Unternehmensführung 2015-11-16T00:00:00Z Freiheit gibt es nicht geschenkt

Die Anschläge von Paris sind das Furchtbarste was Europa seit langem erlebt hat. Sie treffen uns tiefer als aller Terror zuvor. Sie zwingen uns, ob wir wollen oder nicht, uns mit der Frage zu beschäftigen, wie wir weiterleben wollen. Wollen wir die Freiheit in Gesellschaft, in Meinungsäußerung, in Religion, in Handel und Konsum, erhalten, so werden wir dafür kämpfen müssen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hat es lange gedauert, bis Europa zu einem weitgehend stabilen und friedlichen Raum geworden ist. Ein Raum, in dem jeder seine Meinung frei äußern darf, in dem Frau und Mann die gleichen Rechte haben, in dem alle Güter ohne Grenzen hergestellt, vertrieben und konsumiert werden dürfen.

Um dies zu erhalten, wird es nicht genügen, das eigene Facebookprofil blau-weiß-rot einzufärben, nicht genügen „Nous sommes Charlie“ zu schreiben.
Dabei werden wir auch die Verantwortung nicht abschieben können auf einen Staat oder eine Europäische Gemeinschaft. Zumal sich insbesondere letztere in einem ohnehin politisch geschwächten Zustand befindet wie man am Umgang mit der Flüchtlingskrise sieht. Von Einigkeit, Entschiedenheit oder Planung im Handeln ist wenig zu spüren. Hier sind uns die Extremisten und Diktaturen einen Schritt voraus.

Was aber nicht heißt, dass wir deren Waffen nutzen sollten, um eine Art Chancengleichheit herzustellen. Radikalisierung auf der rechten wie auf der linken Seite ist vielmehr Verrat an unserer Freiheit, an unseren Idealen. Wer jetzt Vorteile gegen Muslime schürt, zündelt gleichsam an unseren Werten.

Nein, wir müssen alle demokratischen und rechtsstaatlichen Mittel einsetzen, um das tolerante und weltoffene Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell, das wir errungen haben, zu schützen. Dazu gehört wohl ein neues Einwanderungsgesetz. Dabei muss Verfolgten natürlich weiterhin jedes Recht auf Asyl gewährt werden. Dazu gehört auch eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik.

Und dazu gehört in jedem Fall das Handeln jedes einzelnen. Auch ich habe heute mehr Angst, Flugzeuge zu nutzen, in Fußballstadien zu gehen oder große Kongresse zu besuchen, als früher. Doch eine Selbstbeschränkung darf es für keinen von uns geben. Nur wenn wir weiter reisen, tanzen, Musik hören, konferieren, konsumieren und frei sprechen, schützen wir, was wir lieben. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Dafür sollten wir eintreten. Das ist der Preis der Freiheit.

Holger Externbrink
Geschäftsführer
Verlag Siegfried Rohn GmbH & Co. KG

zuletzt editiert am 26. März 2021
Newsletter