Gasflamme, die aus einem Fabrikschlot abgefackelt wird
Gasflamme (Quelle: dietmarwiedemann auf pixabay)

Handel & Hersteller

18. August 2022 | Teilen auf:

Blitzumfrage: Wie gehen Gartentechnik-Lieferanten mit der Energiekrise um?

Wie machen die Gasmangellage und steigende Energiekosten den Herstellern von Gartentechnik zu schaffen? Und welche Auswirkungen auf die Preise sind zu erwarten? Motorist hat dazu spontan in der Branche nachgehört.

Eine Antwort kam prompt von Stihl, wo bereits an einem internen Notfallplan gearbeitet wird: „Grundsätzlich ist Stihl, wie auch andere Unternehmen, von steigenden Energiepreisen betroffen. Die ab dem 1. Oktober 2022 geplante Gasumlage wird auch bei Stihl zu spürbaren Auswirkungen bei den Energiekosten führen. Diese werden derzeit intern genau analysiert und quantifiziert. Derzeit erarbeiten wir einen Notfallplan mit dem Ziel, die Produktion im Falle eines Ausfalls oder Reduzierung der Gasversorgung bestmöglich aufrechtzuerhalten. Wir arbeiten zudem an Maßnahmen, um kurz- und langfristig sowohl den Energieverbrauch zu reduzieren als auch Erdgas durch nachhaltige Energieträger für die Versorgung der Werke – zumindest teilweise - zu substituieren. Eine Reduzierung bis zu einem gewissen Umfang könnte durch die bereits vorbereiteten Maßnahmen mit Mehrkosten, aber ohne Produktionsstillstände, abgebildet werden. Ein Komplettausfall von Gas ohne Ersatz würde auch bei Stihl zu deutlichen Produktionskürzungen bzw. teilweise zu Produktionsausfällen führen. Auch generell arbeiten wir kontinuierlich an der Steigerung unserer Energieeffizienz und wollen die Eigenerzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen an unseren Standorten ausbauen.“

Sabo erweitert seinen Energiemix im Werk in Gummersbach derzeit um eine ölbasierte Brennstoff-Anlage, um zum Beispiel die Pulverbeschichtung, die dort vor allem von Gas abhängig ist, auch unter verschärften Bedingungen weiterbetreiben zu können.

Domino-Effekt

Zu Wort meldete sich auch der französische Anbieter Etesia mit einem weiteren Aspekt. „Da Frankreich seinen Strom vorrangig durch Kernkraftwerke gewinnt, sind die Auswirkungen der Gasengpässe im Land noch nicht das zentrale Thema. Sollten aber in Deutschland diverse Branchen wie z.B. die Chemie in Form der BASF als Kunststoff Zulieferer stark betroffen sein, werden auch wir dies mittel- und langfristig zu spüren bekommen. Etesia wird nach der Sommerpause Ende August planmäßig die Produktion aufnehmen, dies entspricht quasi dem Beginn unseres neuen Geschäftsjahres. Das Material hierfür wurde, der allgemeinen Liefersituation geschuldet, z.T. bereits vor über 12 Monaten bestellt“, heißt es aus Wissembourg

Druck auf Preise und Frühbezüge

Auswirkungen dürfte der Notstand auch auf die Preise und Frühbezüge haben. So ergänzt Stihl: „Aufgrund der seit der Corona-Pandemie vorherrschenden stark eingeschränkten Verfügbarkeit und Lieferengpässe von Bauteilen, die durch den Krieg in der Ukraine nochmals verschärft wurde, ist Stihl – wie andere Unternehmen auch – mit starken Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite konfrontiert. Dementsprechend haben wir unterjährig bereits mit Preisanpassungen reagiert. In diesen herausfordernden Zeiten ist es wichtig, dass wir flexibel auf sich schnell verändernde Rahmenbedingungen reagieren. Daher beobachten wir die Beschaffungs- und Absatzmärkte weiter.

Auch Etesia hofft, es bei einer bereits im 2. Quartal angekündigten und zum 1. August in Kraft getretenen Preiserhöhung zu belassen, verbunden mit einer Preisgarantie für alle bis Ende Dezember 2022 gebauten und ausgelieferten Maschinen. Weitere Vorausplanungen hält man im Moment jedoch nicht für seriös. In Rede stellt man mit Blick auf den anstehende Frühbezug jedoch bereits eine Kontingentierung/Quotierung für die einzelnen Länder und Verkaufsgebiete. Da der Handel aufgrund der bekannten Lieferengpässe im ersten Halbjahr 2022 Handel bereits jetzt in hohen Stückzahlen ordert, werde man wohl dazu gezwungen sein.

Preissteigerungen bereits vorsorglich vermerkt

Bei Ariens/AS-Motor ist man von den Versorgungsengpässen bei Gas zwar nicht unmittelbar in der Produktion betroffen, sieht jedoch ein hohes Risiko, dass Zulieferer bei Eintreten der sogenannten Warnstufe 3 von Rationierungen betroffen sein könnten. „Aktuell ist es sehr schwierig zu sagen, was genau passieren wird und wer von Rationierungen betroffen sein wird. Die Umstellung auf Liquid Gas ist ebenfalls schwer, unter anderem, da hierfür meist nicht die erforderlichen Lagerungsmöglichkeiten vorhanden sind.“ Nicht von der Hand weisen will AS-Motor ebenfalls den Effekt auf die Preise: „Die Steigerung der Energiepreise trägt neben den steigenden Rohstoffpreisen zu einem anhaltenden enormen Kostendruck bei“, so das wörtliche Statement. Die konkreten Auswirkungen seien derzeit noch nicht abzuschätzen. Bereits seit Anfang April 2022 vermerkt man in Bühlertann auf den Auftragsbestätigungen jedoch gewissermaßen vorsorglich, dass Preissteigerungen möglich sind.

Auf Öl umgestellt

Entspannt zeigt man sich bei Husqvarna: „Nach momentanen Stand gehen wir davon aus, dass es an den deutschen Standorten keine spürbaren Auswirkungen geben wird, da die Abhängigkeit von Gas gering ist. In einzelnen deutschen Werken der Husqvarna Group wurden bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen und in Teilen von Gas auf Öl umgestellt“, heißt es noch Anfang September aus Ulm.

zuletzt editiert am 05.09.2022