Im letzten Dezember wurde die Redaktion von der Firma Eliet zu einem Besuch der belgischen Messe Agribex eingeladen. Sie existiert seit 100 Jahren, ist schwerpunktmäßig auf die Landwirtschaft ausgerichtet und findet alle zwei Jahre statt.
Zum dritten Mal wurden auch motorisierte Gartengeräte gezeigt. Auf der Messe bekamen wir interessante Einblicke und Zahlen über den belgischen Motorgerätemarkt präsentiert. Außerdem dürfte die Messe für deutsche Motoristen in der belgischen Grenzregion von Interesse sein. Organisiert sind die belgischen Hersteller und Importeure aus verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft in der Fedagrim, die auch Ausrichter der Messe Agribex ist. Insgesamt sind in dieser Organisation 85 Hersteller und Importeure zusammengeschlossen, wiederum 32 davon sind in den Bereichen Gartenmaschinen, Forst- und Kommunalmaschinen tätig. Sie haben sich den Gruppennamen "Garten" gegeben. In den 80ger Jahren war der Gartenbau bereits ein Thema auf der Messe, aber dieser Teil konnte sich nicht dauerhaft etablieren. Im Jahre 2005 wurde er dann wiederbelebt und hat seitdem eine permanente Steigerung erfahren. Geschäftsführer der Fedagrim ist Michel Christiaens, Vorsitzender der Motorgerätegruppe Frederic Lietaer, Inhaber des auch in Deutschland bekannten Herstellers u. a. von Häcklern Eliet. Zu den Ausstellern im Motorgeräteteil gehörten beispielsweise Dabekausen, Etesia, Husqvarna Belgium, Saelens, Toro Europe, Vert Service oder auch Andreas Stihl NV.
Geöffnet ist die Messe am ersten Tag ausschließlich für Fachbesucher, die dann folgenden sechs weiteren Messetage ist sie dann für jeden geöffnet. Veranstaltungsort ist das Messegelände City Hall in Brüssel, in unmittelbarer Nähe des bekannten Atomiums. Alle Motorgeräte-Aussteller waren zentral in der Halle 5 zusammengefasst. Insgesamt trafen in der Messewoche rund 130.000 Besucher auf die insgesamt 350 Aussteller. Eine Eintrittskarte kostet 8,50 Euro bei freiem Parken, am Profitag kostet der Eintritt dagegen 45,00 Euro. Der hohe Betrag soll garantieren, dass an diesem Tag wirklich nur Profikunden die Messe aufsuchen. Die Motorgeräte-Aussteller treffen auf der Agribex die ganze Bandbreite ihrer Kunden. Seien es Motoristen und Fachhändler, GaLa-Bauer, Landwirte oder auch Entscheider und Anwender aus den Kommunen. Die Besucher kommen vor allem aus Belgien und Benelux.
Strukturen in Belgien
Das kleine Land Belgien hat eine ausgeprägte Fachhandelsstruktur. Genannt wurde die Zahl von 3.000 bis 4.000 Fachhändlern im Gartenbereich. Oft sind damit jedoch keine "reinrassigen" Motoristen gemeint, weil viele der Betriebe noch zusätzliche Standbeine im Agrarbereich, aber auch bei Fahrrädern oder Eisenwaren haben. Alle Fachhändler liefern sich jedenfalls einen harten und verbissenen Konkurrenzkampf mit Baumärkten und Großflächenanbietern aller Art. Verbände oder Kooperationen für die Motoristen gibt es in nennenswerter Form nicht. Deshalb ist dies eines der Ziele der Gruppe Garten, die dadurch auch ihre Vertriebswege in der Zukunft absichern will. Die Gruppe der 32 hat übrigens nach eigenen Angaben eine Marktabdeckung von über 80 %, bezogen auf den Fachhandel. Daneben ist man sehr am deutschen Qualitätssiegel QMF interessiert und will versuchen, ebenfalls eine Auditierung für belgische Motoristen ins Leben zu rufen. Von der Gruppe wird auch eine Ausbildungsinitiative unterstützt. Um Nachwuchs auf den Beruf aufmerksam zu machen, wurde ein Wettbewerb in insgesamt zehn belgischen Berufsschulen ausgeschrieben. Die bekamen Gartentraktoren zur Verfügung gestellt, die von den Jugendlichen in Eigenarbeit getuned wurden. Es ging dabei um die äußere Veränderung, aber auch um Leistungsverbesserung. Ein Teil der Unikate wurde auf der Messe ausgestellt und zeigte den Einfallsreichtum der zukünftigen Monteure und Techniker. Einem Härtetest werden die Geräte auf der nächsten Messe Demo Groen ausgesetzt. Das ist wiederum eine im Wechsel mit der Agribex stattfindenden Freilandmesse für Kommunalmaschinen, ebenfalls organisiert von der Fedagrim und beschickt von den Mitgliedern der Gruppe Garten. Veranstaltungsort ist ein Freigelände ebenfalls im Umfeld des Atomiums.
