Die Effizienz des Einsatzes einer Motorsense/eines Freischneiders steht und fällt mit der Werkzeug-Bestückung. Die große Zubehörpalette der Hersteller/Importeure hält für jede Anforderung und für jedes Gerät das passende Schneidwerkzeug bereit und schafft so die Voraussetzung für beste Schnittergebnisse.
Der Motorist als kompetentes Bindeglied zwischen Hersteller und Anwender sorgt für die richtige Auswahl. Was für Motorkettensägen die Sägeketten, sind für Motorsensen, Freischneider und Trimmer die Schneidwerkzeuge. Ohne sie können beide nicht funktionieren. Im Gegensatz zu den Motorsägen, bei denen die Anwendungsfälle relativ klar umrissen sind, gibt es bei diesen Geräten ungleich mehr Einsatzmöglichkeiten. Zur Maximierung der Einsatzeffizienz von Motorsensen und Freischneidern wurden für eine Vielzahl von Anwendungsfällen und für die unterschiedlichen Leistungsklassen der Geräte abgestimmte Schneidwerkzeuge entwickelt. In der Konsequenz halten die Hersteller/Importeure eine breitgefächerte Palette von unterschiedlichen Schneidwerkzeugen bereit. Wichtig zu wissen ist, dass für die Benutzung gleich welcher Art von Schneidwerkzeugen für jede Gerätekonfiguration zwingend eine genau angepasste und abgestimmte Schutzvorrichtung zu benutzen ist. Aus diesem Grund wird das Gros, vorwiegend der Metall-Schneidwerkzeuge, von den Herstellern/Importeuren der Geräte selbst und nur für ihre Modelle angeboten. Für die Verwendung jeglicher Art von Metall-Schneidwerkzeugen gibt es darüber hinaus detaillierte Vorschriften für die Ausrüstung der Geräte mit bestimmten Griffkonfigurationen! Neben den Herstellern/Importeuren, die Schneidwerkzeuge vornehmlich für ihre eigenen Modelle anbieten, haben sich auch Anbieter etabliert, die den Markt "nur" mit Schneidwerkzeugen und Zubehör beschicken. Die Eignung solcher Mähwerkzeuge für bestimmte Gerätemodelle muss in diesem Fall von den Anbietern selbst bestimmt und verantwortet werden.
Einteilung der Schneidwerkzeuge
Zunächst werden Schneidwerkzeuge nach der Art der Anforderung (z.B. Trimmen/Ausputzen, Mähen, Wildwuchs/Gestrüpp beseitigen, Läutern/Freischneiden) grob klassifiziert (s. Kasten rechts). In der Feinklassifizierung werden die Werkzeuge u. a. nach Leistungsklassen der Geräte (= Wirkdurchmesser der Werkzeuge) sowie nach dem geforderten Schnittergebnis (z.B. sauberer Schnitt, Flächenleistung, Zustand des Schnittgutes) gruppiert.
Kleines Physik-Lektion
Jedes Schneidwerkzeug hat einen bestimmten Bedarf an Antriebleistung. Je größer die erzeugte Schnittbreite (= Wirkdurchmesser des Werkzeuges) und/oder je höher die erzielte Schnittleistung, desto höher ist der Bedarf an Antriebsleistung des Gerätes. Die Schnittleistung wird neben dem Durchmesser auch von der Form, der Anzahl und der Größe der Schneiden bestimmt.
