War vor einigen Jahren ein Roboter-Rasenmäher noch etwas für Elektronik-Freaks und Hobby-Bastler, so hat sich inzwischen das Bild drastisch gewandelt: Von einem eher belächelten Spielzeug für spleenige Rasenbesitzer sind diese Mäher zu ernst zu nehmenden Arbeitsgeräten geworden.
Der Marktanteil ist zwar noch klein, aber die Verkaufszahlen weisen jährlich hohe Zuwächse auf. Und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass in naher Zukunft noch mehr Anbieter versuchen werden, sich ein Stück von diesem attraktiven Produktsegment zu sichern.
Der Begriff des "Robotermähers" deckt ein sehr weites Feld ab. Die Palette reicht von Mähern, die über die Saison nahezu ohne jedes Zutun des Gartenbesitzers ihre Arbeit verrichten, bis hin zu Geräten, bei denen sowohl das Mähen als auch der Ladevorgang manuell gestartet werden müssen. Wir betrachten hier ausschließlich Geräte mit Akku-Betrieb; automatische Mäher mit Benzinmotoren bleiben außen vor. Was sind die Motive für den Kauf eines Automatik-Mähers?
Im Wesentlichen sind es drei Gründe, die einen Rasenbesitzer zum Roboter führen können:
Das Interesse am Neuen, am elektronischen Fortschritt, zeigen, dass man up to date ist.
Der Garten ist mein Reich, wo kein Fremder ran darf. Er muss immer gepflegt aussehen, auch nach meinem Urlaub oder langem Regen.
Der Rasen ist meine Nutz- oder Zierfläche, die ich tagsüber brauche. Ich will meine Zeit nicht mit Mähen vertrödeln; der Mäher kann auch nachts arbeiten.
Interessantes tut sich oft nach einem Kauf auf: Der Roboter erhält einen Namen und erfährt eine Zuneigung fast wie ein Haustier. Er wird bei passenden Gelegenheiten gerne den ungläubigen Gästen vorgeführt. Dazu ist es hilfreich, wenn der stolze Besitzer einfach aus dem üblichen Mähprogramm in ein Demo-Programm schalten kann und so zu jeder beliebigen Zeit den Mäher fahren lassen kann.
Der Markt für automatische Mäher
Unsere Zahlenbasis hierzu ist nicht sehr fundiert, denn nur drei Hersteller/Importeure haben auf unsere entsprechenden Fragen geantwortet. Demnach wird sowohl für 2010 und auch überwiegend für 2011 mit einem wachsenden Markt gerechnet. Auch über das aktuelle Marktvolumen in Deutschland liegen uns keine belastbaren Zahlen vor. Die zwei Zahlen, die wir aus unseren Abfragen nennen können, lauteten 6.000 bzw. 50.000 verkaufte Robotermäher im letzten Jahr! Also eine enorme Bandbreite. Nach Rücksprache mit Marktkennern tendieren wir aber eindeutig in Richtung auf die Zahl von 50.000 verkauften Geräten alleine in Deutschland.
Automatikmäher werden zum überwiegenden Teil (die Angaben schwanken zwischen 60 und 90 %) im Fachhandel gekauft. Die zukünftige Entwicklung der Vertriebskanäle wird aber extrem unterschiedlich gesehen: Während ein Anbieter den Motoristen als klaren Verlierer sieht, erwartet ein anderer gerade dort den größten Zuwachs (wegen der dort vorhandenen Unterstützung in Richtung Beratung, Installation, Inbetriebnahme usw.).
Einig ist man sich darüber, dass die angebotenen Schulungen für die Händler sehr wichtig sind, denn für die Zukunft wird ein starker Zuwachs in diesem Gerätesegment erwartet. Dieser Anstieg wird damit begründet, dass die neuen Techniken dem Rasenbesitzer mehr und mehr vertraut werden und zusätzlich die Preise sinken werden.
Etwas zur Technik der Mäher
Wie findet sich der Roboter auf der Rasenfläche zurecht?
