Die Produktgruppe Benzinrasenmäher hatte im ersten Halbjahr 2011 mit starken Marktverlusten zu kämpfen. Laut aktuellen Zahlen der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) musste ein Minus von 15 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum hingenommen werden. Nach unseren eigenen Befragungen bestätigen die meisten Hersteller den negativen Trend. Trotzdem bleibt der Benzinrasenmäher für Motoristen ein hochinteressanter Markt.
Wir haben wie immer die Hersteller und Importeure nach den aktuellen Markttrends für die Zukunft gefragt: "Wie schätzen Sie die Marktentwicklung im Inland ein?" Es antworteten 55 %, dass er ihrer Einschätzung nach fallend sei, 30 % sind der Meinung, er bleibt konstant und nur 16 % waren der Meinung, es wird eine Steigerung geben.
Was hat sich verschoben?
Wie verteilt sich der Markt zwischen geschobenen und radangetriebenen Benzinmähern für den Zeitraum Januar 2011 bis Juni 2011? Wenn wir von 520.00 Stück Menge ausgehen, dann wurden 35,8 % entsprechend rund 187.000 Stück geschobene Mäher und 64,2 % (336.000 Stück) Radantriebsmäher verkauft.
Wie verteilt sich dieses Paket nun auf die beiden wichtigsten Absatzmittler Baumarkt und Motorist? Mit 155.500 Stück Radantrieb und knapp 96.000 Stück geschobene Mäher ist der Baumarkt dabei, während der Motorist mit knapp 126.000 Stück Radantrieb und knapp 68.000 Stück geschobener Mäher teilnimmt. Dabei liegt der erzielte Marktpreis beim Motoristen rund 10 % höher als beim Baumarkt. Bei allen Mengenangaben kann es eine Schwankungsbreite von +/ 5 % geben.
Absatzkanäle
Bei unseren redaktionellen Fragen nach wahrgenommenen Verschiebungen in den Vertriebskanälen vertraten sämtliche Hersteller als auch Importeure die Meinung, dass die Verschiebung zum Baumarkt stattfindet und auch weiter zunehmen wird.
Weiter wollten wir wissen: "Registrieren Sie Verschiebungen hin zu Eigenmarken?" Hier waren sich 90 % der Befragten einig, dass die Verschiebung zu Eigenmarken zunimmt und auch weiter zunehmen wird.
Und schließlich wollten wir noch wissen: "Wie hoch schätzen Sie den Anteil von Eigenmarken am Gesamtmarkt ein?"
Hier waren alle der Meinung, dass dieser Wert zwischen 20 % und 50 % liegt, was einer ungefähren Stückzahl von 170.000 entsprechen würde.
Was bringt die "gelbe Gefahr"?
Der zweite Themenkomplex unseres eigenen Marktfragebogens stellte folgende Frage: "Wie bewerten Sie die verstärkten Importe chinesischer Waren auf den europäischen Markt?" Danach haben die Gesamtimporte nach Deutschland in einem erschreckenden Maße zugenommen. Die in Deutschland verbleibenden Restproduktionen mit dem Hinweis "Made in Germany" liegen nur noch nach Angaben der befragten Industrie bei 25 bis maximal 30 % der Gesamtmenge und diese Geräte werden größtenteils über den Fachhandel verkauft. Es handelt sich dabei vorwiegend um technisch hochwertige Produkte.
Außerdem werden rund 400.000 bis 450.000 Benzinrasenmäher importiert. Laut Angaben des Statischen Bundesamtes liegt der Gesamtimport aller Rasenmäher (Elektro- bis Aufsitzmäher) bei 40 % Import aus China. Übertragen wir diese Prozentzahlen einmal auf handgeführte Benzinmäher, dann wären das rund 250.000 Stück aus Fernost.
Einige uns zugegangene Anmerkungen von Herstellern und Importeuren zu diesem Thema wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Alle waren sich aber darüber einig,
"…dass der Auslandsbezug sehr gefährlich ist." Ein Hersteller schreibt uns dazu Folgendes (gekürzte Wiedergabe):
"Die Deutschen geben für Statussymbole (Auto, Haus, Uhren, Textilien) unverhältnismäßig viel Geld aus. Das Bewusstsein für Rasenmäher mit Qualität ist nicht vorhanden, hier wird einfach nur billig gekauft. Die Baumärkte gewinnen dadurch immer mehr Oberwasser.
Die Kunden, die noch 1.000 Euro teure Rasenmäher kaufen, sind meist ältere Herrschaften. Hier ist noch ein gewisses Bewusstsein für Marke oder Made in Germany vorhanden. Bei Kunden mittleren Alters den Gartenbesitzern von morgen zählt nur eins: der Preis!"
Ein anderer Hersteller äußert sich zum Qualitätsniveau fernöstlicher Produkte so: "Derzeit ist das eher noch problematisch, Verarbeitungsqualität und Ersatzteilversorgung lassen oft noch zu wünschen übrig. Das kann sich aber in absehbarer Zeit durchaus ändern."
Thema Mulchen
Außerdem hat uns die aktuelle Situation beim Thema "Mulchen" interessiert. Wir haben deshalb abgefragt, wie hoch der Marktanteil an Mulchgeräten am Gesamtmarkt in Prozent ist.
Zunächst einmal stellen wir fest, dass das Mulchen auf dem Markt wenn auch in bescheidenem Umfang fest etabliert ist. Die Auswertung aller Angaben erbrachte einen Marktanteil zwischen 5 bis 10 %, wobei spezielle Anbieter von Mulchgeräten auch schon mal auf 15 bis 20 % hochgehen.
