Handel & Hersteller 2011-07-15T00:00:00Z Motoren: Neue Technologien im Aufwind

Noch dominieren auf unserem Motorgerätemarkt Elektro- und Verbrennungsmotoren. Der Trend zur Umwelt lässt aber Solar- und Akkuprodukte immer mehr Marktanteile gewinnen.

Die Hersteller von Benzinmotoren versuchen mit vielen Innovationen ihre Position zu verteidigen, denn noch gibt es im Einsatz und bei den Kosten Vorteile. Viele Experten favorisieren für unterschiedlichste Anwendungsbereiche klassische Verbrennungsmotoren, auch wenn überall von Elektromotoren oder Akkuantrieben gesprochen wird. Teilweise sehnt man sich die Brennstoffzelle herbei, aber der Benzinmotor wird noch mehr als 20 Jahre den Ton angeben. Aus diesem Grunde wird weiter an der Entwicklung abgasreduzierter und leistungsstarker Motoren gearbeitet. Dabei gilt es nicht nur den Hubraum zu verringern, sondern auch das Gewicht, die Reibungs- und Drosselverluste, oder auch die Einspritzung zu verbessern.

Ausgelöst wurde die Grüne Welle nicht nur durch ein neues Umweltbewusstsein der Verbraucher, sondern auch durch leisere, leistungsstärkere, startfreudigere und damit umweltfreundlichere Motoren, die aus Japan auf den Markt kamen. Die waren zuerst nur auf Komplettgeräten montiert, dann aber später für alle Gerätehersteller verfügbar.

Tecumseh war dann der erste Herausforderer, der versuchte, die Startfreudigkeit mit Primer statt Choke zu verbessern. Fast gleichzeitig wurde vom selben Hersteller der erste europäische OHV-Motor im Markt eingeführt.

Über die Jahre wurden auch die Grenzwerte von Abgasen und Geräuschen deutlich verschärft. Das führte zu Motoren mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung mit all ihren bekannten Vorteilen. Parallel dazu wurde auch das Motorendesign verbessert. Gleichzeitig stieg der Kosten- und Wettbewerbsdruck auf die Hersteller, von denen sich einige aus dem Markt verabschiedeten. In dieser Situation bot China dann sein Fertigungspotential an. Damit begann eine neue Zeit auf dem Motorensektor. Heute kommen komplette Motoren- und Produktreihen westlicher Hersteller aus dem asiatischen Raum. Gleichzeitig haben es die fernöstlichen Hersteller geschafft, sich mit eigenen Markennamen zu etablieren. Ihre Achillesferse bleiben Garantie und Ersatzteilversorgung, ebenso wie ihnen bisher der Zugang zu den Premiumpreissegmenten verschlossen geblieben ist. Ein weiteres Problem für asiatische Hersteller ist und bleiben Plagiate. Dagegen wehren sich die europäischen Hersteller werbewirksam und durchaus mit Erfolg. Mit guter Ersatzteilversorgung und Garantieabwicklung können die westlichen Hersteller punkten. Das über Jahrzehnte hinweg gewachsene Netz von Produzent, Importeur, Großhändler oder Fachhändler funktioniert in Deutschland besonders gut. Dem Fachhandel und den entsprechenden Herstellern kommt auch der Kundentrend zu Qualität und Marke zugute. Auf Händlerebene macht sich das durch den Kundenwunsch nach Qualität, verbunden mit technischen Vorteilen sowie Beratung und Service im Verkaufsgespräch bemerkbar.

E 10 noch problematisch

Trotz verbesserter Batterie-Technologie zeichnet sich eine Verlagerung weg vom Benzinmotor noch nicht ab. Der Trend zu Akku-Antrieben geht eher zu Lasten von Elektromotoren. Trotzdem sind erste Veränderungen bereits sichtbar. Kettensägen, Trimmer, und jetzt auch Aufsitzmäher sind mit Akku-Antrieben ausgerüstet. Der Grund dafür sind u. a. die geringen Geräusch- und Abgasemissionen, die gestiegene Arbeitsleistung pro Batterieladung oder auch die einfache Handhabung. Die Diskussion um umweltverträgliche "grüne" Kraftstoffe macht auch vor den Kleinmotoren nicht halt. Das Superbenzin E 10 (10 % Bio-Ethanolanteil), das gerade eingeführt wurde, vertragen aber so manche Automotoren nicht. Eine entsprechende Aussage über Kleinmotoren gibt es von dieser Stelle nicht. Nach und nach geben aber immer mehr Kleinmotorenhersteller entsprechende Freigaben oder Hinweise zur Verwendung von E 10. Sicherlich werden wir uns erst nach längerer Verwendungszeit selbst ein genaues Bild über eventuell auftretende Schäden machen können.

Seit Jahren ist in der Gartengerätebranche auch die Hybrid-Technologie ein Thema. Briggs & Stratton stellte bereits 1979 dazu eine Studie mit einem Zweizylinder 16 PS-Motor vor leider blieb es dabei. Vielleicht könnte diese Technologie heute bei Transportfahrzeugen für GaLa-Bau, Kommunen oder im Baugewerbe eine Renaissance erleben?

Neuheiten und Verbesserungen

Motorenhersteller haben in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich Verbesserungen an ihren Motoren vorgenommen. Hierüber haben wir im Detail berichtet. Hier die letzten Informationen der Motorenhersteller:

Briggs & Stratton hat für den industriellen Einsatz vier neue Einzylinder-OHV-Motorenmodelle mit horizontaler Abtriebswelle in den Markt eingeführt. Die Vorteile der Motoren in der Vangard-Baureihe sind eine optimierte Luftfilterung und ein Zylinderkopf mit vergrößerten Kühlrippen, eine höhere Standzeit und Leistung sowie ein Sicherheits-Transportschutz.

