Wer keinen Nachfolger für seinen Betrieb hat, muss sich irgendwann mit der Frage beschäftigen, wie er geordnet die Geschäftstätigkeit aufgibt. Oder er sucht sich einen Nachfolger was sich in der heutigen Zeit aber als äußerst schwierig herausstellt. Der Motorist Stock hat diese Erfahrungen bereits gemacht und sie in diesem Bericht zusammengestellt.
Im Jahr 1984 entschloss ich mich auf Drängen eines Freundes, der Motorgeräte und speziell Einachstraktoren produziert, seine Geräte zu verkaufen und auch kundendienstmäßig zu betreuen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt. Die Entscheidung zur Selbständigkeit fiel nach längerem Überlegen. Die Räumlichkeiten für den Geschäftsbetrieb waren vorhanden, weil ich Eigentum mit einem größeren Grundstück und einer großen Garage besaß, die als Werkstatt genutzt werden konnte.
Nach kurzer Zeit wurde jedoch klar, dass allein mit Einachstraktoren kein großes Geschäft zu machen war. Daraufhin suchte ich mir einen Motorsägen- sowie Rasenmäher-Lieferanten, um mehr Kunden für mein Geschäft zu interessieren. Die Entwicklung ging daraufhin langsam, aber stetig nach oben.
Nach 20 Jahren Geschäftstätigkeit (ich war dann 60 Jahre alt) habe ich begonnen, mich um die Nachfolge für mein Geschäft zu bemühen. Wenn man so lange aktiv im Geschäft war, glaubt man natürlich etwas aufgebaut zu haben, was auch einen gewissen Wert darstellt. Und warum sollte der nicht für einen selbst genutzt werden, beispielsweise durch einen Verkauf oder eine Rente? Und ein anderer bekommt mit der Übernahme die Möglichkeit, sich selbständig zu machen und das bereits Erreichte hoffentlich erfolgreich fortzuführen.
Besonders bewusst wurde mir der Wert meines Betriebes anhand meines Ersatzteillagers. Die über die Jahre gefüllten Regale stellen wohl für jeden Motoristen erst einmal eine ganz erhebliche Menge an ruhendem Kapital dar. Das Auflisten der Ersatzteilpositionen bestärkte mich noch in meiner ersten Einschätzung, dass der Verkaufspreis meines Geschäftes erheblich sein müsste.
Dann machte ich mich auf, um jemanden zu finden, der sich für meinen Betrieb interessieren könnte. Ein Mitarbeiter, der mir in Stoßzeiten half, war dann bereit, sich einmal mit dem Gedanken vertraut zu machen, ob das nichts für ihn sei, da er ja schon viele Kunden und das ganze Umfeld kannte.
Er war dann mit seinen Überlegungen so weit, dass er es sich gut vorstellen konnte, den Betrieb zu übernehmen.
Und damit fing das Desaster erst an:
Er hatte kein Eigentum in der Größe, wie ich es besaß. Er hätte sich also erst einmal eine geeignete Bleibe suchen müssen. Als ich anbot, den Betrieb inklusive Eigentum zu veräußern, lehnte der mögliche Nachfolger mit dem Argument ab, dies sei eine Nummer zu groß.
Dann wurden erste Gespräche zur Finanzierung der Übernahme mit der Hausbank, in dem Fall der örtlichen Sparkasse, aufgenommen. Die machte dann sofort klar, dass eine Finanzierung der Ersatzteile nicht in Frage komme, da niemand absehen könne, wann diese verkauft seien. Der Kundenstamm könne auch nicht berücksichtigt werden, da heute keine Kundenbindung mehr vorhanden sei.
Insgesamt verlief also das Bankengespräch für meinen potentiellen Nachfolger und mich sehr ernüchternd. Mich trafen die Aussagen besonders hart, weil ich nach den ganzen Jahren der Meinung war, dass mein Geschäft sich einen guten Ruf bei den Kunden erarbeitet hätte und ich die bisherigen Erfolge zum größten Teil auf die Stammkundschaft zurückführen könnte.
Aber uns blieb ja noch die Nachfrage beim Steuerberater. Vielleicht wüsste der ja eine Lösung. Aber weit gefehlt: Der sagte uns im Prinzip das Gleiche wie die Bank. Aber dann machte er noch den Vorschlag, ein Geschäftskonzept zu erarbeiten, wie ein Motoristengeschäft zu führen sei. Als wir das Büro des Steuerberaters verließen, hatten wir beide das Gefühl: Der hat keine Ahnung!
Insgesamt war das die zweite Enttäuschung, die dann dazu führte, noch eine Zeitlang weiterzumachen, bis vielleicht eine andere Idee zu einem Verkauf führen könnte.
Zwischendurch sind wir dann noch gemeinsam bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer gewesen, die uns leider nur ähnliche Auskünfte gegeben hat wie Bank und Steuerberater.
Parallel dazu habe ich dann noch in den Zeitschriften der IHK und der Handwerkskammer mein Geschäft zum Verkauf angeboten ebenfalls ohne Erfolg.
Schließlich ist es doch noch zu einem guten Ende gekommen was bestimmt nicht immer der Fall sein wird. Der Übernehmer hatte zwischenzeitlich einen Befähigungsnachweis bei der Handwerkskammer abgelegt und dadurch die fehlende Meisterprüfung ersetzt. Über einen Privatkredit einer anderen Bank hat er sich außerdem die notwendige Summe für die Übernahme beschafft und ist seit dem 01.01.2008 Inhaber meines "alten" Betriebes.
Aus meinen Erfahrungen heraus möchte ich allen Kollegen, die in absehbarer Zeit vor einem ähnlichen Problem stehen, folgende Punkte empfehlen:
Beschäftigen Sie sich frühzeitig mit den Themen "Übernahme" und eventuell auch mit der "Schließung".
Insgesamt erfolgversprechender scheint mir eine Nachfolge durch Familienangehörige.
Die Übernahme sollte langfristig geplant werden und auf klaren Absprachen beruhen.
Eine Übernahme durch Fremde hat wenig Aussicht auf Erfolg, es sei denn, es ist Eigenkapital vorhanden.
Reduzieren Sie rechtzeitig die Ersatzteilbestände auf ein absolutes Minimum.
Findet sich kein Nachfolger, sollte die Schließung mit möglichst wenig Verlust erfolgen.
Lösen Sie sich von der Vorstellung, ein kleiner Motoristenbetrieb sei eine gute Altersversorgung. Die muss aus den laufenden Erlösen erwirtschaftet werden. Entsprechende Beiträge müssen dann aber auch konsequent für die Alterssicherung auf die Seite gelegt werden. Kann man den eigenen Betrieb trotzdem veräußern, ist der Erlös als Zubrot zu betrachten!
Fazit
Wenn ich im Nachhinein meine ersten Erwartungen an eine Übernahme mit dem vergleiche, was letztlich herausgekommen ist, muss ich folgendes konstatieren: Ersatzteile und Werkzeuge habe ich fast verschenkt.
Was ich positiv sehe ist, dass jemand meine Arbeit fortsetzt und damit sein Geld verdienen kann. Und meine Kunden haben auch in Zukunft einen Motoristen als Ansprechpartner, der ihnen bei Problemen mit ihren Geräten kompetent helfen kann.