Im Dezember 2018 hat Endress Motorgeräte in München einen Stihl Pop Up Store an den Start gebracht. Den bis dato ersten und einzigen weltweit. Am Ende des Monats schließt er wieder. Nicht etwa, weil sich das Projekt nicht gelohnt hätte. Im Gegenteil.
Pop Up Stores sind Projekte auf Zeit. Das bringt das Modell so mit sich. Bewusst war dieser Umstand auch der Endress Bayern GmbH, als diese zum 1. Dezember des vorletzten Jahres mitten in der Münchner Innenstadt einen solchen Laden implementierte.
Promotet wurden in dem für die Branche ungewohnten Konzept seitdem auf rund 90 Quadratmetern vor allem Merchandising-Artikel und Streetwear der Marke Stihl . Interesse bei der urbanen Laufkundschaft fanden jedoch nicht nur Shirts und Käppis. Auch Artikel aus der Timbersports-Serie gelangten an ihre Käufer, und nach und nach sogar Akkugeräte.
Zum 31. März wird das Outlet nahe des Münchner Marienplatzes wieder schließen. Nicht etwa, weil sich das Projekt nicht gelohnt hätte: Das Parkhaus, in dem man sich bewusst nur für 14 Monate eingemietet hatte, wird abgerissen. Gelohnt hat sich das Invest laut Michael Endress jedoch in jedem Fall.
Aus dem Shop-Labor
„Wirklich Geld verdienen lässt sich mit Blick auf hochpreisige Motoristen-Sortimente in einem solchen Setting mitten in der Stadt natürlich noch nicht“, räumt der Geschäftsführer der Endress Motorgeräte GmbH beim Ortstermin gegenüber Motorist ein.
Das war jedoch auch nicht das vorrangige Ziel. Er und sein Kollege Enrico Kapinos von der Endress Bayern GmbH für Garten- und Kommunaltechnik zogen ihren Benefit vor allem aus dem Spiel- und Lernfeld, das der Shop ihnen lieferte: Funktioniert Motoristen-Bedarf in städtischen Lagen? Wie muss man im urbanen Umfeld auftreten? Welche Form der Kundenansprache zieht? Welche Zielgruppen fühlen sich angesprochen? Welche Werbung verfängt? – All das waren Fragen im Shop-Labor. Messbare Ergebnisse lieferten Kameras mit Frequenz und Gesichts- beziehungsweise Alterserkennung.
Der Aufwand hielt sich dagegen in Grenzen. Neben Miete wurde in die individuelle Shop-Ausstattung des 20 Meter langen Schlauchs investiert, die Endress gemeinsam mit Stihl vorgenommen hat. Die Personalkosten blieben mit zwei Mitarbeitern plus Aushilfen überschaubar. Noch ein paar Ausgaben für regelmäßige Promotions wie After Work Partys, das war‘s.
Immerhin wurden so zuletzt Durchschnittsbons von 50 Euro realisiert. Das klingt gering in der Motoristen-Kalkulation. Doch es ist ein Anfang. „Die Akkutechnik macht die Entkopplung des Warenangebots von der Werkstatt möglich“, ist Endress überzeugt, und: „Die Filialisierung wird kommen.“ Damit würden auch die emotionale Ansprache und Aktionen am POS immer wichtiger. Irgendwann ist die Kehrmaschine im City-Store dann vielleicht doch mehr als ein Hingucker neben emotional aufgeladenen Marken-Accessoires. Und sei es nur, wenn die Stadt-Klientel den Weg ins Hauptgeschäft findet.