Bevor ein Artikel im MOTORIST geschrieben wird, beginnt eine umfangreiche Recherche. Die Redaktion befragt Hersteller und Importeure, der Autor spricht mit Kollegen, besucht sie und macht sich selbst ein Bild von der Situation auf dem Markt. Wenn die eingehenden Antworten unbefriedigend sind, "hakt" die Redaktion nach, die Fragen werden präzisiert. In der Regel ergibt sich daraus brauchbares Material.
Bei dem Thema "Neues bei Verbrennungsmotoren" war das nicht der Fall - einige Hersteller "mauerten" regelrecht. Diese Firmen beantworteten unsere Fragen mit allgemeinen Plattitüden aus Verkaufsbroschüren oder einem Strich. Speziell unsere Fragen zum Komplex "Motoren aus China" empfanden offensichtlich einige als Schlag unter die Gürtellinie. Diese Motoren sind schließlich im Markt und damit auch in den Werkstätten der Motoristen -angekommen und so fragten wir Hersteller von Konsumergeräten:
- Haben Sie noch eine eigene Qualitätskontrolle und sicherung für alle zugekauften Motoren?
- Wie halten Sie es mit Kontrollen aller Motoren vor, während und am Ende der Produktion?
- Welche Standzeiten (Prüfung des Geräts bei Volllast) erwarten Sie bei Konsumer- und welche bei Profigeräten?
- Wie sind Ihre Erfahrungen mit Motoren aus fernöstlicher Produktion? Können die Motoren mit den etablierten Herstellern mithalten, was Qualität, Maßhaltigkeit, Abgas- und Lärmentwicklung oder auch Lebensdauer oder Verbrauch angeht?
5. Wo bauen Sie diese Motoren bei privater Nutzung überwiegend ein?
6. Bauen Sie diese Motoren auch in Profigeräte ein?
Die wenigen Antworten, die wir überhaupt erhielten, lassen sich wie folgt zusammenfassen: natürlich haben alle Hersteller eine Qualitätskontrolle; die Motoren aus China erfüllen alle Qualitätsanforderungen; es gibt ausschließlich positive Rückmeldungen aus dem Handels- und Service-Bereich; konkrete Zahlen: keine! - Ein Schelm, wer bei diesen eindeutigen Antworten etwas Böses denkt!
Und was sagen Motoristen?
Natürlich haben wir auch Kollegenmeinungen eingeholt, welche Erfahrungen die mit den Motoren aus fernöstlicher Produktion gemacht haben:
- Die anfänglichen Schwierigkeiten mit der elektronischen Zündanlage scheinen behoben zu sein.
- Die verwendeten Kunststoffe erinnern an die Nachkriegszeit, Gehäuseteile brechen bei der kleinsten Belastung, wahrscheinlich sind sie nicht UV-beständig oder es werden billigste Weichmacher verwendet.
- Die Seilstarter sind Müll.
Ein Mechaniker, der schon lange schraubt formuliert es so:
"Diese fernöstlichen Motoren sind offensichtlich so spottbillig, dass man getrost einige Jahre Garantie geben kann. Und welcher Kunde wird schon nach zwei Jahren wagen, Garantie einzufordern, wenn wir als Vertragswerkstatt des Herstellers mangelnde Pflege als Ursache des Schadens feststellen? Wie soll es bei diesen Preisen auch anders gehen? Der Verbraucher will’s billig, also bekommt er’s billig. Aber ob das der richtige Weg für den Fachhandel ist, das wage ich zu bezweifeln?"
Einem anderen Motoristen blitzte die Schadenfreude aus den Augen: "… mein Kollege in der Nachbargemeinde verkauft so einen Schrott - im nächsten Jahr bekomme ich dann wieder viele neue Kunden - darauf freue ich mich schon!"
Ein letztes, aber drastisches Händlerzitat: "Die verar…. uns doch, überall sind die Einstiegsmodelle bei den Gartentraktoren identisch die bekommen nur einen anderen Namen und eine andere Farbe, und kommen doch direkt aus derselben Produktion aus Fernost. Auf diese Auswüchse der Globalisierung kann ich gern verzichten - armes Deutschland!"
Zurück zu Fachhandelsprodukten
Die Globalisierung hat Deutschland zu einer weltweit führenden Industrienation gemacht. Wir leben gut vom Export unserer hochwertigen Maschinen und die Firmen profitieren auch von den Kostenvorteilen der fernöstlichen Produktion. Was aber auf dem Spiele steht ist ein über Jahre gewachsenes Vertrauen in den deutschen Fachhandel. Markennamen, über viel Engagement und mit noch mehr Geld über Jahre aufgebaut, könnten in kürzester Zeit beschädigt werden. Der Fachhandel verkauft diese hochwertigen Produkte (übrigens mit höchsten Deckungsbeiträgen) und betreut und begleitet den Kunden nicht selten über Generationen. Es ist einfach nicht fair, dieses Vertrauen des Fachhandels und seiner Kunden durch minderwertige Produkte leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Was helfen würde, wäre eine saubere Zweigleisigkeit: Eine Produktlinie für die Fläche, eine zweite, hochwertige, ausschließlich für den Fachhandel! Der enttäuschte Kunde vergisst schnell, dass er bei der Anschaffung 100 oder 200 Euro weniger als geplant, ausgegeben hat, aber er vergisst nicht, wer ihm das Gerät empfohlen hat.
Das wir mit unsern Fragen in sensible Bereiche vorstoßen würden, war uns von vornhinein bewusst, aber auch beabsichtigt. Schließlich geht es um wichtige Entwicklungen in unserer Branche. Der Markt ist offensichtlich bei den Motoren bis 4,0 kW in Turbulenzen geraten und jeder will sich bedeckt halten. Aber auch bei den stärkeren Motoren wurden uns entsprechende Marktdaten leider nicht genannt.
H. J. Schmidt, Ing.
Fazit
- Den Bürokraten in der EU gebührt der Dank für eine sehr positive Entwicklung auf der Motorenseite. Ohne Verschärfung der Emissionswerte wäre es sicher nicht so schnell zu so vielen Verbesserungen gekommen.
- Die Entwicklung der "China-Motoren" muss beobachtet werden. Wenn das so weitergeht, dann müssen sich die etablierten Motoren- und Gerätehersteller bald warm anziehen. Am besten wäre es, wenn man bereits wieder einen Wissensvorsprung hätte. Aber der ist nicht erkennbar.
Auszug aus einem Artikel, der in der MOTORIST-Ausgabe 6/2012 erschienen ist.