Handel & Hersteller 2015-10-21T00:00:00Z Motor-Kettensägen - Markt stabil wie nie

Der Markt für Motor-Kettensägen erfreut sich einer seit der Finanz- und Wirtschaftskrise beispiellosen Stabilität und Kontinuität auf hohem Niveau.

Das technische Niveau der Modellpaletten sowie die Innovationsfreudigkeit der Hersteller verheißen diesem Markt auch für die kommenden Jahre eine glänzende Perspektive. Der Schwerpunkt der Modellpaletten liegt künftig bei Klein-, Mittelklasse- und Universal-Sägen – schwere Fällsägen verlieren volumenmäßig an Bedeutung. Die zunehmende Profitauglichkeit der Akkusägen wird die Modellpaletten in Zukunft dramatisch verändern und die Zuordnung in den Anwendungstableaus neu schreiben lassen.

Hatten die Konstrukteure in früheren Jahren vornehmlich die Forstprofis als Anwender auf dem Tableau, hat sich im Lauf der Zeit und mit der Zunahme leichter, kompakter und mittelstarker Modelle eine neue Benutzerklientel aus Bau- und Baunebenhandwerk, Kommunalbetrieben, Gala-Bau, Dienstleistern jeglicher Couleur, Privatleuten und, und, und … herausgebildet. Deren Zahl war in den vergangenen Jahren stetig im Wachsen, während die Zahl der reinen Forstprofis Federn gelassen hat. Diese Entwicklung wurde nicht zuletzt durch den verstärkten Einsatz von Vollerntemaschinen beeinflusst.

Die Zahl der Modelle schwerer Fällsägen stagniert und seit der generellen Aktualisierung der Konzeptionen im Zusammenhang mit der verschärften europäischen Absatzgesetzgebung ab Anfang 2012 sind neue Versionen nicht mehr in Erscheinung getreten. Die Entwickler-Aktivitäten konzentrieren sich seit einigen Jahren verstärkt auf das untere und mittlere Leistungssegment. Das findet seinen Niederschlag auch in den Neueinführungen im Betrachtungszeitraum seit Herbst 2014. Von den 23 neuen Modellen (16 mit Benzinmotor, drei E-Sägen mit Netzbetrieb und vier Akkusägen) rangieren die meisten im Leistungsbereich bis 2,0 kW. Nur zwei Modelle mit 2,57 bzw. 3,3 kW liegen darüber. Durch die Zunahme der Bedeutung von Modellen mit Akkubetrieb wird die Zusammensetzung der Modellpaletten abermals neu gemischt werden.

Der Markt in Zahlen

Die vor Jahren vollzogene Marktbereinigung hat sich als nachhaltig erwiesen. Am Markt agieren stabil elf Anbieter (durch die Übernahme der Solo Kettensägen-Sparte durch Al-Ko einer weniger als im Jahr davor) mit insgesamt 15 Marken (nach 16 im Jahr davor).

Bei den Absatzzahlen für Benzinmotor-Sägen ist eine Kontinuität zu erkennen. Denn der in MOTORIST 05/2013 dargestellte Wert von 270.000 verkauften Einheiten in 2012 wiederholt sich auf Basis der Umfragerückläufe von den Anbietern punktgleich für die Jahre 2013 und 2014. Getoppt werden diese Zahlen noch durch die Einschätzung der weiteren Marktentwicklung in 2015 und 2016 durch die befragten Anbieter. Denn diese sehen die Entwicklung für beide Jahre konstant (mit einer Abweichung zu fallend in 2016). Ausgeglichener, stabiler und mit besten Aussichten für die Zukunft kann ein Markt gar nicht sein.

Für Elektrosägen liegen von den Anbietern zwar nur vage Zahlen vor, aber immerhin ist aus der Angabe 105.000 verkaufte Einheiten in 2013 und 98.000 in 2014 ein spürbarer, aber nicht unerwarteter Rückgang abzulesen. Denn die Entwicklung der Absatzzahlen bei der aufstrebenden Akkusparte mit 15.000 verkauften Einheiten in 2013 und der Verdoppelung auf 30.000 Einheiten in 2014 geht ganz klar auch zu Lasten der Netzstromgeräte. Die rasante Entwicklung bei den Akkusägen wird sicherlich noch mehr an Fahrt aufnehmen und noch so manche Überraschung bereithalten.

