Menschen mit Ukraine-Flagge auf Demonstration
Protestdemonstration gegen den Krieg in der Ukraine (Quelle: SamuelFrancisJohnson auf pixabay)

Handel & Hersteller

02. March 2022 | Teilen auf:

Ukraine-Krieg: So ist die Branche betroffen

Der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Reaktionen haben auch Folgen für die Gartentechnik-Branche hierzulande. Angesichts der herausfordernden Lage und zum Zeichen der Einheit in Krisenzeiten haben Motorist und markt intern eine gemeinsame Abfrage gestartet. Hier informieren wir fortlaufend über die Statements aus Industrie und Verbänden.

Kriegshandlungen, Belagerung, Sanktionen: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine betrifft auch uns. Und das nicht nur gesellschaftlich, politisch und ethisch. Auch wirtschaftlich zeichnen sich schon jetzt gravierende Folgen ab. So befürchtet der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und Delegierte der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation Matthias Schepp gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bereits dramatische Einbrüche in den Geschäftsbeziehungen. Auch in der Ukraine selbst, wo wirtschaftliche Belange angesichts der blanken Not in den Hintergrund rücken, unterhalten deutsche Lieferanten Dependancen. Immer mehr Unternehmen und Institutionen ziehen sich oder ihre Teams aus beiden Ländern zurück. Produktions- und Lieferketten stocken. Ein Anstieg der Energiekosten ist sanktionsbedingt in ganz Europa unausweichlich. Das betrifft unmittelbar auch das Tagesgeschäft in der Motoristen-Branche. Um Ihnen ein möglichst umfassendes Bild zu geben, haben sich Motorist und markt intern gemeinsam um Antworten aus Industrie und Handel bemüht. Lesen Sie hier fortlaufend aktualisiert, wie der aktuelle Stand aussieht.

Materialknappheit und Montageunterbrechungen

Ein umfassendes Statement kam prompt von Stihl aus Waiblingen:

Wir sind entsetzt über den Angriff Russlands auf die Ukraine und verurteilen diesen Angriffskrieg auf das Schärfste. Mit unserer Vertriebsgesellschaft stehen wir in Kontakt und haben der Belegschaft unsere Unterstützung zugesichert. Absolute Priorität hat die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien vor Ort. Ihr Wohlergehen liegt uns sehr am Herzen und wir werden versuchen, sie nach Kräften zu unterstützen. Auch unseren Fachhandelspartnern stehen wir weiterhin zur Seite und werden sie, wo möglich, unterstützen. Wir hoffen auf Deeskalation und eine baldige Lösung des Konflikts. Im Waiblinger Stammhaus wurde ein Krisenteam gebildet, das die tagesaktuellen Entwicklungen beobachtet und daraus Maßnahmen ableitet. Die aktuellen Ereignisse verschärfen nochmals die pandemiebedingte Materialknappheit. Betroffen vom Engpass sind u. a. Kabelbäume, Schaltgeräte und Gummiteile. Durch langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferanten und einer vorausschauenden Planung haben wir frühzeitig versucht, Bestellungen zu erhöhen und Sicherheitsbestände aufzubauen. Durch die zuvor schon vorherrschenden Lieferengpässe, ist dies jedoch nur begrenzt gelungen. Sollten die aktuellen Ereignisse länger andauern, wird es zu erheblichen Montage-Unterbrechungen in der Stihl Gruppe und insbesondere im Stammhaus kommen. Wir prüfen daher alternative Lieferquellen. Die Invasion Russlands auf die Ukraine wird auch Auswirkungen für unsere Geschäftsentwicklung und Standorte vor Ort haben. Bezüglich Embargos und Marktzulassungen werden wir uns an die Anforderungen und Regularien halten. Aktuell finden keine Warenlieferungen nach Russland statt. Die Situationen entwickelt sich jedoch sehr dynamisch und der weitere Verlauf ist unsicher. Es ist daher kaum möglich, eine Prognose über konkrete Auswirkungen zu treffen.“

Sorge um Humanitäre Situation

Die Sorge um die Mitarbeiter und deren Familien in den betroffenen Regionen sowie deren sichere Rückführung dominiert in vielen Unternehmen derzeit noch die Krisenstäbe. Höchste Priorität hat das Thema bei Granit/Fricke, Husqvarna und Kärcher. Zu wirtschaftlichen Aspekten wollte man sich in Heeslingen, Ulm und Winnenden daher noch nicht äußern.