Die Schneidwerkzeuge
Im Folgenden sind die wichtigsten und am meisten verbreiteten Schneidwerkzeuge dargestellt. Am Markt ergänzt wird diese Auswahl noch durch Produkte für Nischen- und Spezialanwendungen. Der Fadenkopf ist prädestiniert für die Basisanwendungen Trimmen/Ausputzen und kleine Flächen mähen, was in der Regel mit Trimmern oder leichten Motorsensen ausgeführt wird. Von allen Schneidwerkzeugen hat dieser wohl die meisten Varianten aufzuweisen und hat die auffälligsten Entwicklungen durchlaufen. Als runde Scheibe mit eingezogener zweiendiger Schnur vor mehr als dreißig Jahren gestartet, gibt es Fadenköpfe derzeit in allen möglichen Variationen, überwiegend mit Schnurmagazin: Einfädig, zweifädig, ja sogar vierfädig, manuell nachstellbar, halbautomatisch (Nachstellvorgang wird z.B. durch Auftippen ausgelöst) oder vollautomatisch (Nachstellvorgang wird z.B. durch sich verkürzende Schnurenden ausgelöst). Selbst in den Schnüren stecken viele Entwicklungsdetails. Zur Reduzierung der Lärmemission und zur Erzielung bestimmter Schnittergebnisse haben Schnüre heute besondere Profile (z.B. gerillt, gewendelt), Querschnitte (z.B. oval, quadratisch) und Durchmesser (größerer Durchmesser = höhere Schnittleistung). Fadenköpfe sind auch am anpassungsfähigsten an unterschiedliche Geräte-Leistungsklassen. Durch ein im Schutz angebrachtes Messer werden die Schnurenden automatisch auf die erforderliche Länge (= Schnurkreisdurchmesser) gekürzt. Der Einsatz von Mähköpfen birgt im Allgemeinen ein vergleichsweise geringes Verletzungsrisiko, weshalb an die Geräte nur normale Schutzanforderungen gestellt werden.
Kunststoff-Messerscheiben stellen den Übergang vom Mähkopf zum Metallschneidblatt dar. Sie haben entweder starr angeformte Schneiden unterschiedlicher Anzahl und Geometrie oder auch beweglich angebrachte Kunststoffmesser. Auch diese Werkzeuge werden in der Regel zum Ausputzen oder Mähen kleiner Flächen mit leichten Motorsensen eingesetzt. Beim Berühren empfindlicher Gegenstände und Pflanzen mit dem rotierenden Werkzeug können hier schon Schäden auftreten.
Grasschneideblätter (Metall) sind, je nach Durchmesser, mit mehr oder weniger unterschiedlich geformten Schneiden versehen. Diese Werkzeuge können auf allen Motorsensen, die zum Einsatz von Metallwerkzeugen zugelassen sind (mit bestimmter Griffkonfiguration), zum Mähen selbst von verfilztem Gras eingesetzt werden.
Schlagmesser sind ähnlich den Grasschneideblättern, aber robuster und schwerer.
Dickichtmesser sind meist Hochleistungs-Stahlschneidwerkzeuge mit meistens drei schlank ausgeformten Flügeln und geschärften Flügelenden. Aufgrund der speziellen Geometrie wird damit eine hohe Schnittleistung erzielt. Gleichzeitig birgt der Einsatz dieser Werkzeuge ein hohes Gefahrenrisiko bezüglich weggeschleuderter Gegenstände (Steinschlaggefahr). Das Schnittgut wird relativ glatt abgetrennt und kann in Schwaden abgelegt werden.
Häckselmesser sind zweiflügelige Werkzeuge mit geschliffenen Schneiden, deren Enden 90° abgewinkelt sind. Die Funktionsweise ist ähnlich der des Dickichtmessers mit dem Unterschied, dass das Schneidwerkzeug von oben eingetaucht, dabei das Schnittgut gehäckselt wird und üblicherweise im Areal verbleibt.
Kreissägeblätter existieren hauptsächlich in zwei Grundkonzeptionen: Als Meißelzahn- und als Spitzzahn-Sägeblatt.
Beim Meißelzahnblatt wird die Schneide sanfter ans Holz geführt, die Eindringtiefe begrenzt und der Rückschlag minimiert. Dieser Sicherheitsaspekt geht aber leider zulasten der Schnittleistung. Meißelzahnblätter können wie Sägeketten vor Ort und am Gerät mit einer Feile geschärft werden.
Spitzzahnblätter haben eine Vielzahl messerscharfer Zähne, schneiden aggressiv (mit entsprechender Rückschlagneigung) und ermöglichen eine hohe Schnittleistung. Wirtschaftliches Nachschärfen ist nur maschinell möglich. Für den Einsatz von Sägeblättern wird teilweise auch ein Baum- und Rindenschutz angeboten.
