Einkaufsstraße, Kaufinger Straße, München
Auch beim Konsum ist derzeit keine Erholung in Sicht. (Quelle: RM Rudolf Müller Medien)

2024-07-30T11:39:02.765Z Deutsche Wirtschaft in der Krise

Das ifo Institut sieht die deutsche Wirtschaft in einer Krise. So das Fazit aus dem ifo Geschäftsklimaindex aus dem Juli 2024.

„Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise fest“, kommentiert Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Konjunkturumfragen, die Meldung des Statistischen Bundesamtes, wonach die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2024 um 0,1 Prozent gesunken ist. „Auch für das dritte Quartal 2024 ist kaum Besserung zu erwarten“, so Wohlrabe weiter. „Darauf deuten die Ergebnisse beim ifo Geschäftsklimaindex aus dem Juli hin.“

Trendwende lässt auf sich warten

Vor allem in der Industrie lässt die Trendwende auf sich warten. Die energieintensiven Industriezweige konnten ihre Produktion seit Jahresbeginn etwas ausweiten. Im restlichen Verarbeitenden Gewerbe stagniert die Wirtschaftsleistung. Insgesamt nehmen die Auftragspolster immer weiter ab, und der Industrie fehlt es an Neuaufträgen. Die Beurteilung der aktuellen Lage ist im Juli auf den tiefsten Wert seit September 2020 gesunken, und die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich deutlich eingetrübt.

Privater Konsum schleppend

Auch beim privaten Konsum läuft die Erholung schleppend. Den ifo Konjunkturumfragen zufolge dürfte zwar die Fußball-Europameisterschaft im Juni für ein vorübergehendes Umsatzplus insbesondere im Gastgewerbe gesorgt haben. Außerdem lief der Pkw-Absatz im Juni überraschend positiv. Insgesamt aber hat sich das Geschäftsklima bei den konsumnahen Dienstleistern und im Einzelhandel im Juli weiter verschlechtert. Daher dürfte der private Konsum auch im dritten Quartal nur wenig zulegen.

Exporterwartungen gesunken

Ebenso gesunken sind die Exporterwartungen. Hier fehlt es laut Wohlrabe gegenwärtig an Dynamik. Auch gäbe es wenige Anzeichen für eine substanzielle Besserung. Einen Zuwachs beim Exportgeschäft erwarten die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und Elektronikprodukten sowie die Getränkehersteller. Auch die Möbelindustrie geht von steigenden Auslandsumsätzen aus, aber etwas weniger stark im Vergleich zum Vormonat. Die Chemische Industrie sowie die Gummi- und Kunststoffhersteller gehen von einem konstanten Exportgeschäft aus. Die Automobilindustrie erleidet einen Rückschlag, hier wird mit weniger Exporten gerechnet. Gleiches gilt für den Bereich Metallerzeugung und -bearbeitung.

Preiserwartungen wieder gestiegen

Gleichzeitig sind die Preiserwartungen laut ifo weiter gestiegen. Vor allem in der Industrie wollen etwas mehr Unternehmen als im Vormonat ihre Preise anheben. Die konsumnahen Bereiche planen hingegen seltener mit steigenden Preisen. „Daher dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten weiter zurückgehen“, sagt ifo Konjunkturexperte Sascha Möhrle. Einen deutlichen Preisanstieg vermeldete hingegen der Lebensmitteleinzelhandel. Auch im verarbeitenden Gewerbe sind die Preiserwartungen gestiegen.

Beschäftigugsbarometer gesunken

Auch bei ihrer Personalplanung zeigen sich Unternehmen in Deutschland zurückhaltender. Das ifo Beschäftigungsbarometer sank im Juli auf 95,4 Punkte, nach 95,9 Punkten im Juni. „Aufgrund der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung sinkt die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Wo Aufträge fehlen, wird auch kein zusätzliches Personal gebraucht.“

zuletzt editiert am 31. Juli 2024
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