Motorist(in) des Jahres 2020: Stefanie Schumm
Motorist(in) des Jahres 2020: Stefanie Schumm

Handel & Hersteller

03. March 2021 | Teilen auf:

Der Preis hilft, in den Köpfen zu sein

Im Juli hat die Redaktion Motorist Stefanie Schumm von der Schumm und Vornwald GmbH in Bad Brückenau-Wernarz zum „Motoristen des Jahres 2020“ gekürt. Fast ein halbes Jahr später zog die Unternehmerin nun im Interview Bilanz.

Motorist: Liebe Frau Schumm, es ist jetzt gut fünf Monate her, seitdem Sie mit dem Unternehmerpreis „Motorist des Jahres 2020“ ausgezeichnet wurden. Wie ist es Ihnen und Ihrem Betrieb im Corona-Sommer und Herbst ergangen?

Stefanie Schumm: Alles in allem ist das Jahr für uns sehr gut gelaufen. Gleichzeitig waren wir aber auch durchgehend sehr unter Druck, vor allem wegen der großen Nachfrage in diesem Frühjahr/Sommer und weil wir personell noch immer nicht so aufgestellt sind, wie wir uns das wünschen. Es ist in einer Region wie der unseren nach wie vor einfach unglaublich schwer, Mitarbeiter zu finden, weil viele Industriebetriebe höhere Löhne zahlen. Das hat uns stellenweise ganz schön geschlaucht. Zu Ende Herbst hin haben zum Beispiel unsere Monteure erstmal ihren Urlaub abgebaut, zeitgleich kamen scharenweise die Rasenroboter zum Wintercheck und Einlagerung, da war kein Durchkommen in unseren Räumlichkeiten!

Gerade im neuerlichen Lockdown ist es deutlich ruhiger, obwohl wir die Werkstatt weiter offen halten. Insgesamt sind wir ein bisschen k. o., aber auch zufrieden. Wir hoffen nun weiterhin gesundheitlich gut durch die Pandemie zu kommen.

Motorist:   Das ist ja schon mal schön zu hören. Die Pandemie war ja auch der Grund, warum wir die Auszeichnung zum „Motorist des Jahres“ vor Ort in Ihrem Geschäft vorgenommen haben und nicht wie bisher üblich auf dem Motoristen-Kongress. Wie haben Sie diesen Umstand denn empfunden?

Stefanie Schumm: Ich muss sagen, ich fand es richtig gut, dass die Auszeichnung hier in Bad Brückenau und dann auch noch im eigenen Garten stattgefunden hat. Durch die Nähe zur örtlichen IHK, der lokalen Wirtschaftsförderung und der Politik und Presse, die ja alle vertreten waren, hat das für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Auch über den Tag hinaus. So hat zum Beispiel die örtliche IHK die Auszeichnung im Rahmen eines Sonderthemas zum stationären Handel aufgegriffen und unseren Betrieb in ihrer Zeitschrift ebenfalls porträtiert.

Motorist:   Hat sich das auch positiv auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Stefanie Schumm: Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Dass wir mehr Kunden hatten, will ich gar nicht behaupten. Allerdings rückt eine solche Auszeichnung schon den stationären Fachhandel als Partner in den Blickpunkt. Zum Beispiel bei den Kommunen und Gemeinden, die für uns wichtige Kunden sind. Wenn man auf Dauer im Geschäft sein und, vor allem, Bewusstsein schaffen will dafür, dass wir ordentliche Preise erwirtschaften müssen, um weiterhin unsere Betriebe, auch für sie, aufrechterhalten zu können, ist es wichtig, in den Köpfen zu sein! Hier muss unsere Branche meiner Meinung nach noch einiges tun.

