Wie gehen die Lieferanten aus der Motoristen-Branche mit der Corona-Krise um? Wie wirkt diese sich auf Lieferfähigkeit und Handelsabsprachen aus? Auch Alko, Pellenc und Tiger haben dazu ihr Statement abgegeben.
Wenngleich alle Anbieter die Situation sehr ernst nehmen, überwog gestern noch Hoffnung, den Saisonstart einigermaßen normal über die Bühne bringen zu können. Auch Gotthard Pabst, Geschäftsführer der Tiger GmbH aus Endingen, sorgt sich akut noch nicht: „Die ersten drei Monate des Jahres sind für uns eigentlich vollkommen normal verlaufen mit Umsätzen auf Vorjahresniveau. Hier gab es keine wesentlichen Veränderungen zum Vorjahr, auch wegen der Frühorder aus 2019, bei der wir schon viele Aufträge geschrieben hatten.“ Die Auswirkungen der Corona-Krise würden sich daher frühestens im Sommer zeigen und natürlich auch davon abhängen, wie lange die Beschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt noch anhielten. Pabst: „Wichtig für eine positive Wendung für alle ist natürlich eine Lockerung der restriktiven Maßnahmen bis Ende April und komplett bis Ende Mai.“
Eher bedarfsbezogene Order
Im Tagesgeschäft äußert sich die allgemeine Verunsicherung durch die Corona-Krise für Tiger in einer leichten Zurückhaltung des Handels. Demnach würden die Händler eher kleinere Stückzahlen und eher bedarfsbezogen ordern. Grundsätzlich macht man sich jedoch noch keine Sorgen. Auch, weil Tiger vor allem Profikunden aus dem Galabau, den Kommunen und dem Forst bedient. Und dort läuft die Arbeit naturbedingt weiter. „Zum Glück haben wir ein schönes Frühjahr und die Vegetation blüht“, gibt sich der Unternehmer zuversichtlich. Auch Lieferengpässe sind nicht zu befürchten. „Wir haben unsere Ware an Lager und die ist bereits bezahlt.“ Besondere Abverkaufs-Angebote macht Tiger seinen Kunden angesichts der Krise nicht. Ohnehin hatte man vor dem Hintergrund des 25-jährigen Jubiläums in diesem Jahr spezielle Aktionen gefahren.
Unterstützung zugesagt
Nicht ganz so optimistisch bewertet Alko die Lage. In den Bundesländern, in denen die Bau- und Gartenmärkte sowie der Fachhandel schließen mussten, mache sich ein Rückgang der Abverkaufszahlen bemerkbar, heißt es. Kein Problem ist auch hier die Lieferfähigkeit, da ein Großteil der Produktpalette im eigenen Werk in Obdach in Österreich produziert wird. Auch alle mit dem Handel vereinbarten Konditionen und Aktionen sowie die Werbemaßnahmen von Alko behielten ihre Gültigkeit. Ansonsten ist in Kötz zeitnahes Reagieren angesagt, wobei sich der Handel der Unterstützung durch Alko sicher sein könne: „Unser Geschäftspartner steht für uns immer im Fokus. In guten wie in schweren Zeiten unterstützen und stehen wir zu unseren Händlern.“
Angst vor vollen Lägern
Ebenfalls von Verunsicherung beim Handel spricht Pellenc . „Einige Händler würden Lieferungen gerne stornieren, da diese befürchten, auf vollen Lagern sitzen zu bleiben. Es scheint auch, dass sich der Handel auf finanzielle Engpässe einstellt und Bestellungen derzeit eher verhalten tätigt“, so Vertriebsleiter Alexander Hertweck. Man habe daher bereits in den Frühbezügen verlängerte Zahlungsfristen eingesetzt, um Liquiditätsengpässen der Händler entgegenzuwirken. Eingeschränkte Lieferfähigkeit sei derzeit noch kein Thema, auch, weil Pellenc sein Auslieferungslager im Vorfeld der Pandemie sicherheitshalber aufgestockt hat, um eventuellen Engpässen in der Lieferkette vorzubeugen. Auch das Stammwerk im Süden Frankreichs sei noch voll einsatzfähig, das es unter die französische Regelung zur Sicherstellung elementar wichtiger Produktion fällt.
Jeder Euro zählt
Mit der Ausrichtung auf eine professionelle Zielgruppe wirkt sich für Pellenc-Händler der Rückgang im Privatkundengeschäft natürlich weniger aus. Dennoch: „Gerade jetzt ist es wichtig, alle Händlerbestellungen bedienen zu können, da für Händler jeder Euro Umsatz aktuell im wahrsten Wortsinne Not-wendig ist, besonders jetzt, da die Händler schon aufgrund der außergewöhnlichen Vorjahre tendenziell geringere Lagerbestände für die Saison aufbauen wollten“, so Pellenc-Geschäftsführer Laurent Vivès. Daher versuche man auch, mit allen Mitteln das Bestell- und Versandwesen in Betrieb zu halten, wenngleich der Vertriebs-Außendienst im Zuge der allgemeinen Sicherheitsvorschriften in Kappelrodeck derzeit ausschließlich aus dem Homeoffice unterstützt. Vivès ermutigt: „Generell ist es für jeden Händler ratsam, aktiv auf seine Lieferanten zuzugehen, sollte sich die finanzielle Lage zuspitzen, und natürlich alle möglichen Soforthilfemaßnahmen wie Fördergelder, Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen, Rückerstattung der USt.-Vorauszahlung, Darlehen etc. zu nutzen.“ Pellenc selbst verspricht, bei Bedarf bei allen Anfragen eine Einzelfall-Betrachtung vornehmen.