Alle Automatikmäher bewegen sich derzeit noch "chaotisch" auf der zu mähenden Fläche. Das bedeutet, dass innerhalb einer äußeren Begrenzung das kann ein Steuerkabel sein oder ein mittels Sensoren erkannter Übergang von Rasen auf etwas anderes sich der Mäher zufällig bewegt. Er fährt also auch über bereits gemähte Bereiche! Eine Steuerung über GPS, wie in der Landwirtschaft mittlerweile eingeführt, ist derzeit noch Zukunftsmusik.
Wird eine Begrenzungsschleife gefordert, so muss ein isolierter Draht im Garten verlegt werden. Alle zu mähenden und eventuell zu überfahrenden Flächen sind darin eingeschlossen. Beete, Teiche und andere "Hindernisse" werden jedoch ausgeklammert. Bei der Vorliebe vieler Gartenbesitzer, die Rasenfläche mit möglichst viel schmückendem Beiwerk "aufzulockern", kann das Planen der Schleife eine große Herausforderung selbst an den versierten Fachmann sein. Bei Geräten mit automatischer Graserkennung wird über Sensoren registriert, wenn der Mäher sich vom Rasen weg auf einen anderen Untergrund bewegt. Das Verlegen einer Schleife entfällt.
Alle hier besprochenen Mäher arbeiten mit Akkus, entweder mit Blei-Säure (oder -Gel) oder mit NiMH (Nickel-Metallhydrid). Hohes Gewicht bei günstigen Kosten (Blei-Säure) steht einer höheren Anzahl von Ladezyklen und aufwendigerer Ladetechnik gegenüber (NiMH). Wie bei vielen Geräten insbesondere bei elektronischen neigen viele Anbieter dazu, nicht nur das einzubauen, was zwingend erforderlich ist, sondern das, was technisch möglich ist. Nicht alle Verbraucher sind davon begeistert!
Wenn ein Regensensor dazu führen könnte, dass bei Dauerregen der Rasen ungehindert wächst, dann ist ein Gerät ohne Regensensor vorteilhafter. Elektrische Schnitthöhenverstellung ist toll, aber wie oft braucht man sie? Und die Störungsmeldung direkt auf das eigene Handy ist auch nur was für Spezialisten.Was will der Kunde?
Bei der Überlegung zur Anschaffung eines Robotermähers muss sich der interessierte Garten-/Rasenbesitzer die Frage stellen: Wie viel "Automatik" will ich haben (und bin bereit diese zu bezahlen?) und welche Lösungen lässt mein Garten zu? Beginnen wir mit den Robotern, die vollautomatisch arbeiten und so die höchste Komfortstufe bieten.
Voraussetzungen für den Einsatz derartiger Mäher sind:
Die zu mähende Fläche ist zusammenhängend. Das bedeutet, dass, falls es sich um mehrere Rasenstücke handelt, diese über Wege verbunden sind, die nicht notwendigerweise mit Rasen bewachsen sein müssen. Feste, ebene Untergründe wie Platten, Beton oder glattes Pflaster sind befahrbar. Treppenstufen sind allerdings ein K.o.-Kriterium!
eine nicht zu große Neigung der zu mähenden Fläche. Sie darf ein gewisses Maß nicht überschreiten, denn die meisten Automatikmäher erreichen bei etwa 20° (entspricht etwa 35 %) Gefälle/Steigung die Grenze ihrer Einsetzbarkeit.
eine 230-V-Steckdose in der Nähe der Rasenfläche.
Sind diese Voraussetzungen gegeben, steht einem Einsatz eines vollautomatischen Mähroboters nichts im Wege! Und auch die Kostenfrage muss nicht immer zum Nachteil des Roboters ausgehen: steht bei einer größeren Fläche als Alternative ein Rasentraktor zur Debatte, kann der Automatikmäher kostengünstiger sein (vorausgesetzt, er muss nicht auch noch Schnee räumen und Einfahrten kehren).