Dazu auch eine interessante Bemerkung eines Anbieters: "Die zusätzliche Mulchfunktion bei Geräten mit Grasfangsack wird bei der Kaufentscheidung gern wahrgenommen. In der Praxis wird dann aber doch meist gesammelt. Und nur selten wird bei Geräten die kostenpflichtige Zusatzoption ‚Mulchen‘ auch gekauft."
Durch die steigende Zahl von Robotermähern wird das Thema zukünftig aber an Bedeutung gewinnen.
Hoher Anteil Radantrieb
Nachdem von den über 380 aufgeführten Rasenmähern 73 % (entsprechend 280 Stück) radangetriebene Rasenmäher sind, haben wir uns für getrennte Marktübersichten entschieden. Tabelle I listet die Selbstfahrer und Tabelle II die geschobenen Typen auf.
Der Radantrieb hat im ersten Halbjahr 2011 seinen Marktanteil mit 65 % gehalten. Nur jeder dritte verkaufte Benzinmäher ist noch ein geschobener Mäher.
Von allen Radantriebsmähern haben 3 % einen Vorderradantrieb mit einem Gang. Bei Hinterradantrieb haben 53 % einen Vorwärtsgang, 10 % haben zwei Gänge. 15 Geräte haben drei Gänge und sogar zwei Rasenmäher ein Vierganggetriebe.
Mit hydrostatischem oder stufenlosem Antrieb arbeiten rund 90 Maschinen, entsprechend 34 %.
Aufgrund dieser hohen Zahlen sollten die mehrgängigen bzw. stufenlos einstellbaren Selbstfahrer einen gebührenden Platz im Ausstellungsraum eines jeden Motoristen haben.
Blue Technology
Die Blue Motion Technology wurde von Volkswagen ins Leben gerufen. Ziel war es, im Fahrzeugbau den Verbrauch von Kraftstoff, den Schadstoffausstoß und die Geräusche zu optimieren, um weniger Umweltbelastung zu erreichen. Aber auch in der Unterhaltungselektronik und bei Haushaltsgeräten werden bereits Blue-Technology-Produkte angeboten.
Auch im Bereich Garten vornehmlich in der Rasenpflege werden dem Markt bereits Rasenmäher angeboten, die den Kriterien einer wesentlich reduzierten Umweltverschmutzung entsprechen. Dazu gehören folgende Punkte:
Reduktion der Abgaswerte gegenüber den in den EU-Emissionsrichtlinien festgelegten Werten (erreicht wurden bis zu 32 %).
Reduktion von Kraftstoffverlusten durch Verdunstung durch bessere Abdichtung zwischen Einfüllstation und Verbrennungsraum (erreicht bis zu 51 %)
Ersetzen des herkömmlichen Kraftstoffes durch reines Pflanzenöl sowie die Verwendung von biologisch abbaubaren Ölen und Fetten.
Die OHV-Technik wird permanent weiterentwickelt,
und der Antrieb durch Verbrennungsmotoren wird immer öfter ersetzt durch einen elektrischen Antrieb. Für diese Substitution sprechen diese Zahlen:
ein klassischer Benzinmäher belastet die Umwelt mit 1,45 kg/km C0²,
ein Gasmotor mit 0,80 kg/km C0² und
ein Elektromotor nur noch mit 0,40 kg/km C0².
Der Elektroantrieb benötigt daneben weniger Wartung und sorgt für eine wesentliche Reduzierung der Betriebskosten. Schlussendlich kann eine Blue-Technology-Maschine an ihrem Lebensende bis zu 100 % recycelt werden.
Gerade die letzten Punkte stellen für unsere Branche eine große Herausforderung dar. Die Diskussion, wie dem begegnet werden kann, sollte nicht mehr lange aufgeschoben werden.
Trotz des aufgezeigten Gefahrenpotenzials bedeutet die Blue Technology eine Chance für den Motoristen. Er kann damit gegenüber Billigprodukten argumentieren. Und wenn dann von den Herstellern auch noch exklusive Fachhandelsangebote kommen, dann wird das Ganze wieder rund für alle Seiten.
Rasenmäher-Einsatzzeiten
Die bis 2002 geltende Rasenmäher-Lärmschutzverordnung 8 BimSch wurde durch eine weitergehende Vorschrift der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immisionsschutzgesetzes v. 29.08.2002) ersetzt.
In dieser Vorschrift wird auch eindeutig die Frage beantwortet: Darf man sonntags den Rasen mähen? Motorbetriebene Gartengeräte wie Rasenmäher dürfen in Wohngebieten nicht an Sonn- und Feiertagen betrieben werden. Das Betriebsverbot an Werktagen gilt von 19.00 Uhr bis 7.00 Uhr früh. Eine Ausnahme bilden lediglich Rasenmäher, die besonders lärmarm sind und die eine Geräuschentwicklung von weniger als 60 Dezibel (A) aufweisen. Diese Werte sind bis jetzt bei verbrennungsmotorbetriebenen Rasenmähern noch nicht erreicht worden.
Über die Verordnung hinaus dürfen Städte und Gemeinden, aber auch Bundesländer weitere Einschränkungen für den Rasenmäherbetrieb festlegen. So kann die Mittagszeit einem besonderen Schutz unterliegen und auch die abendliche Grenze von 19 Uhr kann vorverlegt werden. Darüber hinaus kann auch eine mittägliche Ruhezeit festgelegt werden.
Eine Anfrage bei der Gemeindeverwaltung im Zweifelsfalle ist immer zu empfehlen. Die Beschränkung in der Zeit von 13.00 bis 15.00 Uhr gilt nicht für gewerblich eingesetzte Rasenmäher. Wer bei diesen Verordnungen ordnungswidrig handelt und entgegen den Betriebsverboten ein Gerät betreibt, kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro belegt werden.