Sonderanforderungen
Mit zunehmender Verbreitung und zunehmenden Anwendungsmöglichkeiten der Motorsensen/Freischneider haben sich auch die Anforderungen sowohl an das Schnittergebnis als auch an die Modalitäten der Anwendung verändert. Die größte Aufmerksamkeit gilt dabei vor allem der Vermeidung sowohl von Schnitt- oder Schlagverletzungen an Kulturpflanzen und Gegenständen als auch in ganz besonderer Weise der Verhinderung von Personen- und Sachschäden (insbesondere an Fahrzeugen) durch aufgewirbelte und/oder weggeschleuderte Gegenstände (Steine, Scherben, Unrat etc.) beim Mähen. Der ersten Kategorie kann durch die Auswahl entsprechender Werkzeuge (Fadenmähköpfe, elastische Messer etc.) oder die Benutzung eines Baum- oder Rindenschutzes weitgehend Genüge getan werden. Die zweite Kategorie hat eine wesentlich größere Tragweite, überhaupt beim Mäheinsatz an öffentlichen Verkehrswegen sowie an öffentlichen Parkanlagen und Plätzen.
Zur Eindämmung der Verletzungs- und Beschädigungsgefahr gibt es unterschiedliche Ansätze (gegenläufige Hubmesser statt rotierendem Messer, weitgehend geschlossene Schutzhaube, extrem langsam laufendes Messer etc.), die aber alle eines gemein haben: Ökonomisch inakzeptabel geringe Schnittleistung. Eine erfolgversprechendere Lösung sind schnell rotierende Schneidwerkzeuge, die aber aufgrund einer speziellen Geometrie berührte Gegenstände nicht direkt anstoßen und beschleunigen (wegschleudern), sondern schräg abweisen, aber dennoch eine befriedigende Schnittleistung erzielen.
Ein Vertreter dieser Schneidwerkzeugkonzeption ist das vierflügelige Messerblatt PowerBlade von Tiger, das die Steinschlaggefahr fast vollständig unterbindet und auch die Rückschlaggefahr signifikant reduziert. Dieses Werkzeug ist in drei Größen verfügbar (37 bis 44 cm) und an Motorsensen ab 22,5 cm³ Hubraum verwendbar. In Verbindung mit einem speziellen Schutz bietet dieses Equipment zusätzlich seitlichen Schutz vor Messerkontakt mit Mauern, Pfosten, Bäumen etc.
Neuheiten bei Schneidwerkzeugen
Husqvarna hat den Mähkopf "F" in den Varianten 35 (für Geräte bis 35 cm³) und 55 (für Geräte bis 55 cm³) auf den Markt gebracht. Dieser Mähkopf zeichnet sich durch besonders einfache Handhabung und geringen Wartungsaufwand aus, ist dafür aber für schweren Einsatz auch in zerklüftetem und steinigem Gelände prädestiniert. Anstelle eines Schnurmagazins werden zwei abgelängte Fadenstücke bis 3,3 mm Durchmesser einfach in den Mähkopf eingeschoben und beim Festziehen des Mähkopfes am Gerät festgeklemmt.
Die Anwender der Geräte, bis hin zum Profi, haben meistens nicht das Wissen und die Erfahrung, für ihr Gerätemodell und für die jeweilige Anwendung das richtige Schneidwerkzeug auszuwählen. Hier liegt die Stärke des Motoristen, mit seiner Sachkompetenz in einem Beratungsgespräch das optimale Schneidwerkzeug und, wenn erforderlich, die vorgeschriebene Schutzvorrichtung auszuwählen und anzubieten. Im Ergebnis kann das dem Kunden helfen, das Verletzungs- und Beschädigungsrisiko zu minimieren sowie Zeit und Geld zu sparen. Selbst die Entscheidung für eine teurere Lösung kann im Endeffekt für den Kunden die kostengünstigere sein.
Zum Beispiel können mit entsprechenden Aktionen und Angeboten für die Hauptanwendungen zur jeweiligen Saison Aufmerksamkeit, Interesse und Bedarf der Zielgruppe gesteigert werden, was letztendlich für beide Parteien von hohem Nutzen sein kann.