Grundsätzlich verlangen die vollautomatischen Mäher einen gewissen Aufwand an Installation, denn es muss eine selbsttätig zu erreichende Ladestation aufgestellt werden. Zusätzlich ist in der Regel eine Drahtschleife um die zu bearbeitende Fläche zu legen und der Mäher muss programmiert werden. Das kann ein engagierter Kunde möglicherweise selbst vornehmen. Diese Dienstleistung sollte aber auf jeden Fall auch vom Fachhändler angeboten werden. Da der leere Akku selbsttätig wieder aufgeladen wird, ist bei dieser Art von Mäher die maximale Mähfläche nicht primär durch die Batteriekapazität bestimmt, sondern durch die Kombination aus Lade- und Entladezeit. Wird, wie bei einem Modell, der Akku zusätzlich über ein integriertes Solarpaneel geladen, sind je nach Lichteinfall längere Laufzeiten möglich. Vom Komfort her eine Stufe niedriger angesiedelt sind die Robotermäher, bei denen entweder der Mähvorgang oder das Laden des Akkus manuell gestartet werden muss. Hierbei wird zwar die eigentliche Mäharbeit ohne Zutun des Besitzers ausgeführt, jedoch muss er zwingend präsent sein, um einen dauerhaft gepflegten Rasen zu haben. Dem potentiellen Kunden muss das deutlich gemacht werden, denn alle angebotenen Mäher arbeiten nach dem Mulchprinzip. D. h., der Rasen muss so (oft) geschnitten werden, dass das Mähgut im übrigen Rasen verschwindet. Nur so entsteht ein Rasenbild, das im Grunde genommen über das ganze Jahr gleich (gepflegt) aussieht. Wird das vom Kunden so gewünscht, dann muss in der Wachstumsphase alle zwei bis drei Tage gemäht werden. Gut ist es, wenn das Mähprogramm vom Kunden einfach umgestellt werden kann, um in Trockenzeiten mit reduziertem Wachstum die Mäh-Häufigkeit zu reduzieren. Die Notwendigkeit des häufigen Mähens muss vor allem den Kunden klargemacht werden, die über halbautomatische Systeme nachdenken oder mehrere Flächen mit einem Gerät schneiden wollen. Es ist ein grundsätzlich anderer Pflegerhythmus als bei einem handgeführten Rasenmäher oder Rasentraktor erforderlich! Häufig wird die Frage gestellt, wie sich ein Automatikmäher auf Unkraut oder Moos auswirkt. Die Antwort: Beides wird durch einen Mähroboter nicht mehr, aber auch nicht weniger! Denn auf Bodenbeschaffenheit, Beschattung oder Sameneintrag von außerhalb hat der Roboter keinen Einfluss. Wird vom Besitzer verlangt, dass der Rasen auch zukünftig vertikutiert werden soll, muss dies beim Verlegen von Steuerschleifen beachtet werden (Tiefe der Kabel!).
Wie sollte man sich rüsten?
Rasenroboter müssen gezeigt und vorgeführt werden! Da das beim Kunden vor Ort wegen der oft notwendigen Installation schwer möglich ist, muss am Geschäft ein Automatikmäher laufen. Obwohl die Technik ja nun schon einige Jahre auf dem Markt ist, sind die meisten Rasenbesitzer total überrascht, wenn sie so ein Gerät im Einsatz sehen. Das oft ungläubige Staunen lässt sich ideal für ein grundsätzliches Gespräch über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten nutzen. Im zweiten Schritt sollte unbedingt ein Termin vor Ort angeboten werden.
Es kommt dann auf die fachliche Qualifikation und Erfahrung des Händlers an, denn mit der richtigen Abschätzung und guter Beratung sind auch Gärten für automatische Mäher geeignet, von denen man es auf den ersten Blick nicht erwartet.
