Mähroboter von Stihl auf Blumenwiese
Mähroboter können zur Biodiversität beitragen. Quelle: Stihl
09. April 2021 | Teilen auf:

Mähroboter besser als ihr Ruf

Mähroboter stehen mitunter im Ruf, nicht zur Artenvielfalt beizutragen, sondern vielmehr aus Grünflächen monotone Rasenflächen zu machen. Mit diesem Vorurteilt räumt eine Studie auf, die die Universität Hohenheim gemeinsam mit Stihl durchgeführt hat. Demnach können automatische Mähsysteme sogar zur Biodiversität beitragen.

Unter bestimmten Bedingungen schränken Mähroboter die Biodiversität auf Rasenflächen nicht stärker ein als handgeschobene Mäher. Im Gegenteil: Werden Blühpflanzen im Rasen von den Besitzern geduldet, haben sie beim Einsatz von Mährobotern sogar bessere Chancen zum Aufwuchs und zur Blüte als beim Einsatz von handgeschobenen Rasenmähern mit Grasfangeinrichtung. Eine wichtige Voraussetzung für einen blütenreichen Rasen ist vielmehr das Mähen auf maximaler Schnitthöhe.

Zu dieser Erkenntnis kommt eine Masterarbeit mit dem Titel „Untersuchungen zum Einfluss von Robotermähern auf den Lebensraum Rasen“, die zwischen April und September 2020 am Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim mit Unterstützung von Stihl entstanden ist. So hat der Motorgerätehersteller eine 300 Quadratmeter große Versuchsfläche auf dem Werksgelände sowie die notwendigen Mähgeräte zur Verfügung gestellt. Auch der Anstoß für das gemeinsame Forschungsprojekt kam aus Waiblingen.

In den Fokus rückte der durchführende Masterstudent Maximilian Lang die Auswirkungen zweier Mähmethoden auf die Biodiversität des Rasens: das Mähen und Aufsammeln mit handgeschobenem Mäher und Fangkorb sowie das Mulchmähen mit selbstfahrenden Mährobotern. In einem zweiten Teil wurde untersucht, welche Auswirkungen die Ansaat von Blühstreifen auf die Biodiversität der Gesamtfläche hat. In beiden Versuchsteilen wurden der Aufwuchs und das Blühverhalten von Pflanzen sowie der Besuch durch bestäubende Hautflügler wie etwa Bienen, Hummeln oder Wespen beobachtet.

Praxisnaher Versuchsaufbau

Im Rahmen des Versuchsaufbaus wurden auf mehreren Parzellen kreisrunde Flächen gleichmäßig mit typischen Rasenkräutern versehen. Ergänzend wurden zusätzliche Teilparzellen mit drei Gebrauchsrasen-Mischungen angelegt, die ausschließlich mit dem Mähroboter in einer Schnitthöhe von 6 cm gemäht wurden. Die Pflege der Parzellen erfolgte im Versuchszeitraum von Mai bis September 2020. Wie vorgesehen waren die Mähroboter täglich im Einsatz, das dabei entstehende Schnittgut verblieb verfahrensbedingt als Mulch auf der Fläche. Die anderen Flächen wurden im zweiwöchigen Turnus bei Rasenhöhen von 4,5 cm bzw. 9 cm um jeweils 1/3 auf die Zielschnitthöhe gemäht und das Schnittgut mit dem Fangkorb aufgenommen. Im Laufe des Versuchs wurde das Wuchs- und Blühverhalten der Pflanzen abhängig von der Mähmethode ermittelt. Um die Wirkung des Mähens auf die vorhandene Fauna zu ermitteln, wurde zudem auf allen vier Flächen in einem zufällig ausgelegten Messquadrat der Besuch von Hautflüglern ermittelt.

Blühpflanzen dulden Roboter

Nach Ende des Feldversuchs kam man zu folgendem Ergebnis: Die Blühpflanzen auf den robotergemähten Parzellen zeigten einen hohen Deckungsgrad und eine ähnliche Schnittverträglichkeit wie die Pflanzen auf den handgemähten Parzellen. Vielfach war der Deckungsgrad auch beträchtlich größer, abhängig von der Pflanzenart und insbesondere gegen Mitte und Ende des Sommers. Mähroboter lassen also generell etwa ebenso viel, teilweise sogar mehr pflanzliche Biodiversität zu als Handrasenmäher. Allgemein neigten die Pflanzen dazu, sich an die Mähmethode anzupassen und mehr in die Breite als in die Höhe zu wachsen. Zu einem geringeren Blütenaufkommen auf den handgemähten Parzellen trug auch das Funktionsprinzip des handgeführten Mähers bei: Der durch die Windflügelmesser erzeugte Sog zog die Kräuter nach oben und kappte die Blütenebene. Beim Mähen mit einem Mähroboter hingegen entsteht kein Sog.

Mähmethode stützt Biodiversität

Die Mähmethode hat demnach einen deutlichen Einfluss auf die Biodiversität eines Rasens. Daneben entscheidet insbesondere die Schnitthöhe darüber, welche und wie viele Blühpflanzen sich ansiedeln und Hautflüglern oder anderen Kleinlebewesen Lebensraum und Nahrung bieten können. Es wurde nachgewiesen, dass Mähroboter auf höchster Schnitthöhe die Biodiversität nicht unterdrücken. Vielmehr können das Mähverfahren und die hohe Mähfrequenz aufgrund eines Gewöhnungseffektes je nach Pflanze zu flächigem Wuchs und vermehrtem Blütenreichtum führen, sofern Blühpflanzen auf der Grünfläche überhaupt geduldet werden. Im Vergleich zu handgeschobenen Mähern mit Grasfangkorb liefern Mähroboter deshalb günstigere Ergebnisse hinsichtlich der Biodiversität.