Unternehmensführung 2017-02-10T00:00:00Z Chemiefreie Wildkrautbeseitigung (1) - Von der Dusche bis zur Stahlbürste

Das Thema der Wildkrautbeseitigung ohne den Einsatz von Chemie hat in den letzten Monaten an Fahrt aufgenommen.

Die mechanische Variante der Wildkräuterbeseitigung setzt auf robuste Besen oder Bürsten, die thermische Variante auf Flammen, Heißluft, Infrarotstrahlung, heißes Wasser, Dampf oder Schaum. Dem Anwender steht bei den Methoden ein breites Angebot zur Verfügung - Beratung ist gefragt!

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, d.h. außerhalb von landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen nur unter ganz bestimmten Auflagen gestattet. Die spezifischen Regelungen sind im bundesweit einheitlich gültigen Pflanzenschutzgesetz hinterlegt.

Um es vorweg zu nehmen, auch die chemische Methode der Wildkräuterbeseitigung ist dabei zulässig, muss aber bestimmte Kriterien erfüllen. In der Information des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), das für die Zulassung der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zuständig ist, findet sich zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine klare Aussage: „…. Damit ist auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln so weit wie möglich zu minimieren oder zu verbieten und der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln mit geringem Risiko (…..) sowie biologischen und nicht-chemischen Bekämpfungsmaßnahmen der Vorzug zu geben.“ ( www.bvl.bund.de )

Der Paragraph 17 des Pflanzenschutzgesetzes regelt das Genehmigungsverfahren, die Gebührenverordnung die Kosten dafür. Der Blick auf das Antragsverfahren und in die Gebührenverordnung lässt möglicherweise mancher Kommune die Anschaffung einer Maschine für die mechanische oder thermische Wildkräuterbeseitigung sinnvoll erscheinen. Dazu kommt, dass der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel zu einem positiven Image und einem nachhaltigen Bild der Kommune, aber auch von GaLaBauern, Unternehmen oder Privatpersonen beitragen kann. Zu den „Pflanzenschutzmitteln“ zählen dabei im Übrigen auch so „harmlose“ Hausmittel wie Salz oder Essig. Zuwiderhandlungen können mit einem Bußgeld belegt werden, das in bis zu mittleren fünfstelligen Beträgen ausfallen kann. Die Investition in eine Maschine zur chemiefreien Wildkräuterbeseitigung kann sich also noch mehr lohnen.

Keine Kommune und kein GaLabauer wird ganz ohne Pflanzenschutzmittel und Herbizide auskommen, denn die Flächenpflege umfasst mehr als Wege und Plätze - ob gepflastert oder wassergebunden -, mehr als Spielplätze, Schul- und Kindergartengelände, Sportplätze und Spielwiesen oder Parks und Friedhöfe. Eine Variante kann auch die vom Dezernat Pflanzenschutzdienst im Regierungspräsidium Gießen aufgezeigte Vorgehensweise sein: „Gärtnerisch genutzte Flächen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, können durch Absperrung befristet der Nutzung durch die Öffentlichkeit entzogen werden. Damit ist nach der Absperrung die Durchführung einer Pflanzenschutzmaßnahme mit einem zugelassenen Präparat möglich. Nach Anwendung des Mittels ist die Fläche für mindestens 48 h so abzusperren, dass eine Nutzung durch die Öffentlichkeit unterbunden wird.“ ( www.pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de )

Methodenlehre

Die Unterscheidung zwischen der mechanischen Methode der Wildkräuterbeseitigung und der thermischen Methode muss deshalb natürlich weiter differenziert werden. Relativ einheitlich ist die Technik bei der erstgenannten Methode: Zum Einsatz kommen meist kräftige Bürsten mit Nylon- oder Stahlborsten, die den Wildkräutern zu Leibe rücken. Das Spektrum der Maschinen reicht dabei von der kleinen, handgeführten und flexibel einsetzbaren Maschine bis zum Anbaugerät an Einachser oder auch Kommunalfahrzeuge oder Traktoren. In dieser Größenordnung kommen bei den Maschinen bzw. Anbaugeräte auch Winkelmesser oder Werkzeuge zum Einsatz, die die Wildkräuter aus wassergebundenen Wegen „heraus rühren“.

Wesentlich artenreicher ist das Biotop der Maschinen für die thermische Wildkräuterbeseitigung besiedelt. Neben Maschinen, die mit offener Flamme oder Heißluft arbeiten, sind hier auch „nasse“ Varianten mit heißem Wasser oder Schaum zu finden. Die Größenordnungen der Arbeitsgeräte sind in diesem Segment ebenfalls so differenziert wie bei den mechanisch arbeitenden Wildkrautbeseitigern. Es reicht vom kleinen Flammenwerfer bis zum großen Heißwasserbereiter als Trailer oder Aufbau auf Kommunalfahrzeugen.