Auch Verbände sind angesichts des Krieges derzeit noch sprachlos und sorgen sich primär um die humanitäre Unterstützung für die ukrainische Bevölkerung, wie etwa IVG-Geschäftsführerin Anna Hackstein erklärt. Auswirkungen auf die Mitgliedsunternehmen des Verbandes seien jedoch vorprogrammiert.

Geschäftliche Auswirkungen unausweichlich

Beim Verband der Motoristen ist man ebenfalls realistisch. So geht man hier von „sehr großen Auswirkungen auf die Lieferketten“ aus. Unter anderem befürchtet man nun, nachdem die anderen, durch die Pandemie gestörten Lieferketten teilweise wieder in Funktion gesetzt werden konnten, den erneuten Ausfall von Teilen der Vorproduktion aus den betroffenen Gebieten, was die Verfügbarkeit erneut behindern dürfte. Der limitierte Zahlungs- und Handelsverkehr dürfte laut VdM Geschäftsführer Walter Schlöter jedoch geringere Auswirkungen haben. Seine Botschaft an die Handelspartner lautet, mit den Lieferanten Kontakt aufzunehmen um Lösungs- und Überbrückungsmöglichkeiten zu evaluieren.

Preise werden steigen

Bei Toro sind zwar keine Standorte oder Zulieferketten betroffen, ebenso keine Mitarbeiter. Konsequenzen aus steigenden Energiekosten, einem eingeschränkten Zahlungs- und Handelsverkehr und grundsätzlich gestörten Märkten befürchtet man jedoch auch hier.

Ähnlich EGO: Auch hier sind keine eigenen Standorte und Zulieferketten betroffen. Allerdings geht man auch hier von Preissteigerungen aus: „Schon während der globalen Corona-Krise haben wir mit höchsten Anstrengungen daran gearbeitet, die stark gestiegenen Energie- und Lieferkosten durch interne Umstellungen und Optimierungsmaßnahmen zumindest teilweise zu kompensieren. Mit Erfolg – wir haben die Preise unserer Produkte nur moderat erhöhen müssen. Werden die Energiepreise weiterhin steigen, können wir jedoch nicht ausschließen, dass wir die Preise unserer Produkte weiter anpassen müssen.“

Schwierige Rohstoffversorgung

AS-Motor räumt ein, dass die Zulieferketten bereits jetzt betroffen sind. Vor allem der Luftverkehr aus Fernost sei nur noch eingeschränkt möglich. Die Produktion sei kurzfristig jedoch nur bedingt davon betroffen, da man nur wenige Teile aus Fernost bezieht.

„Im bereits vorher schon schwierigen Lieferketten- und Materialversorgungsumfeld ist der Aspekt und die Relevanz der Ukraine-Krise bisher für uns noch nicht konkret abschätzbar. Wir gehen davon aus, dass es die Situation alles andere als verbessern wird“, heißt es weiter. Auch geht man bei AS-Motor davon aus, dass man von steigenden Energiekosten betroffen sein wird. Die „Rohstoffversorgung“ generell sei sicher ebenfalls ein Thema: Export von Stahl von Russland nach Europa sei bereits unterbunden worden und die Ukraine sei ein Exportland für Palladium welches z.B. in Katalysatoren zum Einsatz kommt.

Aktivitäten liegen auf Eis

Obwohl AS Motor die betroffenen Regionen bisher durchaus als Märkte mit Potential betrachtet hat, habe man jegliche Aktivitäten seitens AS-Motor bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Und abschließend: „AS-Motor bedauert diese Krise sehr. Wir hoffen sehr, dass die Entwicklungen bald wieder eine positivere Wendung nehmen. Die Situation verschärft sicher auch für unsere Branche die bereits angespannte Lage. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern auch die damit verbundenen Herausforderungen stemmen können. Umso mehr scheinen gute Partnerschaften und Zusammenhalt in diesen Zeiten eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle zu spielen.“

Betroffenheit auch beim Handel

Auch den Handel bewegt das menschliche Leid im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. So heißt es seitens der Sümo eG: „Glücklicherweise sind uns keine persönlich, direkt und unmittelbar Betroffenen bekannt.“ Allerdings sei zu bedenken, dass einige Sümo-Lieferanten Absatznetzwerke und Standorte, teils mit eigenen Mitarbeitern, in den unmittelbar betroffenen Regionen unterhalten. Ebenso hätten einzelne Mitarbeiter der Sümo-Mitglieder verwandtschaftliche Beziehungen in die Ukraine und sorgten sich um ihre Angehörigen.

