Unternehmensführung 2015-10-21T00:00:00Z Real Digital (11) - Azubis und Mitarbeiter im Internet anwerben

Tausende Lehrstellen bleiben auch dieses Jahr unbesetzt, die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge im Handwerk sinkt von Jahr zu Jahr. Auch bei Motoristen und Landmaschinenhändlern wird die Klage über den Fachkräftemangel immer lauter.

Von einem Tief der Ausbildungszahlen Mitte der 1990er von knapp über 5.000 Azubis konnte eine langsame aber stetige Zunahme auf heute knapp über 8.000 vom LandBauTechnik Bundesverband e.V. festgehalten werden.

Die Ausbildungsinhalte und -strukturen wurden in den letzten Jahrzehnten stark verändert und haben zu einer Stabilisierung und wieder zu wachsenden Ausbildungszahlen geführt. Viele Betriebe in der Branche sind allerdings nicht als Ausbildungsbetriebe anerkannt - und tun sich schwer, anerkannt zu werden.

Der Wettbewerb ist noch weitaus intensiver in Richtung Industrie, aber auch zum kommunalen und privaten Bereich, die nicht immer nur höhere Gehälter sondern auch höhere Sicherheit und Planbarkeit im Berufsalltag bieten.

Mitarbeiter halten und gewinnen

Über die Anzahl an Gesellen und Meistern bei Motoristen und Landmaschinenhändlern gibt es keine validen Daten. Insbesondere fehlen Informationen über die Abwanderungen aus der Branche in andere. Und dies, obwohl genau hier die eigentliche Herausforderung liegt.

Während etwa im Handwerk die Ausbildungsabbruchquote bei 14,2 % liegt, liegt sie bei Land- und Baumaschinenmechatronikern nur bei 5 %! Das ist hervorragend, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der fertig ausgebildete Geselle oftmals nur schwer im Betrieb gehalten werden kann.

Arbeitgeberattraktivität online

Neben dem Gehalt gibt es eine Vielzahl von weichen und durchaus harten Faktoren, welche die Arbeitgeberattraktivität definieren und die in zweierlei Hinsicht relevant sind: 1. dem Halten, Pflegen, sogar Entwickeln als auch 2. der Anwerbung neuer Mitarbeiter.

Wer Azubis und Mitarbeiter im Internet anwerben möchte, findet hier optimale Hebel, um die eigene Attraktivität als Arbeitgeber öffentlich zu demonstrieren, aber auch immer wieder bei den eigenen Mitarbeitern in Erinnerung zu rufen - und diese sogar in den Mittelpunkt zu rücken.

Die eigene Website

Wer Ausbildungsbetrieb ist und generell Mitarbeiter sucht, sollte dies auf der eigenen Website klar und deutlich kommunizieren. Und zwar: permanent und nicht erst bei akutem Bedarf!

Google und andere Suchmaschinen benötigen Kontinuität: Es geht also zuallererst nicht um konkrete freie Stellen, sondern darum, sich selbst als interessanten Arbeitgeber zu präsentieren - und auch Initiativbewerbungen hervorzurufen.

Mindestens eine Seite sollte das eigene Unternehmen aus dem Blickwinkel von Auszubildenden samt dem konkreten Ausbildungsweg und Anforderungen beschreiben und den Ansprechpartner benennen. Äußerst hilfreich ist dabei, eigene Auszubildende zu Wort kommen zu lassen. Daneben sollte mindestens eine weitere Seite konkret auf Gesellen und Meister zielen und wiederum aus deren Blickwinkel das Unternehmen, Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven aufzeigen. Auch hier sollten eigene Mitarbeiter zu Wort kommen, die das Betriebsklima und ihre persönliche berufliche Entwicklung beschreiben.

Fortan wird das eigene Unternehmen bei der Onlinesuche insbesondere lokal und regional gefunden - und erst jetzt kommen die akuten Stellenanzeigen für Positionen, die ganz konkret und zeitnah besetzt werden sollen. Diese konkretisieren aber letztendlich nur das grundsätzliche Angebot, das immer verfügbar sein sollte.

