verbunden. Selbst der Bezahlvorgang ist regelmäßig schneller erledigt als analog.

Der zeitliche Aufwand und damit die tatsächlichen Kosten, die das Papiergeld verursacht, wurden häufig ignoriert, solange der Kunde diesen Zahlungsweg präferierte, obwohl sie hoch sind. Mittlerweile verlangen obendrein immer mehr Banken steigende Gebühren für den Bezug und das Einzahlen von Münzgeld. Es ist also geradezu zwangsläufig, dass nun immer mehr Händler ihrerseits beim Bezahlen fragen, ob nicht “mit Karte” bezahlt werden soll? Und was gibt es Schöneres, als wenn sich Kunde und Händler einig sind?

Die Entwicklung geht deutlich in die Richtung, dass die EC-Karte das Bargeld eher früher als später ablösen wird. Das Bargeld wird uns also speziell in Deutschland noch eine Zeit begleiten, gibt aber die Führungsfunktion ab.

Auf Rechnung bezahlen

Hier ist der Motorist wirklich sehr entgegenkommend – zumindest wenn er seine Pappenheimer kennt: Stammkunden können in der Branche durchaus regelmäßig auf Rechnung bezahlen. Das ist heute für den Kunden dank Onlinebanking bequem und für den Händler besonders kostengünstig. Man sollte in diesem Kontext vor allem nie vergessen, dass auch der Bezahlvorgang zum Gesamteindruck, zum Service mit dazugehört: Beim Kunden bestehen allerlei Erwartungen, und dieser “kleine” Extraservice fällt beim Profikunden durchaus mit in den Erwartungsbereich.

Beim Privatmann dürfte es sogar regelmäßig positiv wirken und obendrein weitererzählt werden, weil es heute eher ungewöhnlich ist: So einfach kann und sollte man sich ruhig Freunde machen. Zumindest wenn das Risiko überschaubar ist. Als Händler kann man so leicht Vertrauen aussprechen, was regelmäßig entsprechend zurückgezahlt wird.

Finanzkauf

Es gibt keine verlässlichen Informationen darüber, wie häufig Motoristen einen Ratenkauf anbieten. Und noch weniger, wie häufig die Finanzierungsmöglichkeit dann auch vom Kunden genutzt wird. Fakt ist, dass Motoristen mit allerlei externen Finanzdienstleistern oder der eigenen Hausbank zusammenarbeiten und sowohl privaten als auch Profinutzern zusätzliche Finanzierungen neben denen anbieten, die den Kunden sowieso bereits zur Verfügung stehen. Gerade bei höherpreisigen Produkten kann der Ratenkauf den eigenen Service erweitern und vielleicht sogar zusätzliche Kundengruppen erschließen. Ob das heute noch kompetitiv möglich und obendrein vom Kunden gewünscht wird, ist eine ganz andere Frage. Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Kreditkarte, der Üblichkeit des Dispokredits und der Aggressivität, mit der Banken heute durchaus günstige Kredite “gewähren”, muss jeder selbst testen und dann entscheiden, ob er noch einen zusätzlichen Kaufanreiz durch eine alternative Finanzierung erzeugen kann und ob der Aufwand dafür gerechtfertigt ist.

Weitere Informationen wie Sie den Service für ihre Kunden erweitern können, finden Sie in unserem Fachmagazin "MOTORIST". Wenn Sie noch kein Abonnent sind dann testen Sie unser Mini-Abo.

Die Kreditkarte kommt!

Mit Kreditkarte zahlen wird immer attraktiver, besonders durch die sinkenden Kosten.
Mit Kreditkarte zahlen wird immer attraktiver, besonders durch die sinkenden Kosten.
Foto: Jarmoluk/pixabay

Die Kreditkarte gehört heute regelmäßig zum Girokonto dazu: Die sinkenden Kosten, der zusätzliche Kreditrahmen, die übersichtliche Abrechnung, zum Teil erst nach mehreren Monaten, und sogar das kontaktlose Bezahlen machen neben der EC-Karte auch die Kreditkarte beim Kunden fortlaufend beliebter. Da mit der Kreditkarte obendrein immer häufiger kostenlos Bargeld abgehoben werden kann – und zwar unabhängig von der Filialzugehörigkeit und obendrein weltweit –, ist die Kreditkarte mittlerweile für viele Kunden zum EC-Karten-Ersatz geworden. Und solche Effizienz wirkt sogar im bisher eher kreditkartenresistenten Deutschland.

