Eine Gruppe von sechs Personen sitzt an einem Tisch vor einer beeindruckenden Berglandschaft.
Gut gelaunt präsentierte sich der Stihl-Vorstand am 29. April anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz in der Stihl-Markenwelt in Waiblingen. (Quelle: Stihl)

2025-05-02T10:22:43.183Z Stihl macht sich zukunftsfit

Am Dienstag hat Stihl im Rahmen der jährlichen Bilanzpressekonferenz Fakten zum Geschäftsverlauf geteilt und einen Ausblick auf Kommendes gegeben. Demnach befindet man sich wieder leicht auf Wachstumskurs. 2024 legte der Umsatz um ein gutes Prozent auf 5,33 Mrd. Euro zu. Auch für dieses Jahr ist man optimistisch – wenngleich Veränderungen anstehen, auch hierzulande.

Intensiv diskutiert wurde im Rahmen der Stihl-Bilanzpressekonferenz am 29. April in Waiblingen so etwa das bereits eingeleitete Kostensenkungsprogramm, das bis mindestens Ende 2026 fortgeführt werden soll und einen spürbaren Stellenabbau mit sich bringt. Die genaue Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze wurde nicht benannt. Weltweit soll die Größenordnung etwa bei 500 Stellen liegen. Eine niedrige dreistellige Anzahl hiervon betrifft den Standort Deutschland, wo sozialverträgliche Modelle wie Altersteilzeitprogramme, natürliche Fluktuation und freiwillige Maßnahmen greifen sollen. Als Grund für die Konsolidierungsmaßnahme führt Stihl korrigierte Erwartungen an. So habe man im Zuge des Absatzbooms in der Coronapandemie und daraus resultierender, euphorischer Wachstumsziele in den vergangenen Jahren zu viel Personal aufgebaut, erklärte Michael Traub, Vorstandsvorsitzender der Stihl-Gruppe. Konkret war die weltweite Stihl-Belegschaft seit 2019 zwischenzeitlich auf 21.600 Mitarbeitende angewachsen. Ende 2024 hatte man sich wieder bei 19.732 Personen eingependelt. Und auch in diesem Jahr möchte man die Kosten- und Personalstruktur weiter an die Marktgegebenheiten anpassen.

Druck im Akkumarkt

Einzahlen soll dies auf ein weltweites Strukturprogramm, das Stihl sich verordnet hat. Das Weiterentwickeln der technologischen Kompetenz, das Generieren von noch mehr Effizienz und das Beibehalten der Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt sind darin die erklärten Ziele. Dies nicht ohne Grund: Stihl hält fest an seinem strategischen Ziel der doppelten Technologieführerschaft. Bis 2027 soll der Anteil von Akkuprodukten am weltweiten Gesamtabsatz auf 35 Prozent wachsen, was auch Traub als ambitioniert betitelt. Derzeit liegt die Quote im Haus bei 25 Prozent, in Deutschland sowie der Schweiz bereits bei 60 Prozent. In Österreich, den Benelux-Ländern und Skandinavien basiert heute jedes zweite verkaufte Stihl-Produkt auf Batterietechnik. Auch insgesamt wächst der Akkumarkt stark, wie Traub betont. Damit sei die Transformation hin zu Akkuprodukten für Stihl längst keine Zukunftsvision mehr, sondern ein zentraler Bestandteil des Geschäfts. Und gerade hier, in ihrem strategischen Wachstumsfeld, spüren die Waiblinger den Wettbewerbsdruck, insbesondere aus Richtung Asien. Auch den internationalen Vertrieb stellt Stihl vor diesem Hintergrund neu auf. Weltweit werden acht starke Vertriebsregionen mit regionaler Entscheidungskompetenz etabliert, etwa in Westeuropa, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien, die das Geschäft aus ihrer Region heraus dezentral steuern vom Vertrieb bis zum Ergebnis. Dies soll erlauben, differenziert auf Marktanforderungen und Entwicklungspfade zu reagieren - oder wie Traub es in Waiblingen formulierte „um ähnlich schnell wie die asiatischen Wettbewerber im Akkumarkt zu agieren“. Dazu brauche es neben Forschung und Entwicklung eine andere Logistik und neue Prozesse in der Fertigung. Eine begleitende Erkenntnis sei dabei jedoch auch, dass Akkuprodukte tendenziell nicht in Deutschland gefertigt würden.

