Das Städtchen Cornegliano Laudente liegt im Gebiet von Lodigano, eine Agrargegend südlich von Mailand. Der Hauptort, Lodi, hat fast 50.000 Einwohner und drei wichtige Arbeitgeber: die weltweit bekannte Kosmetiklinie L’Erbolario, die Banca populare di Lodi und – ganz wichtig – der Hauptsitz der Firma Zucchetti, u. a. Hersteller der bekannten Roboter Ambrogio und Wiper. Zucchetti ist ein wichtiger Arbeitgeber in Lodi, beschäftigt er doch weltweit rund 2.800 Personen.
Die Firma Novazzi s.n.c. im besagten Cornegliano verkauft beispielsweise auch die Roboter von Zucchetti, aber nicht nur. Die im Jahre 1998 gegründete Firma, übrigens ein Familienbetrieb, verkauft Pflanzen, Samen, Unkrautvertilger, Blumen, Lebensmittel, Tiernahrung und Accessoires. Mittlerweile ist der Anteil der Gartengeräte auf über 50 % des Gesamtumsatzes gestiegen.
Die Produktvielfalt des Angebotes erklärt sich aus der Firmengeschichte: Zum Zeitpunkt der Firmenübernahme durch die Familie Novazzi wurden vor allem Pflanzen, Unkrautvertilgungsmittel und Tiernahrung verkauft. Erst ab dem Jahre 2000 kamen Motorgeräte hinzu, unter anderem, um die intensive Beratung der Kunden rund um die Pflanzen zu erweitern. Später, im Jahre 2010, wurde noch ein weiterer Betrieb übernommen und zwar in Balbiano, ungefähr 15 km nördlich von Cornegliano. Dieses Geschäft war auf lokale Lebensmittel spezialisiert, wie z. B. den berühmten Carnaroli-Reis, Salami oder Wein aus der Gegend. Auch in diesem zweiten Laden blieb man den Grundprodukten treu, fügte aber ebenfalls Motorgeräte hinzu.
Die Familienmitglieder teilen sich auf beide Firmen auf. So arbeiten im Hauptgeschäft (Cornegliano) die Mutter Lucia, die Söhne Oreste und Luca, während in Balbiano der Vater Gianfranco und der dritte Sohn, Carlo, tätig sind. Ergänzt werden die Familienmitglieder durch vier weitere Angestellte.
Zwei Hauptmarken
Die Firma hat sich im Motorgerätebereich auf die beiden Hauptmarken Honda und Stihl spezialisiert. Der Kundenradius beträgt ungefähr 20 km und der nächste Profihändler ist mehr als 30 km entfernt. „Somit gibt es mit unseren Mitbewerbern keine oder nur marginale Berührungspunkte“, erklärt Oreste. Auch tangieren die Baumärkte, von denen es einige in der Umgebung gibt, nicht wirklich, denn die Kundenbindung zur Firma Novazzi ist groß. „Helfen wir dem Kunden bei der Bekämpfung von Schädlingen, die seine Pflanzen weggefressen haben, haben wir uns ein großes Plus erarbeitet - will heißen, der Kunde kommt gerne zu uns und kauft weitere Produkte“, fährt Oreste fort.
Steigende Roboterzahlen
Was jedoch gut und immer besser verkauft wird, sind die Rasenroboter. Dass die Firma als Hauptmarke Ambrogio führt, liegt nahe: Die Herstellerfirma Zucchetti hat den Hauptsitz im benachbarten Lodi und beschäftigt dort viele Leute. Luca Novazzi hat sich auf diese Roboter spezialisiert und sagt: „Der Roboterverkauf findet nicht an der Ladentheke statt. Viel besser ist es, sich das Gelände im Garten des Kunden anzusehen, um dann das richtige Gerät zu empfehlen. Dann ist das Verlegen der Kabel eine Erfahrungssache, die je nach dem viel Zeit kostet – oder eben Zeit einspart“, erklärt der junge Fachmann.
Der Roboter wird zu einem wichtigen Geschäftsteil, denn im Winter stehen die Revisionen der Geräte an, ein nicht zu unterschätzender Bestandteil des ganzen Robotergeschäftes. Für uns als Honda-Händler ist nun mit dem Miimo auch die zweite Roboterline in den Verkauf gekommen.
Das Wetter und das italienische Steuersystem
Gemäß den Brüdern ist für ihr Geschäft das Wetter der ausschlaggebende Erfolgsfaktor: „Die Wirtschaftskrise in Italien spüren wir eigentlich gar nicht“, sagt Oreste und fährt fort: „viel mehr beeinflusst das Wetter unsere Zahlen!“ So drückte der regnerische Sommer letztes Jahr auf den Umsatz und die auf den Herbst disponierten Maschinen blieben großenteils über Winter am Lager. Bis Anfang Juli 2015 lief nun das Geschäft wieder sehr gut dank der idealen Wetterbedingungen.
Neben schlechtem Wetter, das auf die Geschäftszahlen drücken kann, sind es die Steuern, die den italienischen Unternehmern so sehr Sorgen machen. Luca erklärt es auf seine Art: „Der erste Juli im Jahr ist der erste „steuerfreie Tag“, gibt er schmunzelnd zu verstehen und meint damit, dass im ersten Semester des Jahres nur für die Bezahlung der Steuern gearbeitet wird. Und die italienische Bürokratie ist allgegenwärtig: „Wenn wir eine Reklametafel am Gebäude befestigen, kostet das jedes Jahr eine Taxe“, klagt Oreste.
Basis für die Zukunft
Die Familie Novazzi sieht ihre Zukunft absolut positiv. Die junge Generation steht mit beiden Füßen im Geschäft, spürt den Puls der Kundschaft und reagiert entsprechend. „In Zukunft wollen wir vermehrt nur noch Reparaturen der von uns verkauften Marken ausführen“, informiert Oreste. Das Beschaffen von Ersatzteilen für Maschinen der Großmärkte oder unbekannter Marken ist sehr zeitintensiv und oft kommt schließlich ein falsches Ersatzteil und der ganze Beschaffungsprozess verkompliziert sich weiter. Deshalb will sich die Firma auf ihre Marken spezialisieren und den Kunden damit den bestmöglichen Service bieten. „Erstklassiger Kundenservice zusammen mit starken Marken wie Honda und Stihl ist die Basis für unsere Zukunft“, gibt sich Oreste überzeugt.
Mü
Auszug aus einem Artikel, der in MOTORIST 5/15 erschienen ist.