Schaut man ins europäische Umfeld, wird die Sonderrolle besonders deutlich: In Frankreich wurde schon immer, in Großbritannien und vielen anderen Ländern wird heute ebenso intensiv mit der Kreditkarte eingekauft. Das kontaktlose Bezahlen ohne PIN oder Unterschrift hat die Geschwindigkeit und Bequemlichkeit noch weiter erhöht. Anders als die EC-Karte stößt die Kreditkarte gerade in der Gartentechnik-Branche aber noch nicht auf allzu viel Gegenliebe: Regelmäßig werden die Kosten gescheut und die Kundenfrage, “kann ich mit Kreditkarte bezahlen”, ablehnend beschieden. Das ist unangenehm und letztlich kontraproduktiv.

Wie beim Kauf auf Rechnung sollte man sich heute noch einmal fragen, ob dieser Widerstand sinnvoll ist? Fakt ist, dass die Gebühren in Deutschland vergleichsweise hoch, aber – dem Onlinehandel sei an dieser Stelle Dank – mittlerweile nicht mehr allzu weit von der EC-Karte entfernt sind. Die Kartenlesegeräte ermöglichen meist so oder so die Bedienung auch von Kreditkarten. Und wenn noch nicht, kommen gleich noch weitere Argumente für ein Update der Hardware.

Paypal: online und offline!

Paypal, das bis Mitte 2015 noch zu Ebay gehörte, ist nicht nur in Deutschland der führende Dienstleister für Geldtransaktionen im Internet: Seit der Übernahme von iZettle im Frühjahr 2018 verschiebt der Onlinedienst seinen Fokus speziell in Europa noch viel stärker auf das Bezahlen vor Ort, als dies über die eigene Smartphone-App bereits vorher der Fall war. Die schwedische Firma iZettle, die kurz vor dem eigenen Börsengang stand, bietet Lesegeräte für Smartphones speziell für kleinere Händler. Aber nicht nur das, denn auch Kreditkarten und EC-Karten können von den Lesegeräten bedient werden. Selbstredend auch kontaktlos.

Und selbst ohne spezielle Hardware ist Paypal für Motoristen längst eine bekannte Größe, da Onlinezahlungen sogar für diejenigen Händler relevant sind, die nur beiläufig auf direkte Onlinetransaktionen setzen. Wenn es dann aber passiert, wird Paypal deutlich präferiert. Hier wird anders als bei Kreditkarten die (gegenseitige) Sicherheit der Zahlung und des Warenaustausches geschätzt, und die Transaktionskosten werden durchaus gerne akzeptiert. Und wer online Paypal einsetzt, bietet diesen Zahlungsweg natürlich auch vor Ort an.

Das Smartphone wird ­gewinnen

Bezahlen über das Smartphone werden mit Google Pay und Apple Pay möglich.
Bezahlen über das Smartphone werden mit Google Pay und Apple Pay möglich.
Foto: rawpixel

Schon heute wirkt alles Plastikgeld aber letztlich anachronistisch: Mit Google Pay seit Juli 2018 und Apple Pay seit November 2018 ziehen die Kreditkarten auch in Deutschland zusätzlich auf dem Smartphone ein. Der Vorteil für den Kunden? Das Telefon ist immer dabei – und Zahlungen von höheren Beträgen müssen vom Kunden freigegeben werden: Das ist sicherer und ermöglicht noch mehr kontaktloses, also bequemeres Bezahlen.

Noch angenehmer: Die Zahlungen können sofort übersichtlich in entsprechenden Apps verfolgt werden: für den Kunden also eine höhere Kostenkontrolle und die Möglichkeit, alle Zahlungen einfach zu verwalten. Absehbar werden viele Kunden nichtsdestotrotz zunächst mit ihren Karten das kontaktlose Bezahlen “erlernen”, um dann aber letztendlich mit dem Smartphone zu bezahlen: schlicht weil es bequemer, sicherer und übersichtlicher ist.

Und was bedeutet das alles für den Motoristen? Der Weg ist deutlich vorgezeichnet: Er führt über mehr Plastik und kontaktloses Bezahlen zu noch mehr kontaktlosem Bezahlen direkt mit dem Smartphone oder der Smartwatch am Handgelenk. Wie bei allen anderen Entwicklungen auch, bestimmt der Kunde, was relevant ist: Heute immer regelmäßiger die EC-Karte, morgen zusätzlich die Kreditkarte und die Kreditkarte auf dem Smartphone.

Tipp

Als Fachhändler kommt es letztlich vor allem darauf an, keine überflüssigen Hürden aufzubauen und – wie beim Bezahlen auf Rechnung – lieber frühzeitig (oder: weiterhin) etwas zusätzlichen Service anzubieten, um sich abzugrenzen

Gerrit Eicker

06.01.2019

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