Handel & Hersteller 2015-10-21T00:00:00Z Hochdruckreiniger - Kompakt und komfortabel sollen sie sein

Der Markt für Hochdruckreiniger in der semiprofessionellen und kleinen Profi-Leistungsklasse werden von den Herstellern als stabil eingeschätzt. Damit das mindestens so bleibt, legen die Maschinen bei der Attraktivität zu: durch Leistung, Ergonomie und Effizienz.

Bei der Kaufentscheidung für einen Hochdruckreiniger für den semiprofessionellen und professionellen Einsatz müssen verschiedene Komponenten beachtet werden, die beim Beratungsgespräch im Fachhandel berücksichtigt werden sollten - das darf der Kunde erwarten. Nicht allein die Anschlussspannung und der Arbeitsdruck sind als Komponenten zu beachten, auch die Wasserleistung und die mit einer höheren geförderten Wassermenge verbundene Schwämmleistung sollte anwendungsbezogen geklärt werden: Müssen größere Dreckmengen wie beispielsweise in der Landwirtschaft oder bei der Reinigung von Baufahrzeugen abgespült werden, ist nicht der Druck das entscheidende Kriterium, hier wird viel Wasser benötigt. Zudem sind Fragen der Mobilität und des Zubehörs zu klären. Daneben muss der Blick selbstverständlich auch auf Motor und Pumpe gerichtet werden, die wesentliche Qualitätskriterien sind. Grund genug also, sich als Berater einen Überblick über Markttendenzen und Maschinenspezifikationen zu verschaffen.

Tragende Rolle

Der erste Hochdruckreiniger mit einem integrierten Fahrgestell stellte eine kleine Revolution im Marktsegment der kleinen Profigeräte dar: kein Tragen der nicht ganz leichten Maschine mehr, kein Scheitern an Treppen oder langen Wegen zum Einsatzort. Heute ist das Fahrwerk bei den meisten Hochdruckreinigern dieser Leistungsklasse zum Standard geworden. Allerdings - beim Blick auf die Größe einiger Räder, die aktuell bei den Maschinen zu finden sind, scheinen dies eher Noträder zu sein.

Der damals wichtige Schritt hin zu mehr Ergonomie, der sich in besonders großen Rädern Ausdruck verlieh, wird zumindest bei einigen Modellen wieder ein wenig zurückgedreht. Heute heißt der Trend Kompaktheit. Jeder, der einen leistungsstarken Hochdruckreiniger an häufig wechselnden Einsatzorten einsetzen muss, wird dies zu schätzen wissen. Das gute bei den kompakten Abmessungen der Geräte: Größe geht hier nicht zu Lasten der Leistung und der Ergonomie. Denn die smart gestalteten Hochdruckreiniger zeichnen sich trotzdem durch ein gutes Handling aus.

Beachtenswerte innere Werte

Ganz ohne die Betrachtung der inneren Werte geht es auch bei den Hochdruckreinigern nicht. Die zentralen Elemente, Motor und Pumpe, sind von entscheidender Bedeutung für die Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit eines jeden Hochdruckreinigers. Dabei lassen sich zunächst durchaus pauschale Aussagen treffen, die als Qualitätskriterien dienen können: Beim Motor ist es vorteilhaft, wenn die Umdrehungszahl niedrig ist, dies trägt zur Langlebigkeit bei. Die ebenfalls erreichte Laufruhe sorgt auch in der Umgebung für Ruhe. Je nach Druckbedarf und Einsatzzweck sind selbstverständlich auch höhere Umdrehungen sinnvoll oder notwendig, werden die Kriterien Solidität und Zuverlässigkeit zugrunde gelegt, ist der Langsamläufer aber erste Wahl.

Ebenso lassen sich für die Pumpe Kriterien ansetzen, hier spielt insbesondere das verwendete Material - bei semi- und professionellen Hochdruckreinigern sollte es Messing sein - aber auch die Ausführung der Pumpenplunger eine Rolle. Bei den Plungern hat die Keramikbeschichtung als hochwertige Lösung weitgehend Einsatz gefunden. Weitgehender Standard ist auch die Pumpentechnik: hier kommt in den meisten Geräten die Taumelscheibentechnik zum Einsatz. Legt der Anwender Wert auf eine besonders zuverlässige und hochwertige Technik, steht ihm die Kurbelwellentechnik für die Pumpe zur Verfügung. In der vorgestellten Leistungsklasse ist diese Technik, die bei großen Hochdruckreinigern eingesetzt wird, aber bislang noch ein Exot.

Hochdruck durch die Discounter?

Für das Segment der semiprofessionellen und kleinen professionellen Hochdruckreiniger sehen die Hersteller den Einfluss der Discounter gelassen. Vielmehr wird hier eine weiter zunehmende Bedeutung des Fachhandels konstatiert. Dies kann daran liegen, dass sich auch anspruchsvolle Privatanwender zum Fachhandel hin orientieren. In den Segmenten der reinen DIY-Geräte sieht dies anders aus, Produkte, die keiner weiteren Erklärung oder gar Einweisung bedürfen, stehen durch die verschiedenen Vertriebsschienen, in deren Sortiment diese Reiniger zu finden sind, unter hohem Preisdruck.

Diese Produkte werden auch in einem verstärkten Maß über Online-Bestellwege nachgefragt. Bei den Maschinen, die eine höhere Investition darstellen und deshalb ein gewisses Maß an Beratung sowie eine Einweisung erfordern, ist auch dieser Betriebsweg vorhanden. Die realisierten Abverkäufe nehmen aber nicht in der Form zu, die vor Jahren prognostiziert wurde. Durch neue Online-Portale, die sich gezielt an den Handwerker, die Kommunen und KMUs wenden, ist aber eine Ausweitung des Vertriebsweges denkbar. Als Beispiel für ein solches Portal ist der unlängst ans Netz gegangene Online-Marktplatz Procato zu sehen, der dem Fachhandel eine Plattform bietet.

Sauberer Vertrieb

Auch wenn die Größenordnungen von Discount und Online für das Produktsegment der semiprofessionellen und kleinen professionellen Hochdruckreiniger derzeit keine große Rolle spielen - Hersteller sehen den Anteil des Fachhandels bzw. der Motoristen hier noch bei gut über 90 % - wirken sie doch, vielleicht ein wenig subversiv, auf einen Faktor ein: auf den Preis. Durch die Angebote in den Vertriebsschienen wird das Preisgefühl der Käufer beeinflusst und bei ihnen eine Preissensibilität entwickelt, die den realen Werten der Geräte nicht immer entsprechen muss.

H.K.

Auszüge aus einem Artikel, der in MOTORIST 5/15 erschienen ist.

zuletzt editiert am 26. März 2021
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