Handel & Hersteller

02. August 2022 | Teilen auf:

Hidden Energy statt Blackout

Mobile Stromerzeuger sind längst nicht mehr nur für den gelegentlichen Einsatz gefragt. Für immer mehr Motoristen avancieren sie zum konsequent nachgefragten Basissortiment.

Mobile Stromerzeuger hatten schon immer ihren Platz im Motoristen-Sortiment. Sei es für die Baustelle, die Land- und Forstwirtschaft oder für den gelegentlichen Hobby-Einsatz: Ortsunabhängige Powerlieferanten waren und sind gefragt. Zunehmend legen sich Menschen und Unternehmen auch aus purer Vorsicht ein mobiles Stromaggregat zu. Grund ist die Energiewende, die vielerorts die Sorge schürt, die leitungsgebundene Stromversorgung könnte punktuell oder ganz ausfallen. Die Angst ist offensichtlich nicht mal unbegründet. Tatsächlich sind Stromausfälle auch in Deutschland keine Seltenheit und treten regional sogar wiederholt auf. Die jüngste Energiedebatte vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges verschärft die Sorge. Alles zusammen treibt dies die Nachfrage nach Generatoren in die Höhe, mancherorts gar so stark, dass Industrie und Handel kaum noch nachkommen, das Bedürfnis zu stillen.

Nachfrage steigt

„Mobile Stromerzeuger handeln wir schon viele Jahre. In der Vergangenheit waren es in der Regel etwa 150 bis 200 Geräte pro Jahr. Nach der Flutkatastrophe und seit Beginn des Ukraine Krieges ging die Anfrage jedoch deutlich nach oben. Auch der Verwendungszweck unserer Kunden hat sich verändert. Wurden früher eher Generatoren für Freizeitaktivitäten gefragt, sorgen sich die Leute aktuell vermehrt um einen großen Stromausfall“, bestätigt etwa Kommunalprofi KMS in Kamp-Lintfort. Auch bei Al-Ko verzeichnet man seit dem letzten Jahr aufgrund von Umwelteinflüssen wie Hochwassern oder aktuell dem Krieg eine vermehrte Nachfrage nach Stromerzeugern. Gar einen großen Zuwachs im Bereich der Notstromversorgung für private Haushalte macht Marco Sassin von Mosa aus. „Ausgelöst durch den Wunsch, im Notfall weitgehend autark vom öffentlichen Stromnetz zu sein, ziehen immer mehr Kunden die Anschaffung eines eigenen Stromerzeugers in Betracht“, sagt dieser.

Echte Umsatzchance

Die bei Mosa am meisten nachgefragten Modelle seien preiswerte Inverter-Geräte bis 4 KW und Diesel-Aggregate mit AVR-Regelung bis 6 KW. Auch im Segment der zapfwellengetriebenen Generatoren zum Anbau an bereits vorhandene Traktoren verzeichnet der Manager eine stark erhöhte Nachfrage. Für Sassin ergeben sich daraus klar Synergien für Motoristen und Landmaschinenhändler verbunden mit der Chance auf zusätzliche Umsätze, insbesondere bei Bestandskunden. Auch bei Honda ist man überzeugt, dass das Geschäft mit mobilen Stromerzeugern ein stabiles ist, da die Kunden aus verschiedenen Bereichen kommen und die Aggregate gewerblich wie privat gefragt sind.

Höhere Leistungsklassen gefragt

Den Trend zu leistungsstärkeren Geräten bestätigt man bei Honda ebenfalls. So macht derzeit der 2kVA-Bereich bei den Inverter-Stromerzeugern bei Honda zwar noch den größten Anteil aus, dies verlagert sich aber gerade erkennbar in Richtung 3kVA. Ursprünglich sei der Freizeitsektor für die steigende Nachfrage verantwortlich gewesen, heißt es, nun verstärkten Naturkatastrophen und mögliche Ausfälle den Trend. Aus diesem Grund hat Honda einen leistungsstarken, tragbaren und kompakten Notstromerzeuger mit Einspritztechnologie entwickelt. Die größte Herausforderung bestand dabei darin, bei geringer Größe und niedrigem Gewicht eine hohe Leistung bereitzustellen. Immerhin: Mit einem proklamierten Trockengewicht von 26,5 Kilogramm soll der neue EU32i mit einer Leistung von 3,2 kVA das leichteste Gerät in seiner Klasse sein. Ebenfalls neu bei Honda ist der EU70is-7000-VA-Inverter-Stromerzeuger mit Kraftstoffeinspritzung. Er gilt aktuell als das leistungsstärkste Inverter-Aggregat von Honda. Herzstück ist ein laufruhiger und sparsamer Honda-GX390-4-Takt-Industriemotor mit Lambda-geregelter Kraftstoffeinspritzung. Damit erzeugt der Inverter eine Spitzenleistung von 7.000 W (VA) sowie eine Nenn-Dauerleistung von 5.500 W (VA). Wird eine höhere Leistung benötigt, lassen sich zwei baugleiche Geräte zusammenschalten. Das elektronisch geregelte Kraftstoffeinspritzsystem erhöht die Kraftstoffeffizienz des Motors um bis zu 15 Prozent. Dadurch soll der EU70is in der Lage sein, Spannungsspitzen, die beim Einschalten von motorbetriebenen Geräten wie Klimaanlagen oder Kühlschränken entstehen, besser zu kompensieren.

Gas ebenfalls im Kommen

Auch für Pramac ist die „hidden Energie“ ein spannendes Thema, wie Geschäftsführer Rainer Stierle bestätigt. Die Marke, die seit 2016 zu General Electric/Generac gehört, zählt hierzulande ebenfalls zu den führenden Anbietern von Generatoren und in der Deutschlandzentrale in Fellbach ist man wie andernorts davon überzeugt, dass die Not zur netzunabhängigen Stromerzeugung wächst und Ausfälle, wie sie schon heute regelmäßig vorkommen, sich mehren werden. Daher arbeitet Pramac gezielt an größeren Indoor-Lösungen, die schon mal einen Listenpreis zwischen 5.000 und 9.000 Euro haben können, und sucht hierfür in Deutschland Stützpunkthändler. Auch gasbetriebene Stromerzeuger seien allmählich im Kommen. Hatte Pramac 2019 hierzulande nur einen davon verkauft, waren es 2021 bereits 50, berichtet Stierle.

Der SP 8000 THI von Pramac erfreut sich seit Jahren bewährter Beliebtheit, auch im Dauereinsatz und unter rauen Bedingungen. (Quelle: Bruni Bruchi Fotografie / Pramac)
zuletzt editiert am 02.08.2022