Mähroboter von Husqvarna auf Rasenfläche im Stadion.
Autonome Robotik bleibt eines der zentralen Stichworte in der Husqvarna-Strategie. (Quelle: Husqvarna)

Handel & Hersteller 2023-04-06T13:38:17.871Z Husqvarna treibt Transformation weiter voran

Im März hat die Husqvarna Group ihren Geschäftsbericht veröffentlicht. Demnach wurde das Wachstumsziel mit Minus einem Prozent klar verfehlt. Das Betriebsergebnis stieg um 9 Prozent auf 4,9 Mrd. SEK. Der Nettoumsatz wuchs um 15 Prozent auf 54 Milliarden SEK.

Wie aus dem Geschäftsbericht der Husqvarna Group hervorgeht, hat sich die Transformation im Unternehmen im Jahr 2022 trotz erheblicher Herausforderungen in der Lieferkette sowie geopolitischer und makroökonomischer Bedenken fortgesetzt. Man habe ein Beschleunigungsprogramm gestartet, um das Angebot an Lösungen für eine kohlenstoffarme Wirtschaft zu erweitern und im Sinne der Konzentration auf Mehrwert für die Kunden in den Bereichen Robotik, Batterien, professionelle Lösungen und intelligente Bewässerung zu expandieren, heißt es zusammenfassend. "Wir nutzen Chancen in einer Welt, die in rasantem Tempo elektrifiziert wird und in der der Einsatz autonomer, vernetzter und intelligenter Produkte und Lösungen rasant zunimmt. Wir erfinden uns ständig neu, identifizieren und nutzen Marktchancen, um unser Unternehmen noch zukunftssicherer zu machen", kommentiert Pavel Hajman, amtierender CEO der Husqvarna Group.

Meilensteine 2022

Als konkrete Beispiele nennt der Geschäftsbericht die erfolgreiche Einführung der ersten Husqvarna Ceora-Robotersysteme im kommerziellen Rasenpflegemarkt sowie den Launch von Nera als erstem Husqvarna Mähroboter mit einer virtuellen Begrenzung für Privatgärten und Wohngebiete. Ebenso die Ankündigung einer neuen Serie von Micro-Drip-Bewässerungssystemen im Geschäftsbereich Gardena sowie eine Erweiterung der EcoLine-Recycling-Produktreihe. Um die Transformation zu beschleunigen, will Husqvarna bis 2025 weitere 400 Mio. SEK in Mähroboter, Akkutechnik, Bewässerung und professionelle Produkte sowie den Ausstieg aus dem margenschwachen Geschäft mit benzinbetriebenen Geräten investieren. Die Position bei Diamantwerkzeugen in Europa wurde durch die Übernahme von Heger gestärkt. Weiterhin habe Husqvarna seine Nachhaltigkeitsziele erreicht und die CO2-Emissionen um 32 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2015 verringern können. Grundsätzlich sieht man sich gut aufgestellt. So führt Husqvarna nach eigener Aussage den globalen Markt bei Mährobotern sowohl im Profisegment als auch bei Privatkunden an und rangiert bei Handhelds auf Platz 2. Eine starke Position habe man außerdem bei Front Ridern und ZTR-Mähern. Ebenfalls weltweit führend ist Husqvarna laut Geschäftsbericht bei Bewässerungssystemen im Bereich Residential und Akkubetriebenen Geräten für diese Zielgruppe.

Aussichten

Auch die Aussichten sind gut. So beziffert Husqvarna das Marktvolumen für die Divisionen Forst & Garten, Gardena und Construction auf zirka 290 Mrd. SEK, wobei man dem Bereich Forst & Garten, der aktuell 59 Prozent der Umsätze ausmacht, 170 Mrd. SEK zutraut, der Gardena Division, die derzeit zu einem Viertel zum Gruppenumsatz beiträgt, 75 Mrd. SEK und dem Bereich Construction, der gegenwärtig mit 15 Prozent einzahlt, 45 Mrd. SEK. Insbesondere in Segmenten wie Mähroboter, batteriebetriebene Produkte und intelligente Bewässerungssysteme sei das Potenzial weiterhin groß. Darüber hinaus gäbe es ein großes ungenutztes Potenzial hinsichtlich der Umstellung vom manuellen zum automatischen Mähen im professionellen Bereich, das aktuell nicht in der Rechnung enthalten sei. Trotz der Schwierigkeiten im Jahr 2022 befände man sich in einem Wachstumsmarkt. Die Nachfrage korreliert hier aus Sicht von Husqvarna mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum. Die wichtigsten Märkte für die Schweden bleiben Europa und Nord Amerika.