Eine Auszeichnung wie der „Motorist des Jahres“ kann da sehr helfen. Auch das öffentliche Interesse war groß. So hatten wir nach der Preisverleihung noch zwei Glückwunsch-Schreiben von Bundestagsabgeordneten unseres Wahlkreises im Postkasten. Sowohl Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, als auch Sabine Dittmar, Gesundheitliche Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, haben uns gratuliert und ihre Freude über einen ausgezeichneten Betrieb in ihrem Wahlkreis geäußert. Dazu gab es ganz viele und sehr herzliche Gratulationen, von Kunden, Kollegen und Freunden ebenso wie von der Industrie. So hat uns zum Beispiel Patrick Hermann, Sales Manager Germany bei Husqvarna, im Nachgang der Auszeichnung gemeinsam mit unserem Husqvarna-Außendienst einen Besuch abgestattet. Ihm war ich zuvor noch nicht persönlich begegnet. Es war ein sehr gutes und nettes und ehrliches Gespräch. So gesehen war die Auszeichnung schon eine coole Sache.

Motorist:   Sie sagten gerade, dass der Motoristen-Fachhandel Ihrer Meinung nach noch einiges tun müsste, um besser im Geschäft zu sein. Was meinen Sie genau?

Stefanie Schumm: Es ist ja kein Geheimnis, dass viele von uns mit den gleichen Problemen kämpfen. Ob das nun mangelndes Personal ist, hoher Arbeitsdruck oder einfach die Unsicherheit, wie es weitergeht. Manch einer reißt sich sprichwörtlich die Beine aus, aber der Verdienst stimmt dann doch nicht. Das liegt zum Teil an den Konditionen, die die Industrie vorgibt. Wenn bei Instandsetzungen, die eine Stunde in Anspruch nehmen, nur eine halbe vergütet wird, passt das einfach nicht. Aber auch der Handel unterbietet sich zu oft selbst. Teils wohl, um mit den Rabattansprüchen der Kunden mitzuhalten, teils aber auch, weil er unsicher ist.

Und, wie ich in der Frage zuvor bereits anmerkte, der Kunde, ob Privatmann/Profi oder Kommune, sollte unsere Arbeit mehr zu schätzen wissen. Ich fühle mich ähnlich wie die Gastronomen, bei uns soll alles immer schnell, gut & günstig gehen! Ein jeder hat seine Ansprüche auf einen guten Verdienst, warum sollten wir das nicht dürfen! Schließlich bieten wir tolle Arbeit und einen tollen Service, wir sind die Profis in unserem Metier! Unsere Branche verdient zu wenig, wenn ich hier vom ländlichen Bereich sprechen kann! Ich möchte ungern erleben, dass noch mehr Selbstständige die Flinte ins Korn werfen. Wie hat der Senior-Chef eines befreundeten Motoristen zu mir gesagt: „Es müsste wieder mehr Spaß machen, früher hat es mehr Spaß gemacht!“

Motorist:   Wie ließe sich dieses Dilemma denn lösen?

Stefanie Schumm: Ich finde, dass der Handel sich noch viel mehr organisieren sollte. Zum Beispiel in Verbänden wie der Sümo. Ich merke selbst, wie mir der Austausch mit Kollegen guttut und was ich davon für mein eigenes Geschäft mitnehmen kann. Oder wie man von Lösungen wie Click & Collect profitieren kann, wie sie die Sümo gerade aufsetzt. Ein starker Verbund ist aber auch wichtig im Auftreten gegenüber der Industrie, oder besser im Gespräch mit der Industrie. Ich stelle zu meinem Bedauern fest, dass sich die Fronten immer mehr verhärten. Aber das müsste nicht sein.

Unsere gemeinsame Herausforderung ist schließlich der Kunde. Die Industrie sollte dem Handel mehr Spielraum lassen. Dumpingpreise müssten ausbleiben, vielleicht ist auch die Politik mehr in der Pflicht. Und es sollte gesehen werden, welchen Wert der Handel hat. Sei es als Servicepartner oder weil er eben in der Praxis mitbekommt, wo es hakt. Da tut es schon gut, wenn wie bei uns nach der Auszeichnung jemand wie der Husqvarna-Vertrieb mit Blumen und einer kleinen Akkusäge vor der Tür steht. Das war einfach eine schöne Geste, die mich sehr gefreut hat. Und gerade auch als Frau hat mich die Auszeichnung zum „Motorist des Jahres“ in unserer „Männerdomäne“ noch einmal mehr stolz gemacht.