Für semiprofessionelle Mähgeräte wurde die Motorenpalette um die V-Twin-Motoren der Baureihe 8230/8240 724 cm³ Hubraum mit integriertem, fünfstufigem Zyklonfiltersystem erweitert. Sie verfügen über ein elektronisches Kraftstoff-Management zur Verbesserung der Startqualität, einen verstärkten Zylinderblock, neu entwickelte Vergaser und hochwertige Gleitlager an der Antriebsseite.

Die Motorenreihen PowerBuilt und Intek, speziell für Aufsitzmäher geeignet, erhielten eine optimierte Luftreinigung durch auswechselbare Filterelementeinsätze mit Vorabscheider.

Honda hat vier seiner bekannten Einzylinder-Motorenreihe GX einem Line-Up unterzogen. Das soll schrittweise auch bei allen andern GX-Motoren eingeführt werden. Man kombiniert dabei gesteigerte Leistung und Drehmoment mit verbesserter Verbrauchseffizienz und einem weiter reduzierten Geräusch- und Vibrationsniveau.

Gleichzeitig wurde die iGX-Serie, die mit einem elektronischen STR-Reglersystem zur Stabilität bei Drehzahl-Lastwechsel ausgestattet ist, um die Modelle iGX 240 / 270/ 340 und 390 erweitert.

Bei den vertikalen und horizontalen V-Twin-OHV-Motoren gibt es vier neue Modelle. Sie lösen die Modelle GX / GXV 610 / 620 / 670 ab. V-förmig angeordnete Ventile, ein hemisphärischer Verbrennungsraum und ein variabler Zündzeitpunkt tragen zu einer raschen und effizienten Verbrennung bei. Dadurch konnte auch das Verdichtungsverhältnis von 8,3 auf 9,3 gesteigert, und eine höhere Leistung erzielt werden.

Kawasaki stellt fünf neue Zweitaktermodelle der Serie TJ vor. Sie verfügen über einen Hubraum von 23,3 bis 53,2 cm³ sowie horizontale Abtriebswellen. Die Zweitakter unterschreiten die aktuellen Abgasnormen ohne Verwendung eines Katalysators. Ein spezielles Spülsystem und eine besondere Verbrennungskammer, verbunden mit einer geänderten Zündkerzenposition, mit V-Einkerbung in der Mittelelektrode, führen zu einer Kraftstoffersparnis von 15 %.

Alle anderen Zweiaktmodelle wurden technisch so überarbeitet, dass auch sie alle europäischen Normen erfüllen.

Bei den neuen Viertakt-OHV-Motoren der Baureihe FJ-D mit 2,2 / 4,1 und 5,0 kW Leistung sorgt eine sphärische Verbrennungskammer dafür, dass die weltweiten Abgasnormen deutlich unterschritten werden. Ferner wurden dadurch Leistungssteigerung und Geräuschreduzierung erzielt.

Neu im europäischen Markt ist die Baureihe FX mit 11,9 bis 27,6 kW Leistung und vertikaler Kurbelwelle.

Kohler erweitert mit den luftgekühlten Schrägzylinder-OHV-Motoren der Reihe Command Pro seine Industrie-Motorenpalette für extreme Einsätze. Der serienmäßige VierstufenZyklonfilter Quad-Clean sorgt für erhöhten Motorschutz und lange Standzeiten und mit einem von Kohler entwickelten Zündsystem wird der Kraftstoffverbrauch reduziert.

Robin hat mit der Viertakt-OHV-Zweizylinder-Motorengeneration EH 72 FI einen Generationenwechsel bei seinen Industriemotoren eingeleitet. Durch die Verwendung eines elektronisch gesteuerten Einspritzsystems mit integrierter Kontrolleinheit werden Abgase reduziert, ein ideales Benzin-LuftGemisch erzeugt und das Startverhalten des Motors verbessert. Gleichzeitig wird eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und eine höhere Leistungsabgabe unter Last erzielt.

Bei der neuen horizontalen Einzylinder-OHCMotorenserie EX 35 / 40 wird durch einen optimierten Verbrennungsraum sowie einem eigenen Nockenprofil für Ein- und Auslassventil eine Leistungssteigerung erzielt.

Derzeit ist die semi- und professionelle Subaru-Motorenreihe EA für Gartengeräte nur in den USA am Markt. Sie soll aber voraussichtlich noch in diesem Jahr in Europa eingeführt werden. Zwei Modelle mit 174 und 189 cm³ Hubraum, einem hemisphärischen Verbrennungsraum, obenliegender, kettengesteuerter Nockenwelle sowie speziell angeordnetem Ein- und Auslassventil, sorgen für hohe Laufruhe, geringe Geräusche und niedrige Abgas- und Verbrauchswerte.

Fazit

- Auf dem Kleinmotorensektor hat sich in den letzten 20 Jahren ein enormer technischer und optischer Wandel vollzogen.

- Neue Technologien haben Einzug gehalten und neben dem Umweltschutzaspekt wurde von den Herstellern großer Wert auf Leistung und Bedienerfreundlichkeit gelegt.

- Eine Wachablösung des Benzinmotors durch alternative Antriebe ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar.

zuletzt editiert am 26. März 2021
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