Der Eingang eines Gartencenters mit Werbeschildern von STIHL und VIKING.
Endress Filiale in München (Quelle: RM Rudolf Müller)

Handel & Hersteller 2025-11-04T12:32:09.207Z Endress: Druck durch billigen Wettbewerb

Wochenlang hatten sich ab dem Spätsommer die Gerüchte über eine Schieflage der Endress Motorgeräte GmbH gehäuft. Motorist hat nachgefragt. Demnach befindet sich die Endress-Gruppe in einer Restrukturierungsphase. Dies freilich nicht ohne Grund.

„Wir erkennen bereits seit Monaten, dass mit dem Privatkundengeschäft nicht mehr sinnvoll zu wirtschaften ist“, äußerte sich Michael Endress, Geschäftsführer der Endress Motorgeräte GmbH, Anfang November gegenüber Motorist. Ein absatzschwacher Sommer in einem konjunkturell herausfordernden Umfeld habe die Situation zuletzt verschärft und angesichts des hohen Lagerbestands habe man die Industrie um Unterstützung gebeten. Dies zum Teil in Form von Rücknahme von Ware, aber auch durch Zahlungsstundung, worauf die wichtigsten Lieferanten kooperativ reagiert hätten, wenn auch freilich nicht alle. Grundsätzlich sei die Endress Motorgeräte GmbH aber solide aufgestellt, hieß es. Auch die zum Zeitpunkt der Recherche anvisierte Schließung des Standorts Reutlingen, die zu 90 Prozent im Privatkundengeschäft tätig ist und von der zwei Mitarbeitende betroffen sein werden, sei in diesem Kontext ein normaler Prozess und resultiere auch daraus, dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde, so Endress. Für ihn liegt die Herausforderung an anderer Stelle. Die verstärkte Fokussierung hin zum Profi- und Prosumergeschäft, die Michael Endress nicht nur für sein Unternehmen für lebensnotwendig hält, benötige Zeit: „Da sind ganz viele Schritte zu gehen, angefangen von der Sortimentsaufstellung über die Qualifizierung der Mitarbeitenden und die Ausrichtung der Aufgaben auf lohnende Bereiche bis hin zu neuen Angeboten wie Mietkonzepten“ – alles Themen, an denen man bei Endress mit Hochdruck arbeitet. Kritisch blickt der Unternehmer vielmehr auf das allgemeine Marktgeschehen: die Masse an billigen Akkuprodukten, die aggressiv über alle Kanäle vertrieben werden, ebenso wie die aktuelle Schwemme an Mährobotern aus chinesischer Produktion. „In diesem Jahr war dies ein richtiger Disrupter für unsere Branche“, so Endress.

Unterdessen hat sich im Falle des Standorts Reutlingen der Vermieter zu Wort gemeldet. Die Kündigung der Endress-Filiale sei keineswegs darauf zurückzuführen, dass man den Mietvertrag nicht habe verlängern wollen. Vielmehr sei die Kündigung aktiv durch die Firma Endress erfolgt, heißt es in dessen Erklärung.

Anmerkung der Redaktion: Michael Endress ist mit der Erkenntnis, dass das Privatkundengeschäft immer unkalkulierbarer wird, nicht allein. Auch andere Motoristen teilen seine Befürchtung. Zu Wort meldete sich auf den online veröffentlichten Beitrag zur aktuellen Situation bei Endress Bayern auch Händlerkollege Marco Pscherer, Pscherer Motorgeräte:

Wie denken Sie über das Thema? Schreiben Sie mir! K.onusseit@rudolf-mueller.de

Ein Porträt einer Person mit Brille und gestreiftem Shirt.

„Ich kann Michael Endress zu 100 Prozent nur zustimmen"

Meinung Endress Bayern kämpft angesichts des starken niedrigpreisigen Wettbewerbs aus Fernost mit dem Privatkundengeschäft. Das sagt Händlerkollege Marco Pscherer, Pscherer Motorgeräte dazu:

„Ich kann Michael Endress zu 100 Prozent nur zustimmen. Auch wir werden unsere Filiale in Kemnath zum Ende des Jahres schließen. Was im April 2022 startete wurde gerade in diesem Jahr zu einer großen Belastung, obwohl alle Beteiligten und Außenstehende dem Standort ein enormes Potenzial zugesprochen hatten: Kemnath ist die vermögendste Stadt in Bayern. Als Frequenzbringer sind in direkter Nachbarschhaft ein Aldi und ein dm Drogeriemarkt angesiedelt und direkt gegenüber befindet sich mit Siemens healthineers ein Betrieb mit mehr als 1.200 Mitarbeitenden. Trotz der ungünstigen Witterung ist es uns gelungen eine solide Auslastung zu erzeugen. Über das Wetter im ersten Halbjahr möchte ich gar nicht mehr sprechen, das hat die Situation nicht gerade entschärft. Da unser Mietvertrag im April 2026 ausläuft, haben wir uns jedoch dazu entschieden diesen nicht zu verlängern. Auch bei uns gingen dadurch zwei Arbeitsplätze verloren. Der Grund war neben den vielseitigen Themen auf der Kundenseite, dass es die Produkte aus dem asiatischen Bereich und die gestiegenen Allgemeinkosten allgemein fast unmöglich machen einen Motoristenbetrieb solide zu betreiben.“ Pscherer sieht sich damit nicht allein: „Der Motorist von heute beschwert sich nicht mehr, er wird sich stattdessen still und leise verabschieden“, teilt er seine Befürchtung.

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zuletzt editiert am 12. Dezember 2025