Vertriebsstruktur

Die Husqvarna-Gruppe vertreibt Forst-, Rasen- und Gartenprodukte an mehr als 25.000 Händler und führende Einzelhändler weltweit sowie direkt an Endverbraucher, heißt es im Geschäftsbericht. Der wertmäßige Anteil der Händler am Gesamtmarkt liegt bei rund 40 Prozent. Ihre Zielgruppe sind professionelle Anwender und anspruchsvolle Endverbraucher. Etwas weniger als 50 Prozent der Umsätze werden im Einzelhandel mit Produkten im niedrigen bis mittleren Preissegment gemacht. Der Online-Kanal, der neben den reinen Online-Wiederverkäufern auch von Händlern und Einzelhändlern genutzt wird, verzeichnet ein starkes Wachstum und hat einen geschätzten Anteil von 15 Prozent am Gesamtmarkt.

Neue Service-Angebote

Ein zentrales Stichwort in der Husqvarna-Strategie für die nächsten Jahren sind neue Lösungen und Services, die positiv auf Wachstum und Rentabilität einzahlen. Dazu gehören zum Beispiel die Rasenpflege als Dienstleistung sowie All-inclusive-Pakete für Mähroboter oder die gemeinsame Nutzung von Geräten. Es sei eine logische Konsequenz der Husqvarna Strategie, ein herausragendes Kundenerlebnis zu schaffen, das über das einzelne Produkt hinausgeht: „Indem wir unser Angebot um Dienstleistungen und Lösungen erweitern, wollen wir näher an die Endnutzer und ihre Erfahrungen heranrücken. Auf diese Weise können wir die Kundenbindung erhöhen, das Ersatzteil- und Zubehörgeschäft ausbauen und uns schneller an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Wir wollen auch den Status quo durchbrechen, indem wir völlig neue Geschäftsmodelle etablieren und so neue Marktchancen erschließen. Die zunehmende Konnektivität ermöglicht uns den direkten Zugang und die Interaktion mit den Kunden, was den Einsatz von As-a-Service-Angeboten ermöglicht“, heißt es wörtlich im Geschäftsbericht. In diese Richtung zielt auch das Schaffen von „herausragenden Kundenerlebnissen“ mit Blick auf hohe Kundenerwartungen. Ein weiteres Stichwort ist „Sustainovate“. Nachhaltigkeit und Innovation sollen demnach noch tiefer in der gesamten Wertschöpfungskette von Husqvarna integriert werden. Als Gradmesser gilt die Verringerung des klimatischen Fußabdrucks, eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft sowie die Befähigung von Mitarbeitern und Kunden zu nachhaltigen Entscheidungen.

Allianzen

2022 ist Husqvarna der 2020 von Gardena mitbegründeten Power for All Alliance beigetreten und dies aus gutem Grund. So rechnen die Schweden damit, dass die Zahl der in der Allianz eingebetteten Batterien noch in diesem Jahr die 30 Millionen-Schwelle nehmen wird. Auch für Husqvarna schreitet die Elektrifizierung voran. Bis 2026 soll der Anteil von Akkubetriebenen Geräten im Bereich Motorgeräte knapp zwei Drittel betragen, 2021 waren es 38 Prozent. Auch bei der Konnektivität will man zulegen. Hier soll sich die Zahl der Produkte innerhalb der nächsten fünf Jahre von 2,8 Millionen in 2021 auf etwa 6 Millionen in 2026 verdoppeln.

Persönliches

Überschattet wurde der Jahresabschluss durch den unerwarteten Tod von Geschäftsführer Henric Andersson im Februar 2023, dem Husqvarna im Geschäftsbericht einen ausführlichen Nachruf widmete. Seine Nachfolge hat seither stellvertretend Pavel Hajman inne.

zuletzt editiert am 24. Mai 2023
Newsletter