Zahlen belgischer Markt
Die Fedagrim stellte auf der Messe auch Zahlen vom belgischen Markt zur Verfügung. Es sind Verbandszahlen der Mitglieder, die nicht den dortigen Gesamtmarkt abbilden, wohl aber Trends und Vergleiche mit Deutschland zulassen. Hier für einige Produktgruppen die Zahlen: Im Jahre 2008 nahm der dortige Markt 3.600 Einachser der Fedagrim-Mitglieder auf, rund 90.000 Motorrasenmäher, 25.500 Trimmer, 22.500 Motorsensen und Freischneider, 46.000 Kettensägen, 6.500 Häcksler, knapp 40.000 Heckenscheren und 13.000 Laubbläser. Auf der Basis dieser Zahlen ging die Herstellervereinigung für das Jahr 2009 von einem Plus von 10 % für Einachser, einem Minus von 15 % für Rasentrimmer, einer Steigerung von 7 % für Freischneider, +30 % für Häcksler und + 8 % für Laubsauger/-bläser aus. Annähernd gleich groß wurden die Marktvolumina für Rasenmäher und Heckenscheren eingeschätzt.
Insgesamt ist der Verkauf von Rasenmähern in den letzten Jahren stabil geblieben. Der Anteil der Mäher mit Radantrieb liegt ebenfalls konstant bei 50 %. Bei Trimmern und Fadenschneidern ist ein deutlicher Trend zu Geräten mit Verbrennungsmotor erkennbar. Der Anteil mit elektrischem Antrieb ist rückläufig. Bei Kettensägen werden rund 80 % mit Verbrennungsmotor ausgeliefert. Im Detail hat die Klasse bis 40 cm³ Hubraum zugenommen; auch in dieser Geräteklasse sind die Verkäufe von Elektrogeräten rückläufig,
Bei der Gruppe der Häcksler ist der Anteil der Geräte mit E-Motor im Zeitraum 2005 bis 2008 von 80 % auf 70 % zurückgegangen. Die belgischen Verbraucher bevorzugen im Gegenzug die stärkeren Geräte mit Verbrennungsmotor immer mehr. Als allgemeine Trends hat die Fedagrim ein deutlich gesteigertes Interesse an Robotermähern bei den belgischen Gartenbesitzern festgestellt, ebenso den Wunsch nach Qualität.
Zukunft schlechter bewertet
Außerdem fragt der Verband regelmäßig die Zukunftseinschätzungen von Herstellern, Importeuren und Handel ab. Im letzten Jahr und das obwohl die Wirtschaftskrise schon in vollem Gang war glaubten noch je 40 %, dass die Lage gleich einzuschätzen sei, bzw. sogar besser als 2008. Für 2010 haben sich die Erwartungen der Befragten Unternehmen deutlich verschlechtert. Nur noch 10 % glauben, dass sich ihre wirtschaftliche Lage verbessern werde und wiederum 40 % glauben, dass sie gleich bleiben werde. Dafür hat sich der Anteil der Pessimisten deutlich erhöht: Die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Belgien.