Im Rahmen der jährlichen Bilanz-Pressekonferenz hat Stihl am Mittwoch in Waiblingen die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2025 und des ersten Quartals 2026 sowie die regionale Marktentwicklung und Perspektiven für 2026 vorgestellt. Oberste Prämisse bleibt die doppelte Technologieführerschaft.
„Externe Schocks“ wie Handelskonflikte und geopolitische Krisen sowie eine daraus resultierende schwache Konjunktur und Konsumneigung gepaart mit negativen Wechselkurseffekte kennzeichneten das wirtschaftliche Umfeld für Stihl im vergangenen Geschäftsjahr. So jedenfalls skizzierte es Vorstandsvorsitzender Michael Traub anlässlich der diesjährigen Bilanz-Pressekonferenz am 20. Mai in Waiblingen, die zugleich in das 100-jährige Jubiläumsjahr des Familienunternehmens fiel. Knapp 91 Prozent ihrer Erlöse erwirtschaftet die Stihl Gruppe aktuell im Ausland und vor allem das Geschäft im für Stihl wichtigsten Einzelmarkt USA litt 2025 unter zollpolitischen Restriktionen. Dennoch konnte die Stihl Gruppe ihren Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 5,48 Milliarden Euro steigern. Dies entspricht nicht nur einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber 2024, wo der Umsatz noch bei 5,33 Milliarden Euro lag. Vielmehr wurde nahezu das Niveau des Rekordjahres 2022 erreicht (5,49 Milliarden Euro). Für Michael Traub ein klares Signal, dass Stihl solide aufgestellt bleibt: „Wir entwickeln Stihl aus einer Position der Stärke heraus konsequent weiter. Auch wenn das Umfeld unsicher ist, handeln wir vorausschauend: Wir forcieren weiter die Transformation hin zur Akku-Technologie und investieren in unseren weltweiten Fertigungs- und Vertriebsverbund“, erklärte dieser.
Globale Marktentwicklung
Insbesondere in Europa scheint sich der Kurs hin zur Akkutechnologie auszuzahlen. Das Geschäft in Westeuropa entwickelte sich 2025 demnach positiv. Trotz eines schwächer werdenden Marktumfelds und stellenweise sehr trockenen und heißen Frühsommer- und Sommermonate konnte Stihl beim Marktanteil insgesamt zulegen, im Akku-Geschäft sogar überdurchschnittlich. Hier wurden zweistellige Wachstumsraten, teils über 20 Prozent, erreicht. Auch in Osteuropa gewann Stihl bei Absatz und Umsatz von Akku-Geräten in allen Hauptmärkten spürbar zu. Der Absatzanteil im Akku-Segment bewegte sich hier bereits deutlich über 20 Prozent. In Nordamerika als dem mit einem Umsatzanteil von rund einem Drittel größten Einzelmarkt der Stihl Gruppe blieb der Umsatz insgesamt leicht über Vorjahresniveau. Lateinamerika legte kumuliert deutlich zu, wenngleich sich regionale Unterschiede zeigten. China und Indien als die beiden größten Einzelmärkte in Asien entwickelten sich 2025 ebenfalls positiv. Die am dynamischsten wachsende Region für die Stihl Gruppe war 2025 Afrika/Naher Osten, wenngleich auf noch niedrigem Niveau. Als einzige Region bei Absatz und Umsatz im Minus lag Ozeanien, wobei auch hier beide Werte bei Akku-Geräten gegenüber dem Vorjahr zulegten.