Die eigene Facebookseite

Viele Motoristen betreiben heute eine eigene Facebookseite. Hier kann das Unternehmen bewertet werden - auch von den eigenen Mitarbeitern. Letzteres ist allerdings nur dann wirklich hilfreich, wenn diese ihre Bewertung im Hinblick auf das Unternehmen als Arbeitgeber abgeben, also entsprechend im Text rezensieren und nicht nur “Sternchen verteilen”, denn das kann schnell wie Eigenlob wirken.

Daneben kann über Facebook ganz gezielt und immer wieder auf die Ausbildungsmöglichkeit verwiesen werden - inklusive Link zu den entsprechenden Informationen auf der eigenen Website.

Vermutlich werden zwar nur wenige Jugendliche die Facebookseite eines Motoristen selbst abonniert haben - deren Eltern oder andere Familienangehörige aber sehr wohl. Und diese können die Informationen direkt auf Facebook oder zu Hause leicht weiterverbreiten.

Eigene Mitarbeiter und deren berufliche Entwicklung, etwa neue Qualifikationen, sollten nicht nur im Hinblick auf Kunden und Interessenten in den Mittelpunkt gerückt werden: im Hinblick auf potentielle neue Mitarbeiter ist diese Onlinewertschätzung ein spannendes Indiz für Bewerber und eine fortlaufende Erinnerung daran, dass man nicht nur Dienstleister sondern auch Arbeitgeber in der Region ist.

Wir haben es schon häufig geschrieben und wollen es an dieser Stelle noch einmal hervorheben: die eigenen Mitarbeiter in die Onlineaktivitäten des Unternehmens von vorne bis hinten einzubinden, ist keine Kür sondern Pflicht!

Das eigene Unternehmen auf Xing

Xing erlaubt das Anlegen von spezifischen Unternehmensseiten. Diese Möglichkeit wird innerhalb der Branche bisher fast gar nicht genutzt. Neben dem eigenen, persönlichen Profil, kann diese Seite gezielt darauf optimiert werden, das Unternehmen als Arbeitgeber vorzustellen. Die Informationen sollten spiegelbildlich zur eigenen Website aufgebaut sein - und natürlich auf diese verweisen.

Die eigenen Mitarbeiter mit eigenem Xingprofil sind darüber sofort auffindbar - und können und sollten auch hier eine Bewertung ihres Arbeitgebers vornehmen, um bei potentiellen Bewerbern Vertrauen zu schaffen.

Jobportale

Mit diesen drei Schritten ist die generelle Präsenz als attraktiver Arbeitgeber im Internet grundsätzlich hergestellt. Attraktiv wird diese insbesondere dann, wenn alle Besonderheiten und Chancen im Unternehmen klar kommuniziert werden und, viel wichtiger: von den eigenen Mitarbeitern bestätigt wurden.

Von der Bundesagentur für Arbeit über die tausenden regionalen Stellenbörsen bis zu den großen Jobportalen wie Jobscout, Stepstone, Jobware oder Monster, bieten eine Vielzahl von Onlinediensten verschiedenste Möglichkeiten, Stellenanzeigen zu schalten - und häufig erneut das eigene Unternehmen generell als Arbeitgeber vorzustellen.

Diese Dienste werden heute fast ausschließlich von Branchenfremden genutzt, die gezielt nach Landmaschinenmechanikern oder Landmaschinenmechatronikern suchen, allerdings durchaus andersartige Stellen offerieren. Hier sichtbar zu werden, ist bei akutem Bedarf sicherlich eine sehr gute Idee.

Viel wichtiger ist aber die kontinuierliche Arbeit im Betrieb - und die ebenso kontinuierliche Kommunikation der eigenen Stärken und insbesondere der Wertschätzung der Mitarbeiter.

Diese sorgt für ein klares Bild, fördert die Bindung intern und für Initiativbewerbungen von außen. Die Frage, ob und wenn wer bei Ihnen gesucht wird, sollte sich niemand in der eigenen Region stellen müssen - sondern jederzeit online auf der eigenen Website nachlesen können.

G. Eicker

Der komplette Beitrag ist in MOTORIST 5/15 erschienen.

zuletzt editiert am 26. März 2021
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