Auswirkungen auf Konjunktur

Unsicher fällt der Blick auf die Lieferketten aus, die aufgrund der Pandemielage der vergangenen zwei Jahre ohnehin schon unter Druck waren mit den entsprechenden Auswirkungen wie Waren- und Rohstoffknappheit und Preissteigerungen. „Es lässt sich aus heutiger Sicht kaum verlässlich prognostizieren, welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine hierauf haben wird. Aktuell sind bereits deutliche Rohstoffpreissteigerungen (z. B. beim Rohöl) sowie eine spürbare Schwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar zu verzeichnen. Ob es sich hierbei um kurzfristige Übertreibungen an den Märkten oder um längerfristig anhaltende Trends handelt, ist im Moment schwer vorherzusagen und wird von den weiteren Entwicklungen in der Ukraine sowie vom Umfang und der Dauer der Sanktionen gegen Russland abhängen.“ Bei der Sümo wird jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass diese Umstände zu weiteren Preissteigerungen führen und sich dadurch auch auf die Binnenkonjunktur in Deutschland auswirken.

Sümo rät zu Optimismus

Doch man setzt auch ein positives Zeichen: „Unsere Branche hat in den letzten zwei Jahren bewiesen, wie robust sie Krisen trotzen und proaktiv mit neuen Situationen umgehen kann. Wir gehen davon aus, dass Produkte für Heim und Garten weiterhin gefragt sein werden. Aus rein unternehmerischer Sicht raten wir unseren Sümo-Mitgliedern daher, die neue Saison mit Optimismus und Tatkraft anzugehen. Wie bisher wird die Sümo ihren Mitgliedern in allen unternehmerischen Belangen zur Seite stehen. In Bezug auf die allgemeine Lage hoffen wir inständig, dass die Verursachung unnötigen menschlichen Leids schnellstmöglich beendet wird. Wir müssen jetzt gemeinsam dafür einstehen, dass unser Zusammenleben in Europa auch künftig durch ein friedliches Miteinander in einer freien und offenen Gesellschaft geprägt sein wird.“

Die Nordwest Handel AG blickt ebenfalls mit großem Entsetzen in Richtung Osteuropa und bangt um die ukrainische Bevölkerung. Gleichzeitig lässt man das Russland Geschäft ruhen: „Wir wissen und hoffen, dass weder das russische Volk noch mehrheitlich das weißrussische Volk, diesen Krieg will. Trotzdem hat sich Nordwest entschieden, dass wir mit Ländern, die einen Krieg begonnen haben, keine Geschäftsbeziehung unterhalten wollen. Das bedeutet, wir werden weder in Russland noch in Weißrussland einkaufen und auch keine Lieferungen nach Russland und Belarus zulassen“, heißt es aus Dortmund. Dort beteiligt man sich stattdessen mit Sachspenden an ersten Hilfskonvois und prüft Möglichkeiten, hier ankommende Flüchtlinge zu unterstützen. Als problematisch sieht man die Verschlechterung der Warenverfügbarkeit an Rohstoffen im Bereich Stahl und Bauholz und den daraus produzierten halbfertigen und Fertigerzeugnissen, massive Preiserhöhung auf Waren und speziell im Energiesektor sowie den bevorstehenden Engpässen bei Frachtführern. Auch Euro- und Einwegpaletten könnten aus Sicht der Nordwest knapp werden, da diese zu einem wesentlichen Anteil aus Russland, Belarus und Ukraine bezogen werden. Nordwest prüft und verhandelt daher in allen betroffenen Bereichen neue alternative Lieferquellen und schöpft alle Möglichkeiten aus, die Auswirkungen auf ein Minimum zu begrenzen. Auch kalkuliert man mit einem erhöhten Finanzierungsbedarf in Folge von steigender Bevorratung im Falle verfügbarer Waren.

Unterbrechung der Russland Aktivitäten

Kress/Positec erklärt ebenfalls seinen Rückzug aus dem Russland Geschäft. Dies ist umso bemerkenswerter, da es sich um ein chinesisches Unternehmen handelt und China sich bislang nicht öffentlich gegen Putin gestellt hat: „Angesichts der anhaltenden Militäraktionen in der Ukraine und der tragischen humanitären Krise haben wir beschlossen, den Export unserer Produkte und Investitionen nach Russland und Weißrussland zu unterbrechen. Wir werden unseren Kollegen in Russland als wichtige Mitglieder der weltweiten Positec-Familie weiterhin sichere Arbeitsplätze und stabile Einkommen bieten. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, und wir schließen uns all jenen an, die Frieden und ein Ende des Konflikts in der Ukraine fordern“, erklärt Don Gao, CEO und Vorsitzender der Positec-Gruppe.

zuletzt editiert am 14.03.2022