Akku-Transformation
Die Transformation hin zu Akku-Produkten bleibt für Stihl denn auch der entscheidende Strategiebaustein. 2025 machten diese 27 Prozent des weltweiten Stihl Absatzes aus, nach 25 Prozent im Vorjahr. In Westeuropa sind bereits rund zwei Drittel der verkauften Produkte akkubetrieben – mit steigender Tendenz. Andere Regionen entwickeln sich zwar noch uneinheitlich. Dennoch hält Stihl an seinem Ziel fest, dass bis 2025 schon 80 Prozent aller verkauften Produkte batteriebetrieben sein sollen. Ein „gewaltiger Anspruch“, wie Traub einräumt, doch ist er überzeugt, dass dies mit fortschreitender Entwicklung in neue Leistungsklassen zu erreichen ist. Und hier möchte Stihl definitiv in der oberen Liga mitspielen. „Unser Anspruch ist und bleibt die doppelte Technologieführerschaft. Wir wollen die Spitzenposition, die wir seit Jahrzehnten beim Verbrenner innehaben, auch beim Akku einnehmen“, unterstrich der Stihl Vorstandsvorsitzende in Waiblingen.
Doppelte Technologieführerschaft
Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe Stihl mehrere Meilensteine auf diesem Weg erreicht. Im rumänischen Oradea wurde im Oktober das erste Werk der Gruppe eingeweiht, das ausschließlich der Produktion von Akku-Packs und -Geräten dient. Es wird als europäisches Kompetenzzentrum für die Produktion von Akku-Geräten fungieren. „So stärken wir unsere Position in diesem Wachstumssegment“, sagt Traub über die 125-Millionen-EuroInvestition. Das neue Werk spiele eine Schlüsselrolle dabei, die steigende Akku-Nachfrage auf dem europäischen Markt zu bedienen und untermauere den strategischen Anspruch von Stihl. Am Stammsitz Waiblingen wurde mit dem Beginn der Eigenfertigung von EC-Motoren, die bislang von Zulieferern bezogen wurden, ein weiterer wichtiger Schritt getan. Dabei wolle man die Verbrenner-Technik nicht vernachlässigen und seine Spitzenposition auch hier behaupten wie zuletzt mit der Stihl MS 300.
Weitere Investitionen
Auch darüber hinaus hat Stihl 2025 zukunftsorientiert investiert. Im Fokus stand die Erweiterung räumlicher Kapazitäten und der Ausbau internationaler Standorte. Insgesamt investierte die Unternehmensgruppe 335,7 Millionen Euro (Vorjahr: 349,4 Millionen Euro). Mit rund 175 Millionen Euro entfielen davon mehr als die Hälfte auf das deutsche Stammhaus. Der Großteil floss in den Erwerb eines zusätzlichen Firmenareals in Waiblingen. Dort wird Stihl mittelfristig Unternehmenseinheiten zusammenführen, die bislang über die Region verteilt sind. Ziel ist, effizientere Strukturen zu schaffen und Synergien zu heben. Am brasilianischen Standort in São Leopoldo ging zudem eine neue Montagelinie in Betrieb, die die Kapazitäten und die Flexibilität des Werks deutlich erhöhen wird.
Stammhaus
Das deutsche Stammhaus mit acht Standorten erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 1,85 Milliarden Euro, nach 1,63 Milliarden Euro in 2024. Das Plus von mehr als 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Stihl hat zum Jahreswechsel 2025/26 auf ein neues System zur Unternehmenssteuerung umgestellt und entsprechend Produktion im Stammhaus vorgezogen. Für das Geschäftsjahr 2026 ist daher ein gegenläufiger Effekt zu erwarten. Zum 31. Dezember 2025 waren am Stammhaus 5.831 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt (2024: 6.064).