Möglichkeiten und Einschränkungen

Jedes einzelne System aus der Range der chemiefreien Wildkrautbeseitiger hat spezifische Vor- und Nachteile, die es im Einzelfall zu bewerten gilt. So sind beispielsweise die mechanischen Systeme nicht auf weichen Belägen oder an Pfosten und Hindernissen einsetzbar. Außerdem sind lärmsensible Bereiche für sie tabu. Und auch auf „unerwünschte Flugobjekte“, die durch den Einsatz der rotierenden Bürsten generiert werden, muss Acht gegeben werden. Dafür ist die Anwendung der Systeme einfach und ohne zusätzlichen Aufwand möglich. Lediglich ein abschließendes Zusammenkehren der beseitigten Wildkräuter ist notwendig.

Das Prinzip der thermischen Wildkräuterbeseitigung ist, ob mit oder ohne Wasser, einfach: Durch die Hitze werden die Eiweißstrukturen der Pflanze zerstört, so dass sie abstirbt. Die Pflanzen werden also nicht verbrannt, sondern der Effekt der Zellausdehnung und das Platzen der Zellen durch die Hitze und dem Gerinnen des Eiweiß in der Pflanze wird genutzt. Für den Einsatz von Brennern oder Heißluft bei der Wildkrautbeseitigung wird es trotzdem immer dann schwierig, wenn beispielsweise extreme Trockenheit herrscht oder angrenzende Bepflanzungen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Auch nicht hitzeresistente Beläge können mit diesen Maschinen nicht bearbeitet werden. Zusätzlich sind hier, wie bei den mechanischen Systemen, in der Regel Schutzmaßnahmen für den Anwender notwendig.

Und bei den Systemen, die mit heißem Wasser oder Schaum arbeiten, ist selbstverständlich, auch wenn sie sonst autark arbeiten, die Bereitstellung von Wasser notwendig. Dies kann über einen integrierten Tank oder einen externen Tank auf einem Kommunalfahrzeug ebenso erfolgen wie über den direkten Anschluss an eine Wasserzapfstelle. Ansonsten zeigen sich gerade diese Systeme sehr vielseitig, können sie doch auf unterschiedlichsten Untergründen, in sensiblen Gebieten wie beispielsweise Wasserschutzgebieten oder auch, wenn die Ausstattung als zusätzliche Funktion gegeben ist, zur Reinigung eingesetzt werden.

Am Ende der Überlegungen zum geeigneten System bleibt die Frage der Effektivität: Wie viele Durchgänge pro Jahr sind mit den Maschinen notwendig, um die Wildkräuter in Schach zu halten? Das hat nicht zuletzt damit zu tun, ob das System eine Beseitigung an der Oberfläche durchführt oder auch auf die Wurzeln der Wildkräuter einwirkt und diese beispielsweise kontinuierlich schwächt. Nach den Erfahrungswerten zur Effektivität kann der Anwender selbstverständlich seine Kollegen fragen; insbesondere zu den thermischen Beseitigern gibt es aber auch Untersuchungen, auf die zurückgegriffen werden kann - so von der Universität Kopenhagen oder der Universität in Gent.

Wissenschaftliche Hilfestellung

Während die Untersuchung aus Kopenhagen insbesondere die thermischen Systeme in den Blick nimmt, bezieht die Studie aus Gent auch mechanische (Bürsten-)Systeme mit ein. In beiden, jeweils fünf Jahre alten Berichten, schneiden die Heißwassersysteme bei der Effektivität gegenüber beispielsweise Brennern oder dem Einsatz von Dampf wie auch gegenüber mechanischen Systemen wirkungsvoller ab. Ein Grund dafür wird in der Schwächung der Pflanzen auch im Wurzelbereich durch das heiße Wasser gesehen. So zeigte sich auch, dass bei mehreren Anwendungsdurchgängen die Effektivität jeweils gesteigert werden konnte: Die Flächen blieben nach mehrmaligem Einsatz länger frei von Wildkräutern.

Summa summarum weisen die Untersuchungen wie auch andere Quellen die Effektivität der Heißwasser-Systeme als höher aus als andere. Aber auch mit ihnen sind während einer Vegetationsperiode mehrere Durchgänge notwendig. Die Häufigkeit kann aber durchaus bei bis zu der Hälfte gegenüber anderen Beseitigungsmethoden liegen. HK.

Auszug aus einem ersten Beitrag zum Thema „Wildkrautbeseitigung“, der in MOTORIST 1/17 erschien.

zuletzt editiert am 26. März 2021
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