40 Jahre Motorist, das heißt auch 40 Jahre Motorgeräte-Fachhandel. Zwei, die diese Zeit aktiv begleiteten und auch aktuell mitgestalten, sind Ulrich Beckschulte, Geschäftsführer im LandBauTechnik Bundesverband und dort zuständig für die Bundesfachgruppe Motorgeräte, kurz BuFa-Mot, und Paul Raimund, Vorstand in der BuFa-Mot und Motorist mit Leib und Seele. Perfekte Gesprächspartner also für ein Interview zum Thema.
Herr Beckschulte, wenn Sie an Motorgeräte vor 40 Jahren denken, da liegt doch noch der Geruch der Verbrennungsmotoren in der Luft, die Elektronik steckte in den Anfängen und Wartung über digitale Infrastruktur war höchstens Zukunftsmusik, oder?
U. Beckschulte: Man muss sehen, dass die gesamte Sparte damals gerade dabei war, den Kinderschuhen zu entwachsen: Es gab erst eine Reihe Fabrikate, die diesen Markt für sich entdeckt hatten und erste Kettensägen und Heckenscheren für einen breiteren Markt über den Profianwender hinaus erschwinglich machten. Darauf sind damals viele Händler eingestiegen, andere gar nicht. Ähnliches gilt für Aufsitz-Rasenmäher bis Reinigungstechnik – alles Maschinengruppen, die es vor den 70ern noch gar nicht gab. Es sind neue Player aufgetreten, viele Betriebe haben ihr Portfolio auf diesen neuen Markt ausgerichtet, haben – je nach Lage und Rahmenbedingungen - ihren klassischen Kunden aus der Landwirtschaft, der selbst einem immensen Anpassungsdruck ausgesetzt ist, verlassen. Damals war die Technikwelt durch und durch analog: Vor-Ort-Service, mechanische Bauteile, papierbasierte Abläufe und persönliche Beziehungen dominierten, es roch eher nach 2- als 4-Taktgemischen, Geschäfte auf Handschlag waren üblich. Und dennoch: Damals entstanden zwar neue Märkte für Kommunal- und Gartentechnik, die Technologie dahinter blieb im Wesentlichen identisch zur Landtechnik oder zu Baumaschinen – nur alles eben etwas kleiner. Schon damals hat man gespürt, dass viel Potenzial in der neuen Branche steckt. Analog zum Motoristen, der vor 40 Jahren diesen neuen Markt für sich entdeckt hat, ist nahezu zeitglich die BuFa-Mot entstanden, die diesen umswitchenden Playern aus Handel und Handwerk eine Heimat in ihrer neuen Branche mit eigenen Messen, neuen Kunden und Lieferanten gegeben hat.
Herr Raimund, Sie sind seit 2009 Vorsitzender der BuFa-Mot, wie haben Sie seither den Wandel in der Branche erlebt?
P. Raimund: Der Wandel ist deutlich spürbar. Erstens, Elektrifizierung und Elektronik: In Motorgeräten setzen wir vermehrt auf Sensorik und hybride Antriebe statt nur auf Verbrenner. Zweitens, Digitalisierung: Papierbasierte Prozesse weichen digitalen Workflows, Fernwartung und Zustandsüberwachung, sodass Services datengetrieben werden. Drittens, Vernetzung: Telematik, Cloud-Services und Remote-Diagnose ermöglichen schnellere Fehleranalyse, effizientere Wartungsplanung und neue Servicemodelle wie abonnementbasierte Angebote. Viertens, Supply Chain: Digitale Lieferketten schaffen Transparenz durch Plattformen und KI-gestützte Bestandssteuerung. Fünftens, Strukturwandel: In einigen Segmenten kommt Konsolidierung, während spezialisierte Nischenhändler bestehen bleiben. Sechstens, Kundenanforderungen: Höhere Zuverlässigkeit, geringere Ausfallzeiten, proaktive Wartung und mehr Transparenz über Daten und Geräteleistung.
Und welche Trends glauben Sie werden in den kommenden Jahren prägend für die Branche zu sein: weitere Autonomisierung, stärke digitale Vernetzung, KI-gestützte Wartung?
P. Raimund: KI spielt bereits eine wichtige Rolle und auch die Automatisierung wird voranschreiten. Dennoch denke ich werden beide Trends auch in Zukunft nur unterstützen werden, die menschliche Expertise wird nie gänzlich ersetzbar sein.
Werfen wir ein Blick auf die Regulierungen und Normen. Emissions- und Sicherheitsnormen existierten, aber weniger stringent und global harmonisiert als heute. Arbeits- und Umweltauflagen waren geringer und regional unterschiedlich. War es vor 40 Jahren einfacher als Motorgeräte-Händler?
P. Raimund: Ja, tatsächlich und das in vielerlei Hinsicht. Motorgeräte-Technik vor 40 Jahren bedeutet: Weniger Elektronik, mehr mechanische Bauteile; weniger komplexe Wartung, aber auch weniger datenbasierte Services. Und genau darin liegt der Kern, die Digitalisierung hat uns viele gute Fortschritte gebracht und ich möchte hier gar nicht sagen „Früher war alles besser“. Allerdings gibt es nun auch andere Kundenerwartungen, nämlich auch mehr Transparenzbedarf bei Daten. Und durch die vornehmlich lokale oder regionale Reichweite, gab es damals viel weniger globale Lieferketten-Komplexität. Aber natürlich möchten wir die Vorteile der Fernwartung, datengetriebene Services, effizientere Logistik nicht missen.