Robotik
Der zahlenmäßige Abbau geht auch auf die Verlagerung der Roboter-Entwicklung und Fertigung im vergangenen Jahr nach China zurück. Derzeit baut Stihl dort in Suzhou ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum für diese Sparte auf. „Wir sind wild entschlossen, in diesem Markt sichtbar zu bleiben und langfristig eine führende Rolle zu spielen – auch das ist Transformation“, untermauerte Traub den Anspruch dahinter. Demnach werde man sich zwar den „China Speed“ hinsichtlich technologischer Fortschritte direkt vor Ort zunutze machen. „Die Produkt-Architektur haben wir jedoch komplett selbst in der Hand“, versprach Holger Lochmann, der in seiner Funktion als Vorstand Entwicklung erstmals auf dem Podium saß, auf Nachfrage von Motorist. Die Frage, ob schon zur kommenden Saison mit neuen Geräten zu rechnen sei, blieb unbeantwortet, jedoch kann man sich offensichtlich vorstellen, interimsmäßig Kooperationen einzugehen – wozu es im Markt ja bereits hinlängliche Spekulationen gibt.
Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr plant Stihl nach einem wirtschaftlich eher verhaltenen Start zurückhaltend und peilt an, das Umsatzniveau zu halten. „Das mag auf den ersten Blick wenig ambitioniert klingen“, so Traub. „Vor dem Hintergrund volatiler Märkte, Währungskrisen und anhaltender handels- und geopolitischer Unsicherheiten sowie der daraus resultierenden Zurückhaltung bei den Kunden ist unser Umsatzziel aber eine Herausforderung.“ Stabilität verspricht aus seiner Sicht die hohe Eigenkapitalquote von Stihl. Mit 71,2 Prozent ist diese weiter gestiegen (Vorjahr: 69,0 Prozent), ebenso wie die Liquidität. Beides ermögliche es dem Unternehmen, Investitionen grundsätzlich aus eigenen Mitteln zu tätigen. Auch hinsichtlich der Mitarbeiterzahl sieht man sich gut aufgestellt. Zum Jahresende arbeiteten weltweit 20.246 Menschen für die Stihl Gruppe, 2,6 Prozent mehr als im Jahr 2024. Ein Grund hierfür ist das neue Werk in Rumänien, das 2025 in Betrieb genommen wurde.
Neues Profi-Akkuprogramm
Neu im Portfolio ist das Akkusystem ALLPRO für Profis. Herzstück des Systems sind neue Hochleistungsakkus mit unterschiedlichem Energiegehalt auf Basis von Tabless-Technologie. Diese sollen eine deutlich gesteigerte Leistung, ein hervorragendes Leistungsgewicht und längere Laufzeiten mitbringen bei gleichzeitig verkürzten Ladezeiten. Das neue ALLPRO System löst das etablierte AP-System ab, ist mit diesem aber uneingeschränkt kompatibel. Verfügbar sind die neuen Akkus in den Leistungsklassen 111Wh (AP 100.0 P), 222Wh (AP 200.0 P) und 333 Wh (300.0 P). Der AP 300.0 PC als Schwestermodell zum 300.0 P kann außerdem in das digitale Flottenmanagement von Stihl eingebunden werden. Mit dem mobilen Schnellladegerät AL 1802 MO von Stihl sind die neuen Akkus zudem in neun Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. Auch für Stihl soll das neue Akkusystem ein „Power Booster“ sein. So bezeichnet Traub dieses nicht nur als entscheidenden technologischen Meilenstein im Jubiläumsjahr. Vielmehr will man seinen Anspruch untermauern, der führende Anbieter bei Akkutechnik im Bereich Outdoor Power Equipment zu werden. Für 2026 erwartet Traub einen weiterhin hohen Wettbewerbsdruck und ein entsprechendes Transformationstempo. Die Stihl Gruppe stelle sich diesen Herausforderungen: „Ob Kundinnen und Kunden, Fachhandel oder unsere Beschäftigten – sie alle wissen, wofür Stihl steht: strategische Klarheit, hohe Innovationskraft, Kundenorientierung und einen besonnenen, aber entschlossenen Blick nach vorn. Wir gestalten die Transformation, ohne unsere Wurzeln zu vernachlässigen – getragen von demselben Anspruch, den unser Gründer Andreas Stihl vor 100 Jahren formuliert hat: den Menschen die Arbeit mit und in der Natur zu erleichtern.“
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