Ja zum Standort

Eine Abkehr vom Standort Deutschland bedeutet dies jedoch nicht. „Hier sind wir zuhause, hier sehen Sie, wer wir sind“, betonte Traub bei seiner Rede in der Stihl Markenwelt, auch wenn sich die Rolle des Stammhauses verändern werde. So hat Stihl gerade erst ein knapp 114.000 Quadratmeter großes Gelände im Gewerbegebiet „Am Wasserturm“ in Waiblingen erworben, um dort perspektivisch einige der in der Region verteilten Standorte zusammenzuziehen. Auch der viel kolportierten, möglichen Verlagerung der Schienenfertigung in die Schweiz erteilte Traub bei der Bilanz-PK eine Absage. Eine finale Entscheidung werde es erst 2030 geben und bis dahin sei man hinsichtlich der Schienenfertigung vor Ort noch gut aufgestellt. Auch 2024 hat Stihl rund 133 Millionen Euro in Deutschland investiert, etwa in die EC-Motorenfertigung sowie ein neues Servicegebäude in Werk 2 in Waiblingen, wo vor allem Serviceaufträge im Akkubereich abgearbeitet werden. International lagen die Investitionsschwerpunkte u.a. auf dem Ausbau der Akku-Fertigung bei Stihl Inc. in den USA mit 60 Millionen US Dollar sowie dem neuen Werk im rumänischen Oradea, wo Stihl 100 Millionen Euro investierte und das bereits im Oktober die Arbeit aufnehmen soll. Insgesamt ließ Stihl sich das Investment in seine Kapazitäten 2024 weltweit 349 Millionen Euro kosten.

Geschäftsverlauf 2024

Möglich machte die Investitionen auch das gute Ergebnis, das Stihl im Jahr 2024 erzielte. Konkrete Zahlen gab es dazu traditionell nicht, doch bekannte Finanz-Vorständin Ingrid Jägering auf Nachfrage, dass man ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erzielt habe, welches der Leistung von Stihl sehr angemessen war. Zufrieden zeigte man sich auch mit dem Jahresumsatz, der 2024 auf 5,33 Milliarden Euro stieg, was einem Plus von 1,1 Prozent entspricht. Die Eigenkapitalquote in der Stihl Gruppe legte auf 69 Prozent zu nach 65,9 Prozent in 2023. Ein wichtiger Absatzmarkt blieb Nordamerika, wo Stihl rund ein Drittel seines weltweiten Umsatzes generierte, auch begründet auf dem Ausbau des Fachhandelsnetzes. Auch der deutsche Markt, wo Stihl etwa ein Zehntel seines Umsatzes macht, entwickelte sich überdurchschnittlich gut. Ebenfalls positiv performte Afrika mit einem zweistelligen Umsatzplus. In Asien zog die Nachfrage ebenfalls wieder an und auch in Lateinamerika sieht Stihl erste Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Lediglich Osteuropa blieb 2024 unter Druck. Insgesamt bezeichnete Michael Traub 2024 als „interessantes, spannungsgeladenes Jahr, in dem man viel Gegenwind erfahren“ habe. Mit Blick auf den Auslandsumsatz sei man dementsprechend anfällig für die Volatilität in der Welt und dies habe sich in 2024 „schon komisch angefühlt“. Sorge vor der Zukunft habe man jedoch nicht. Auch für 2025 ist Stihl vielmehr optimistisch und peilt ein moderates Umsatzwachstum an.

Ausblick

So hofft man in der Stihl-Gruppe hinsichtlich der lokalen Politik nach einer schnellen Regierungsbildung auf positive Signale und etwas mehr Pragmatismus, etwa den Abbau des Lieferkettengesetztes. Ansonsten aber entscheide sich die Zukunft von Stihl nicht in Washington, Brüssel oder Berlin oder an geopolitischen Herausforderungen und Zöllen, betonte Traub. „Wir werden unseren Weg weitergehen.“ Ein wichtiger Aspekt bleibt hier abermals die Akkutechnik, bzw. die doppelte Technologieführerschaft. Traub: „Unsere Produkte sind vor allem für professionelle Anwenderinnen und Anwender gemacht oder auch private Nutzer, die Wert auf Qualität und Langlebigkeit legen. Wir wissen, dass gerade die Profis nur dann auf Akku umsteigen, wenn dies einen echten Mehrwert verspricht. Der Ausbau unseres Akkuprogramms soll daher mehr sein als eine pure Alternative. Er soll auch uns in ein neues Zeitalter tragen.“ Immerhin habe der Umsatz mit Profis zuletzt deutlich stärker zugelegt als noch vor einigen Jahren gedacht. Was diese Vision angeht, hatte auch Entwicklungsvorstandskollegin Anke Kleinschmit gute Nachrichten: Mit immer höheren Leistungsdaten, langlebigen Ladezyklen und einer umfassenden Ladeinfrastruktur stimme das Gesamtpaket, was jüngst auch ein Pilotprojekt mit Forst BW belegt hätte. Entsprechende Impulse erwartet man sich nun auch von den jüngsten Produktneuzugängen wie dem rückentragbaren Akku-Laubbläser BRA 600, der Heckenschere HSA 140, dem Gehölzschneider GTA 40, der neuen Kettensäge MSA 80, der Motorsense FSA 110 oder den neuen Stihl Akkus AP 20 und AP30. Mehr zu den neuen Produkten von Stihl lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Motorist.

zuletzt editiert am 28. Mai 2025
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