Bei der Betrachtung der Absatzzahlen muss darauf hingewiesen werden, dass an keiner Stelle die Billigaktionen der Discounter und Handelsketten sowie zunehmend der Online-Shops abgebildet sind. Diese Vermarktungsformen betreffen die E-Sägen in höherem Maße als Benzinmotor- und Akkusägen.

Importe aus Fernost

Der Anteil der Importe Importe aus Fernost am Kettensägen-Gesamtmarkt beträgt nach Einschätzung der Anbieter gemittelt in 2014 rund 25 % (bei Einzelnennungen von 15 % bis 30 %). Für 2015 wird ein abermaliger Anstieg auf gemittelt 28 % (bei Einzelnennungen von 15 % bis 40 %) prognostiziert. Die Divergenz in den Nennungen beruht dem Vernehmen nach auf den unterschiedlichen Modellschwerpunkten, mit denen die einzelnen Anbieter am Markt agieren. Je stärker und technisch anspruchsvoller ein Modell ist (Premium- und Profimaschinen), desto geringer ist der Fernost-Importanteil. Im Umkehrschluss ist der Anteil höher, je schwächer und technisch einfacher ein Produkt ist (Einstiegsklasse). Gerade für diese Einstiegsprodukte wurde von einem Anbieter im Einzelnen sogar ein Anteil von bis zu 80 % gesehen. Trotz des prognostizierten Anstiegs ist festzuhalten, dass die Importe seit den Jahren vor dem endgültigen Inkrafttreten der verschärften EU-Abgasvorschriften Anfang 2012, die damals bei rund 35 % gesehen wurden, einen signifikanten Rückgang zu verzeichnen haben. Darin findet offenbar die Tatsache ihren Niederschlag, dass sich das Importangebot jetzt auf die Anbieter reduziert hat, die die aktuell gültigen EU-Abgasvorschriften erfüllen können. Der Markt für qualitativ höherwertige Modelle wird wieder von den Markenanbietern beherrscht, was im Endeffekt zur Marktberuhigung beigetragen hat. Als Fazit hat die aktuell gültige EU-Abgasrichtlinie nicht nur eine signifikante Verbesserung für Mensch und Umwelt bewirkt, sie hat vor allem auch bei den Anbietern die Spreu vom Weizen getrennt.

Strategie-Empfehlung an den Fachhandel

Als Strategie gegen die zunehmenden Billigangebote, die vornehmlich über Baumärkte, Discounter, Handelsketten, Onlineshops etc. vertrieben werden, geben die Anbieter relativ übereinstimmende Empfehlungen: Ganz zu vorderst steht natürlich das bedingungslose Bekenntnis zum Markenprodukt. Gefolgt von ansprechender Präsentation der Qualitätsprodukte, überzeugender Werbung mit Betonung des Kundennutzens durch den Fachhandel, kompetenter Beratung und professionellem Service durch Ausbau des technischen Kompetenzprofils. Logischer weiterer Schritt in dieser Offensive ist das Herausstellen des eigenen Namens als Qualitätsmarke. Gefolgt von kreativer Sortimentsgestaltung (auch preiswerte Einstiegsprodukte der Fachhandelsmarken zum Erreichen des traditionellen Baumarkt-Kunden), einschließlich des Bereichs Zubehör (Kleidung, Kanister, Werkzeuge, Verschleißteile etc.). Zudem konsequente Nutzung von Werbemitteln und Aktionsangeboten der Hersteller. Bis hin zu regionaler und lokaler Werbung (Flyer, Rundfunk, Plakatieren etc.) und zum Anbieten von Testgeräten, mit denen potentiellen Kunden der Zugang zum Produkt eröffnet werden kann.

Die Zusammenarbeit mit Institutionen (Berufsgenossenschaften, Forstämter, Landwirtschaftsämter etc.) u.a. mit Angeboten von Produktdemos und Anwenderkursen kann die Distribution beflügeln und Langzeitbindungen generieren.

