Agria-Geschäftsführer Dr. Goetz Viering (l.) und Julian Viering (r.). (Quelle: Agria-Werke GmbH)
Freuen sich auf gute Geschäfte im Jubiläumsjahr und darüber hinaus: die neuen Agria-Geschäftsführer Dr. Goetz Viering (l.) und Julian Viering (r.). (Quelle: Agria-Werke GmbH)

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01. April 2022 | Teilen auf:

Blick ins Werk bei Agria

Seit Mai 2021 performen die Agria-Werke in Möckmühl unter neuer Leitung. Mit den Brüdern Goetz und Julian Viering ist die neue Doppelspitze in der Unternehmensführung und mit ihr der Generationenwechsel pünktlich zum 75-Jährigen perfekt. Geblieben ist der Qualitätsanspruch.

Vor 75 Jahren wurde in Möckmühl bei Heilbronn der Grundstein für die Agria-Werke gelegt, eigentlich aus der Not geboren: Wie so oft in Nachkriegstagen hatten der Karlsruher Zahnradfabrikant Erwin Mächtel und sein technischen Leiter Otto Göhler einen Teil ihrer Fabrik vor der Demontage bewahren und das Equipment in die Gegend von Möckmühl retten können, wo Mächtel 1945 die Maschinenfabrik Möckmühl gründete. Gefertigt wurden dort in zwei Baracken seinerzeit noch keine Motorgeräte, sondern u. a. Spielzeugautos, Handbohrmaschinen und Mohnmühlen. Erst 1946/47 wagten sich Mächtel und Göhler durch Weinbauern ermuntert an die Fertigung der später so legendären agria-Motorhacke heran. Mit der Währungsreform 1948 kamen das Kapital und der Durchbruch. Freute man sich bereits im selben Jahr über die 100ste Maschine, so waren es 1958 schon 100.000. Heute übersteigt die Zahl der von Agria gefertigten Geräte längst die Million und das Fabrikat gehört zu den führenden Anbietern von professionellen Motorgeräten für die Boden- und Grünflächenbearbeitung sowie Grundstücks- und Wegepflege.

Beachtliche Fertigungstiefe

Ganz nebenbei hat der Name das Tal geprägt: So ist der Agria-Industriepark in der Bittelbronner Straße in Möckmühl dort jedem ein Begriff. In vollständig modernisierten Gebäuden werden hier auf vier Montagelinien und zwei Einzelmontageplätzen Geräte mit einer Motorleistung bis 22 PS gefertigt. 65 Menschen finden in den Agria-Werken Beschäftigung. Zum Sortiment zählen handgeführte wie ferngesteuerte Maschinen, die weltweit Einsatz finden, zudem eine große Auswahl an Anbaugeräten. In den letzten Jahren wurde das Angebot um innovative, ferngesteuerte Mähraupen verstärkt. Die Fertigungstiefe ist beachtlich und die auf Baugruppen basierende Herstellung bewährt. Hinsichtlich der Komponenten bedient man sich oft noch der Zulieferer der ersten Stunde, was sich gerade angesichts der pandemiebedingten Lieferengpässe der letzten beiden Jahre als wahrer Segen erweist. Der Vertrieb reicht über West- und Osteuropa bis nach Japan, USA, Australien, Neuseeland und die Karibik. Alles in allem ist Agria also gut aufgestellt.

Generationenwechsel

Mit der neuen Doppelspitze in der Geschäftsführung positioniert sich das Traditionsunternehmen nun für kommende Herausforderungen. Bereits seit 2018 leitet Julian Viering, Sohn des einstiegen Geschäftsführers, die Geschicke des Unternehmens. Im Mai 2021 ist sein Bruder Dr. Goetz Viering als weiterer geschäftsführender Gesellschafter eingetreten. Damit ist der Generationenwechsel komplett. Schon als Kinder liefen die beiden Brüder durch die Fabrikhallen, erzählen sie. Heute sehen sie sich vor allem dem Agria-Qualitätsversprechen verpflichtet. Dies bezieht sich nicht nur auf die Produkte, sondern auch den mit ihnen verbundenen Service. So ist der Konfigurator für Maschinen und Anbaugeräte bei Agria ebenso selbstverständlich wie eine ausgiebige Beratung, Vorführungen vor Ort, Einweisungen und Schulungen und ein eigener Ersatzteilservice. Auch das Auslandsgeschäft will die neue Doppelspitze vorantreiben und Akzente im Bereich Verkauf, Organisation und Lean-Management setzen.

Visionen im Blick

Im Blick haben die beiden Agria-Geschäftsführer sowohl das Profi- wie auch das Privatkundengeschäft. Beides will man ausbauen und die Geräte weiter verbessern. Sicher stellt dies eine eigene Forschung und Entwicklung. Auch in die Technik wird investiert. So kann man in Möckmühl bereits den Prototypen einer Akku-Mähraupe begutachten. Denn insbesondere dieses Segment der ferngesteuerten Mähraupen ist für die Brüder Viering interessant. Der Markt entwickele sich, Nachfrage und damit auch der Umsatz stiegen hier gerade deutlich, sagen sie, jedoch auch der Wettbewerb. Agria will sich hier mit neuen Angeboten positionieren. Dies äußert sich nicht nur in Neuheiten wie der agria 9600, die 2021 vorgestellt wurde. Seit der letzten Saison hat man auch mobile Servicetechniker im Einsatz, die die Händler vor Ort bei Vorführungen und im Service anlernen und unterstützen sollen. Auch an einem Werkstatthandbuch und einer mobilen Kundendienst-Lösung wird derzeit gearbeitet. Für die Saison 2022 steht für Goetz und Julian Viering angesichts der fortdauernden Pandemie jedoch zunächst einmal die Lieferfähigkeit im Vordergrund, die sie dank ihrer relativ unabhängigen Fertigung jedoch als sicher sehen, und natürlich der 75. Geburtstag der Agria-Werke in Möckmühl.

Der Grad an Handarbeit ist hoch bei den Agria-Werken in Möckmühl, die Fertigungstiefe ebenso. (Quelle: onusseit)
Reparierbarkeit ist bei Maschinen aus dem Hause Agria oberstes Gebot. Das zeigt sich schon in der Herstellung. Kein Teil wird verklebt. (Quelle: Onusseit)
Praxistest: Die neue Agria 9600 markiert einen Meilenstein im Sortiment der fernbetriebenen Mähraupen. (Quelle: onusseit)
zuletzt editiert am 01.04.2022