Die aktuellen Geräte
Hier nun die Robotermäher, die aktuell (oder demnächst) angeboten werden:
Al-Ko stellte auf der letzten gafa in Köln einen Prototyp eines Robotermähers aus, der vollautomatisch bis zu 1.000 m² schneiden kann. Die Steigfähigkeit soll bei 20 % liegen. Über den Zeitpunkt der Markteinführung liegen noch keine Angaben vor. Ga-Fo-Tec importiert Mäher von Zucchetti aus Italien. Die beiden Modellreihen Ambrogio und Wiper unterscheiden sich nur durch die Farbgebung. Die beiden halbautomatischen Mäher sind für Flächen bis 400 m² geeignet, vier automatische Geräte für 800 bis maximal 4.000 m² Größe. Drei weitere Modelle sind für 2011 angekündigt, wobei das größte Modell Flächen bis zu 10.000 m² bearbeiten kann. Alle Mäher sind mit Lithium-Ionen-Akku ausgestattet und die Steigfähigkeit wird mit etwa 50 % angegeben. GGP wird in seiner Marke Stiga im Sommer 2011 einen vollautomatischen Mäher einführen, der bis 2.000 m² große Rasenflächen pflegen kann. Er wird einen Lithium-Ionen-Akku haben und als Besonderheit eine elektrische Schnitthöheneinstellung. Über die Steigfähigkeit liegen noch keine Angaben vor. Husqvarna hat seine Automower-Palette mittlerweile auf fünf Modelle aufgestockt, die bis auf die Ausnahme 210 C, (Halbautomat, maximal 500 m² Rasenfläche) alle vollautomatisch arbeiten. Sie verfügen über NiMH-Akkus und je nach Ausstattung sind die Mäher für 1.800 bis 5.500 m² große Rasenflächen geeignet. Bis zu drei verschiedene Mähprogramme sind möglich.
Einen Sonderfall stellt der Solar-Hybrid dar. Zusätzlich zur Ladestation, die selbsttätig angefahren wird, wird der Akku über ein integriertes Solarpaneel geladen, womit sich die Laufzeiten bei entsprechender Witterung deutlich verlängern. Die Steigfähigkeit aller Modelle beträgt 35 %. Auch John Deere und seine Marke Sabo wollen zukünftig automatische Mäher für den Hausgebrauch produzieren. Geplant ist eine Familie von vollautomatischen Geräten, die unter beiden Marken in Europa vertrieben werden. Das Werk in Gummersbach wird die Produktion übernehmen ebenso wie die weitere technische Entwicklung. Gerade laufen die Vorbereitungen für eine Pilotserie für das Jahr 2011, der Serienbau ist für das dann folgende Jahr geplant. Rumsauer importiert sechs Robomow-Mäher, alle mit Blei-Akkus ausgerüstet. Die drei halbautomatischen Modelle sind für Flächen bis 250, 600 und 1.000 m² ausgelegt; die übrigen vollautomatischen für 400 und 2.000 m² große Rasenflächen. Die maximale Steigfähigkeit beträgt je nach Modell 15 oder 18 %. Das größte Modell RL 2000 mit 53 cm Schnittbreite verfügt über zwei Mähprogramme. Stihl bietet in seiner Marke Viking zwei vollautomatische Robotermäher an, die für Flächen bis 400 und 2.000 m² geeignet sind. Die Mäher sind mit Blei-Akkus ausgestattet und weisen Steigfähigkeiten von 18 % beim kleineren (Schnittbreite 20 cm) und 15 % beim größeren Modell (Schnittbreite 53 cm) auf.
Telsnig vertreibt unter Herkules Robotermäher mit Allrad-Antrieb. Mit Lithium-Ionen-Akkus arbeiten sie halbautomatisch auf Flächen bis zu 700 m² und sind für Hänge bis 58 % Steigung geeignet. Eines der beiden Modelle ist mit einer Fernbedienung für manuelle Steuerung ausgestattet.
Fazit:
- Nicht nur die gestiegene Zahl der Anbieter belegt, dass sich im Marktsegment "Robotermäher" gewaltig was tut!
- Die Vielzahl neuer Modelle und neue Anbieter werden den Markt in Bewegung halten.
- Mittelfristig hat die Breite des Angebotes sicherlich Auswirkungen auf die Preise!
- Der Robotermäher wird sicher noch eine Zeit lang ein Produkt bleiben, das beratungsintensiv und fachlich anspruchsvoll ist.
- Und darauf sollte sich ein engagierter Fachhändler einstellen, sei es durch Demo am Geschäft oder Beratung vor Ort.
- Aber: Anders als beim herkömmlichen Rasenmäher sind hier weniger Ölwechsel und Zündkerzen gefragt als Laptop und Grundkenntnisse im Programmaufbau.
- Wer gewillt ist, sich darauf einzulassen, beschäftigt sich mit einem zukunftsweisenden Produkt, mit einer interessanten (oft auch anspruchsvollen Kundschaft und (noch) guten Margen!