Für den Motoristen stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob er sich mit dem Angebot akkubetriebener Gartengeräte befassen soll oder nicht. Aber es stellt sich diese Frage: Wie intensiv muss man sich damit befassen? Blickt man auf die Prognosen der Hersteller, kann die Antwort nur lauten: Lieber mehr als weniger!
Über die Vorteile der Gartengeräte, die ihre Antriebsenergie aus einem Akku ziehen, muss nicht lange gesprochen werden: Sie sind einfach in der Wartung und Handhabung, sie sind emissionsarm (wenn man die Emissionen bei der Stromerzeugung außer Acht lässt) und sie sind leise. Gegenüber den ebenfalls geräuscharmen Motorgeräten mit Stromversorgung bieten sie den Vorteil der steckerfreien Unabhängigkeit. Bei der inzwischen gegebenen Leistungsfähigkeit der Geräte bzw. der Akkupacks lässt sich leicht schlussfolgern, dass die Perspektive einer ausschließlichen Nutzung von Akkugeräten bei der Gartenpflege im städtischen Umfeld nicht mehr so weit entfernt ist.
Denken in Leistungsklassen
Ein wesentliches Kriterium vor allem bei der professionellen Anwendung von Motorgeräten für die Gartenpflege ist deren Leistungsfähigkeit. Sind bei den Akkugeräten für den Hausgebrauch durchaus Akkus beispielsweise der 18 V-Klasse zu finden, werden von den Herstellern für die „gehobene“ Anwendung meist Akkus mit 36 V oder auch 40 V eingesetzt. Als Leistungsfaktor ist aber nicht allein die Voltklasse eine Kennzahl, auch die Amperestunden spielen eine Rolle. Hier reicht das Spektrum inzwischen bis hin zu 9,0 Ah bei 36 V-Akkus. Wer den Feierabend noch hinausschieben möchte, der kann zu Akkupacks im Rucksack mit bis zu 1,0 kW greifen.
Die sich aus diesen Volt- und Ah-Daten der 36 V-Akkus ergebenden über 300 Wattstunden (Wh) Akku-Energie sind beachtlich - nicht zuletzt im Hinblick auf den Transport zum Kunden, wenn dieser beispielsweise per Post oder Kurierdienst erfolgt. Denn alle Lithium Ionen-Akkus über 100 Wh müssen in diesem Fall deklariert und als Gefahrgut transportiert werden. Für den Anwender ist das aber kein Problem. Er darf die Akkus in seinem Fahrzeug auf dem Weg zum Einsatzort ohne weiteres transportieren.
Denken in Systemen - der Schuh des Akkus
Was beim normierten Stecker für die Steckdose relativ einfach ist, liegt bei den Akku-Motorgeräten in weiter Ferne. Realistisch betrachtet wird es hier gar nicht so weit kommen: zur Einheitlichkeit des Anschlusses der Maschine zum Energielieferanten. Es geht um den Schuh des Akkus! Die Argumente der Hersteller gegen ein einheitliches System sind nicht von der Hand zu weisen, geht es doch um spezifische Lösungen für die Steuerung und den Energietransport. Also stellt sich die Frage: Wie stark wiegt das Argument der Vielseitigkeit eines Akku-Systems für den Anwender? Ist er bereit, einen akkubetriebenen Spezialisten zu kaufen, auch wenn er dafür einen zusätzlichen Akkupack mit zum Einsatzort nehmen muss, oder will er alles in einem System haben?
Die Fragestellungen sind noch nicht endgültig beantwortet, erkennbar ist aber, dass gewichtige Marken im Segment ihre Systeme zunehmend ausbauen und dies als Argument gegenüber den Anwendern nutzen. Für die Beratungskompetenz des Handels ist der wache Blick auf die Neuheiten und die Marktentwicklung ein Muss.
Fazit
Die Akku-Technologie befindet sich weiter auf dem Vormarsch, soviel ist sicher. Für den Kompetenzausbau im Handel ist die Beratung ein wichtiger Faktor, wichtig ist aber auch die Präsentation der Leistungsfähigkeit der aktuellen Geräte. Wenn diese überzeugend präsentiert wird, steht der Preis der Motorgeräte nicht mehr an der ersten Stelle. Auch dafür ist die Akku-Technik gut geeignet. H.K.
Der hier auszugsweise veröffentlichte Artikel erschien in MOTORIST 6/15.