Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Markt für Kettensägen hinter sich gelassen und strebt wieder alten Bestmarken entgegen. Auch die Anforderungen der verschärften EU-Abgasgesetzgebung sind weitgehend Schnee von gestern.
So wie der dramatische Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten das Marktsegment der Kettensägen partiell mit nach unten gezogen hat, so profitiert dieses jetzt auch wieder von der gesamtwirtschaftlichen Erholung. Aber, nichts ist mehr so wie es einmal war. Sowohl die wirtschaftliche Schwäche als auch die Anstrengungen zur Erfüllung der aktuellen EU-Abgasgesetze haben ihren Tribut verlangt. Einige Anbieter konnten diese Anforderungen nicht stemmen und haben sich aus diesem Markt zurückgezogen. Der einige Jahre währende Reinigungs-Prozess kann als abgeschlossen angesehen werden. Verblieben sind 13 Anbieter mit 18 Marken, die diesen Markt weitgehend beherrschen. Repräsentiert werden von diesen aktuell folgende Modellanzahlen: 200 mit Benzinmotor, 52 mit Elektromotor und inzwischen 9 mit Akku-Stromversorgung.
Die Anzahl der seit Herbst 2011 neu auf den Markt gebrachten Produkte mit Benzinmotor beläuft sich auf 48 Modelle und Varianten. Hinzu kommen zehn Modelle mit Netzstrom-Elektromotor sowie weitere vier Modelle mit innovativer Akku-Stromversorgung.
Importe aus Fernost
Der Anteil dieser Importe am Kettensägen-Gesamtmarkt beträgt nach Einschätzung der Anbieter gemittelt rund 35 % (bei Nennungen von 20 % bis 75 %), mit der Tendenz stabil in 2012 und leicht ansteigend in 2013. Die Diskrepanz in den Angaben beruht allem Anschein nach auf den unterschiedlichen Modellschwerpunkten, mit denen die einzelnen Anbieter am Markt agieren. Je stärker und technisch anspruchsvoller ein Modell ist (Profimaschinen), desto geringer ist der Fernost-Importanteil. Im Umkehrschluss ist der Anteil höher, je schwächer und technisch einfacher ein Produkt ist. Die Entwicklung hat seit der letzten Betrachtung (30 % in 2011) einen Anstieg zu verzeichnen. Fakt ist, dass sich das Importangebot auf die Anbieter reduzieren wird (oder schon reduziert hat), die die aktuell gültigen EU-Abgasvorschriften erfüllen können. Den Markt für qualitativ höherwertige Modelle werden künftig die Markenanbieter wieder beherrschen, was sich natürlich auch in einer Beruhigung des Marktes niederschlägt. Als Fazit hat die aktuell gültige EU-Abgasrichtlinie nicht nur eine signifikante Verbesserung für Mensch und Umwelt bewirkt, sie hat vor allem auch bei den Anbietern die Spreu vom Weizen getrennt.
Strategie-Empfehlung an den Fachhandel
Als Strategie gegen die zunehmenden Billigangebote, die vornehmlich über Baumärkte, Discounter, Handelsketten, Onlineshops etc. vertrieben werden, geben die Anbieter relativ übereinstimmende Empfehlungen: Vornan stehen ansprechende Präsentation der Qualitätsprodukte, überzeugende Werbung mit Betonung des Kundennutzens durch den Fachhandel, kompetente Beratung und professioneller Service durch Ausbau des technischen Kompetenzprofils. Das in Verbindung mit dem Herausstellen des eigenen Namens als Qualitätsmarke. Gefolgt von kreativer Sortimentsgestaltung (auch preiswerte Einstiegsprodukte der Fachhandelsmarken) einschließlich des Bereichs Zubehör (Kleidung, Kanister, Werkzeuge, Verschleißteile etc.). Zudem konsequente Nutzung von Werbemitteln und Aktionsangeboten der Hersteller.
Die Zusammenarbeit mit Institutionen (Berufsgenossenschaften, Forstämter, Landwirtschaftsämter etc.) u.a. mit Angeboten von Produktdemos und Anwenderkursen kann die Distribution beflügeln und Langzeitbindungen generieren.
M otorist und Elektronik
Der zunehmende Einzug elektronischer Steuer- und Arbeitskomponenten in die Motorgeräte hat für die Motoristen eine neue Epoche eingeläutet und verlangt den Meistern und ihren Mechanikern radikales Umdenken ab. Hammer, Zange und Schraubenschlüssel können weitgehend in der Schublade bleiben. Benötigt werden stattdessen spezielle elektronische Prüf- und Diagnosegeräte sowie Feinmechaniker-Werkzeuge. Für das Verstehen der elektronischen Baukomponenten sowie der Diagnosegeräte sind entsprechende Schulungen durch die Anbieter erforderlich, die aber gleichzeitig den Kompetenzauftritt der Mitarbeiter verbessern. Fakt ist, dass es bei solchen Motorgeräten künftig weniger zu schrauben gibt, dafür aber mehr technischen Beratungs- und Erklärungsbedarf gegenüber den Kunden.
Hpr
Fazit
Der Markt für Kettensägen hat sich spürbar erholt. Stückzahlmäßig kann er schon wieder an die Volumina des ersten Krisenjahres anschließen.
Die preisempfindlichen Einstiegsprodukte stehen nach wie vor unter dem Druck von Billigimporten aus Fernost.
Die Maßnahmen zur Erfüllung der aktuellen EU-Abgasgesetzgebung sind abgeschlossen und haben nur die potenten Anbieter am Markt überleben lassen.
Freigewordene Entwicklungskapazitäten können wieder verstärkt für Produktinnovationen eingesetzt werden (Mikroprozessor gesteuerte Motormanagement-Systeme, Entwicklung von Akku-gespeisten Elektrosägen etc).
Auszüge aus einem Artikel, der in MOTORIST 5/2012 erschienen ist.