Erfolgreiche Fachbetriebe zeichnen sich vor allem durch kompetente Mitarbeitende aus. Nur mit gut qualifizierten Fachkräften ist der Erfolg gesichert. Wie sieht es mit der Nachwuchssicherung aus?
U. Beckschulte: In Sachen Auszubildene sind wir ja auch Rekordniveau. 10.113 Personen haben 2024 in eine Ausbildung zum/zur Land- und Baumaschinenmechatroniker/in absolviert. Den Anteil derjenigen, die aus Motorgeräte-Fachbetrieben kommen, kann man nur schätzen; ich würde ihn bei 20 bis 40 Prozent ansetzen. Wir warten gespannt auf die Auswertung für 2025. Für Bundesinnungsmeister Norbert Stenglein und die gesamte Branche ein klarer Beleg für die Attraktivität und Relevanz unseres breit angelegten Berufs, in dem die Kommunal- & Gartentechnik ihren festen Platz hat. Wir führen den anhaltenden Aufwärtstrend zudem ganz klar auf die Nachwuchskampagne Starke Typen zurück, die gezielt das moderne und vielseitige Berufsbild kommuniziert; auch viele Kommunal- & Gartentechnik-Fabrikate unterstützen uns hier. Seit über zehn Jahren setzt die Karriere- und Nachwuchskampagne mit ihren Partnern erfolgreich unterschiedlichste Themen auf, um auf den Beruf aufmerksam zu machen und die zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Die Bundesfachgruppe Motorgeräte existiert beinahe so lange wie der Motorist. Warum wurde die BuFa-Mot damals gegründet?
U. Beckschulte: In den 90er Jahren entstand einfach ein riesiger Betreuungsbedarf für die neue Zielgruppe der Fachbetriebe, die sich nicht länger um Traktoren und Erntetechnik kümmern wollte oder konnte. Für diese Gruppe konnte die klassische Verbandsorganisation nicht mehr ganz so viel bieten, lag deren Fokus doch deutlich auf der klassischen Großtechnik. Und selbst solche Fachbetriebe hatten in aller Regel selbst auch einen eigenen Raum für Kommunal- & Gartentechnik. Damals entstanden neue Messen wie GaFa, GaLaBau, Areal oder später demopark mit neuen Maschinen für ganz neue Bedarfe und Zielgruppen. Der Motorist erschien erstmals, andere Publikationen kamen nicht weit. Allen gemeinsam war, dass nur ein dezentraler Service ihr Laufen sichern konnte. Das gilt im Grundsatz noch heute, auch wenn es immer eine Tendenz zu ganz billig gegeben hat, die ohne jeden Service auskommt. Es war eine Art Gründerzeit: Neue Technik, neue Kunden, neue Märkte, neue Messen, alte und neue Fabrikate, rasende Innovationen – alles das schrie nach fachlicher Betreuung auf unternehmerischer Ebene, aber auch im Aus- und Weiterbildungsbereich und vor allem im Networking der vielen neuen (und alten) Player. Die klassische Verbandslandschaft konnte dem nicht das bieten, was die junge Branche wollte; sie verlangte volle Aufmerksamkeit, Konzentration auf ihre neuen Bedarfe, wie sie z.B. die Elektro-Fachkraft sehr bald bieten konnte. Insofern hat der Bundesverband LandBauTechnik, damals noch H.A.G. heißend, gut daran getan, genau diesen Ball aufzunehmen: Noch heute sind annähernd 400 spezialisierte Fachbetriebe hier organisiert, und das heute oft schon in zweiter (oder mehr?) Generation. Eine Erfolgsgeschichte, die am 1. April 1991 in Bonn begann.
Was sind die Pläne für die Zukunft?
U. Beckschulte: Ganz konkret planen wir gerade wieder den Motorgeräte-Händler Kongress, dieser findet vom 19. bis 21. November mit und bei Ego statt. Wir stellen gerade die Mitgliederkommunikation um. Daneben fahren wir in der BuFa-MoT eine Pilotgruppe von Mitgliedern, die sich ihre betriebsindividuellen Arbeitssicherheitsnachweise und -unterweisungen selbst zusammenbaut – das verbandlich angeleitet und von externen Experten betreut. In unserem Händlerzufriedenheitsbarometer bewerten die Fachbetriebe, geben ihren Fabrikaten Schulnoten in 15 Fächern, wir nennen sie „Kategorien“ – ein Highlight auf jeder Mitgliederversammlung und die Sieger freuen sich; zurecht. Wir sorgen dafür, dass die Sparte Kommunal- & Gartentechnik in allen Bildungsebenen immer mitfließt, und in einigen Gebieten gibt es auch schon eigene Fachklassen für diese Experten innerhalb unseres Universalberufs Land- & Baumaschinemechatroniker/in. Für die Mitglieder veranstalten wir alle zwei Wochen mittwochs um 9.3o Uhr ein maximal einstündiges Webinar zu immer einem spannenden Thema aus der betrieblichen Praxis. Und auch bei unserer Nachwuchs- und Karrierekampagne wird es in diesem Jahr noch sprichwörtlich einiges zu sehen geben.


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