Portrait von LBT-Präsident Ulf Kopplin
LBT-Präsident Ulf Kopplin (Quelle: LBT)

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16. May 2022 | Teilen auf:

LBT erwartet Rückendeckung von der Industrie

Die langfristigen Folgen des Ukraine-Kriegs auf die Landtechnikbranche sind derzeit kaum abzusehen. Dies formulierte Ulf Kopplin, Präsident des LandBauTechnik Bundesverbands (LBT) e.V., dieser Tage in einem offenen Brief. Auch klare Forderungen an die Industrie waren darin enthalten.

Demnach verurteilt der LBT den Krieg vehement und fordert eine friedliche Lösung. Gleichzeitig schwört Kopplin die Branche angesichts der auch schon durch die Covid19-Pandemie gewachsenen Herausforderungen auf unsichere Zeiten ein. „Noch ist nicht abzusehen, welche langfristigen Folgen der Krieg gegen die Ukraine und die Pandemie auf unser Leben haben werden. Eines ist jedoch sicher, unsere Welt ist nicht die, die sie vor wenigen Wochen, Monaten und auch Jahren noch war“, heißt es in dem Brief.

Situation in den Betrieben kritisch

Die wirtschaftliche Situation in Handel und Service gestalte sich zunehmend schwierig: Landauf, landab sei die Liefersituation in den gut 6.000 Fachbetrieben, die sich allein in Deutschland mit Vertrieb und Service von Landmaschinen, aber auch Baumaschinen, Motorgeräten, Flurfördertechnik oder Innenwirtschaft befassen, kritisch, so Kopplin. Auf der anderen Seite seien die Auftragsbücher der Lieferanten voll, ihre Ergebnisse aus einem schon von Knappheiten gezeichneten Jahr 2021 exzellent, die Kostenexplosion jedoch unerwartet, kaum zu stemmen und ein Ende noch nicht in Sicht. So seien die Erwartungen der LBT-Mitgliedsunternehmen an 2022 und 2023 bis Ende Februar zwar getrübt gewesen, jedoch nicht negativ. Das habe sich angesichts des Überfalls von Russland auf die Ukraine verändert.

Zentrale Risiken

Als zentrale Unwägbarkeiten skizziert der LBT-Präsident die hohe Inflation und Abschwächung der Konjunktur, eine nachlassende Investitionsbereitschaft sowie die abgeschnittene bis eingeschränkte Versorgung mit essenziellen Komponenten und Ersatzteilen, aber auch Basis-Nahrungsmitteln aus der Ukraine und Russland. Auch die verspäteten oder langfristig verzögerten Lieferungen von Maschinen und unterbrochene Lieferketten bei Komponenten weltweit belasten. Gestiegener Kostendruck für Service könnte nicht immer durch kostendeckende Entschädigungen der Hersteller für Gewährleistungsaufwendungen kompensiert werden. Gleichzeitig würden hohe Kostensteigerungen insbesondere im Energiebereich zu stark steigenden Lohnforderungen führen. Auch mögliche weitere Belastungen drückten gerade kleine und mittlere Unternehmen, etwa ein vorweggenommener Zinsanstieg im Langfristbereich. Hier befürchtet der LBT eine Verteuerung von Investitionen und Lagerhaltung. Vor allem aber würden die bereits erfolgten und noch zu erwartenden mehrfachen Preiserhöhungen der Industrie für den Handel eine Planbarkeit erschweren, ja unmöglich machen.

Preissteigerungen inakzeptabel

Kritisch kommentiert Kopplin hier die teils rückwirkenden Preisanpassungen auch auf endverkaufte Maschinen sowie die Abgabe von Tagespreisen, zu der sich einige Hersteller veranlasst sähen. Diese seien für die Fachhändler „und unsere Kunden nicht umsetzbar“. Nachträgliche Preissteigerungen auf endverkaufte Produkte seien in Deutschland darüber hinaus nicht rechtskonform. Hier habe der Verband bereits einige Erfolge bei dem einen oder anderen Hersteller durchsetzen können. Für den LBT ergäbe sich dennoch eine vollkommen neue Situation: „Die Lieferverzögerungen haben ein so hohes Ausmaß, dass wir heute nicht wissen, wann eine bestellte Maschine jemals ankommt. Dazu kommt, dass wir im Unklaren sind, was sie dann kosten wird. Das halten wir für schlichtweg inakzeptabel“, so Kopplin.

Absatzdruck in 2023 befürchtet

Skeptisch schaut er auf den Moment, an dem, wenn auch verspätet, die zu erwartenden umfangreichen Lagerbestellungen einträfen – auch, weil so mancher Händler angesichts der Erfahrungen aus dem Vorjahr viel mehr bestellt hätte als „in normalen Zeiten“, was von vielen Lieferanten so auch gewünscht gewesen sei. Nun müsse man vor dem Hintergrund der steigenden Inflation und politischer Unwägbarkeiten damit rechnen, dass sich das Kaufverhalten ändert. In der Konsequenz drohe ein möglicher Warenüberhang ins Jahr 2023 und damit verbunden ein Absatzdruck mit Margenverlust - vor dem Hintergrund gestiegener Zinsen eine Katastrophe, schreibt Kopplin. „Finanzplanungsmöglichkeiten und die Bilanzkennzahlen des Handels könnten unverschuldet in den Keller rauschen.“

Rückendeckung erwartet

Hier erwarte der LBT von seinen Herstellern „entscheidende Rückendeckung“, z. B. durch eigene Programme und Absatzförderinstrumente und oder bei der anstehenden teureren Lagerhaltung. Konkret fordert der LBT von seinen Lieferanten Garantiekonditionen nicht unter 50 Euro/Stunde, sondern eine Orientierung am externen Stundenverrechnungssatz, keine nachträglichen Preiserhöhungen auf bereits endverkaufte Produkte sowie Unterstützung bei der Finanzierung.

„Wir Fachbetriebe sehen uns als Unternehmer, in Verantwortung für Kunden, Mitarbeitende und deren Familien. Daher lehnen wir jede einseitige Risikoüberwälzung allein auf uns ab. Wir sind der verlängerte Arm der Industrie in Sachen Vertrieb und vor allem Service beim Kunden. Wenn Sie nicht wollen, dass uns all diese Negativtrends über kurz oder lang erdrücken, wenn Sie wollen, dass wir weiter mit Ihnen zusammenarbeiten, dann müssen Sie, unsere Lieferanten, mit ins Boot. Wir bitten Sie, rücken Sie mit uns zusammen! Sie müssen sich nur einmal gedanklich auf unseren Stuhl setzen und durch unsere Brille, die des Landmaschinenfachbetriebes, in die Zukunft schauen. Überdenken Sie Ihre Konditionen in jedem Bereich. Wir sind immer an einer einvernehmlichen Lösung interessiert und erreichen diese z.B. in unseren Fabrikatsvereinigungen“, so der eindringliche Appell.

zuletzt editiert am 16.05.2022