Grafik zu abgebauter und benötigter Torfmenge in Deutschland läuft zusehends auseinander.
Die Schere zwischen tatsächlich abgebauter und benötigter Torfmenge in Deutschland läuft zusehends auseinander. (Quelle: IVG)

Nachhaltigkeit 2024-05-07T09:26:39.160Z IVG: Deutscher Torfabbau deutlich überschätzt

Der Industrieverband Garten (IVG) e.V. macht sich für neue Genehmigungen beim Torfabbau stark. Hintergrund ist die Tatsache, dass die heimischen Torfvorräte deutlich geringer sind als angenommen, was steigende Importe und Preise zur Folge haben könnte.

Nach einer Umfrage unter seinen Mitgliedern aus der Substratbranche zur Gesamtsituation von Torfabbaugenehmigungen und restlichen Torfvorräten in Deutschland kommt der Industrieverband Garten (IVG) e.V. zu folgendem Ergebnis: Die Gesamtfläche aktueller Abbauvorhaben, restlich verfügbare Torfmengen sowie Laufzeiten von Genehmigungen werden aktuell von der Politik und interessierten Öffentlichkeit deutlich zu hoch eingeschätzt. So seien derzeit auf dem Papier zwar noch 8.000 Hektar in Deutschland für den Torfabbau offiziell genehmigt. Davon befänden sich laut Umfrage jedoch nur noch etwa 2.000 Hektar im aktiven Abbau. Zudem seien zeitlich unbefristete Abbaugenehmigungen an eine maximale Tiefe gebunden und häufig bereits ausgelaufen bzw. würden wesentlich früher auslaufen als zunächst vermutet.

Abbauaufkommen überschätzt

Das positive daran: Die der heimischen Torfnutzung zugeschriebenen Emissionen würden derzeit stark überschätzt. Die negative Befürchtung: Da derzeit weder qualitativ noch quantitativ ausreichend Ersatzstoffe zur Verfügung stehen, rechnet der IVG mit einem rapiden Anstieg der Torfimporte und einer Konsolidierung der Substratproduktionsstandorte. In der Konsequenz bedeute dies einen weiteren Standortnachteil für den Gartenbau in Deutschland. Der Verband fordert daher, das kürzlich beschlossene Verbot für neue Abbauvorhaben in Niedersachsen auszusetzen.

Torhaltige Erden im Privatgarten

Aktuell würde zudem wieder vermehrt auf den Torfverzicht im Privatgarten hingewiesen. Dabei sei auf die geänderte Handhabung von stark torfreduzierten und torffreien Erden zu achten, etwa eine angepasste Bewässerung und Düngung. Am Ende dürfe die Kaufentscheidung nicht durch die Politik vorgegeben werden, sondern Kundinnen und Kunden müssten fachgerecht und anwendungsbezogen beraten werden und ihre Kaufentscheidung eigenständig treffen dürfen. Der Verkauf torfhaltiger Erden für den Consumer-Bereich wird auch über das Jahr 2026 hinaus in Deutschland möglich sein, so der IVG.

zuletzt editiert am 07. Mai 2024
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