EntwicklungsStand und -Ausblick

Die Modellpaletten der Premiumanbieter sind hinsichtlich Motorentechnik, Emissionen, Sicherheitstechnik und Benutzungskomfort insgesamt auf einem hohen technischen Stand. Dennoch ist das kein Freibrief zum Ausruhen. Die Anstrengungen zur Verringerung der Emissionen, zur Erhöhung der Produktsicherheit (die Kettensäge zählt nach wie vor zu den gefährlichen Arbeitsgeräten) und zur Verbesserung des Handhabungskomforts werden nämlich eine Daueraufgabe bleiben.

Ein Entwicklungsaspekt, der zwar noch sehr jung ist, aber für die Zukunft der Benzinmotoren in handgetragenen Arbeitsmaschinen schon jetzt revolutionäre Auswirkungen hat, ist der Einzug der elektronischen Mikroprozessor-Technik in die Zündzeitpunkt-Steuerung und in die Gemischbildungs-Systeme als Gesamtpaket „intelligentes Motormanagement“ (s. auch MOTORIST 6/2011). Nach einer erfolgreich verlaufenen Testphase wird diese Innovation bei den Premiumherstellern Zug um Zug Einzug in viele weitere Modelle halten.

Mit der weiteren Fortentwicklung der Li-Ion-Akkutechnik, einschließlich der Suche nach neuen Speichertechniken, insbesondere mit der weiteren Erhöhung der Energiedichte und der Speicherkapazität wird der Elektroantrieb mit Akkuspeisung in größerem Umfang in Kettensägen zum Einsatz kommen und zumindest die leichten Netzstrom betriebenen E-Sägen verdrängen. Die Integration der Akkus in das Maschinendesign, die Motorleistung (Durchzugskraft) und die Akkureichweite (auch dank rückengetragener Power-Akkupacks) haben inzwischen profitaugliche Werte erreicht. Das führt folgerichtig zu einer Zunahme der Modelle und dem Anwachsen der Zahl der Anbieter.

Motorist und Elektronik

Der zunehmende Einzug elektronischer Regel-, Steuer- und Arbeitskomponenten in die Motorgeräte hat für die Motoristen eine neue Epoche eingeläutet und verlangt den Meistern und ihren Mechanikern radikales Umdenken ab. Auf dem Arbeitsplatz der Mechaniker (künftig wohl vermehrt Mechatroniker) werden künftig Laptop, elektronische Prüf- und Diagnosegeräte sowie Feinmechaniker-Werkzeuge eher zu finden sein als Hammer, Zange und Schraubenschlüssel, die weitgehend in der Schublade bleiben können. Für das Verstehen der elektronischen Baukomponenten sowie der Diagnosegeräte sind entsprechende Schulungen durch die Anbieter erforderlich, die aber gleichzeitig den Kompetenzauftritt der Mitarbeiter verbessern (Krawatte statt Blaumann). Fakt ist, dass es bei solchen Motorgeräten künftig weniger zu schrauben gibt, dafür aber mehr technischen Beratungs- und Erklärungsbedarf gegenüber den Kunden. Als Fazit wird bei den Motoristen ein neues Berufsbild Einzug halten.

Fazit

  • Der Markt für Kettensägen ist seit Jahren auf hohem Niveau stabil wie nie.
  • Die preisempfindlichen Einstiegsprodukte stehen nach wie vor unter dem Druck von Billigimporten aus Fernost.
  • Der Schwerpunkt der Modellpaletten liegt künftig bei Klein-, Mittelklasse- und Universal-Sägen, schwere Fällsägen verlieren an Bedeutung.
  • Der vermehrte Einbau innovativer Funktionskomponenten bewirkt eine scharfe Abgrenzung zu Billig- und Noname-Produkten.
  • Im Focus der Entwicklungsingenieure stehen zunehmend intelligente elektronische Motormanagement-Systeme, die Entwicklung von Akku-gespeisten Elektrosägen sowie die Weiterentwicklung der Stromspeichersysteme.

Hpr

Der vollständige Artikel ist in MOTORIST 5/15 erschienen.

zuletzt editiert am 26. März 2021
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