Stefanie Schumm gibt Gas, ob im Geschäft oder auf dem Rider – einer Sortimentsgruppe, die es ihr neben Motorsägen besonders angetan hat. (Quelle: RM Handel)

Motorist des Jahres 2022-10-28T10:56:30.322Z Unternehmerin mit Drive

Ausgezeichnet Stefanie Schumm ist die glückliche Gewinnerin des Unternehmerpreises „Motorist des Jahres 2020“. Motorist hat sie in ihrem Betrieb in Bad Brückenau-Wernarz besucht. Nicht wie sonst im Nachgang der Preisverleihung zu Reportagezwecken, sondern um den Preis zu überreichen und die Unternehmerin bei der Gelegenheit direkt in ihrem Element zu erleben.

Se is net do.“ Als Motorist vor einigen Wochen im Geschäft der Schumm und Vornwald GmbH Forstgeräte und Gartentechnik anklingelte, um die frohe Botschaft vom Gewinn des Unternehmerpreises zu überbringen, war Stefanie Schumm nicht im Laden, sondern unterwegs zum Kunden. Das erklärte Vater Klaus am anderen Ende der Leitung ungefragt, noch bevor Motorist sich outen konnte, und das mit einem Unterton, der klarmachte: Hier ist jemand ganz offensichtlich ziemlich unentbehrlich.

Corona macht‘s nötig – oder möglich, wie man will. Die Preisverleihung fand in diesem Jahr nicht wie gewohnt auf dem Motoristen-Kongress statt, sondern direkt bei Schumm und Vornwald in Bad Brückenau. (Quelle: RM Handel)

Wenn man Stefanie Schumm zu Hause in Bad Brückenau-Wernarz im Kreise ihrer Familie, die zugleich ihr Team ist, erlebt, weiß man, warum das so ist. Die 40-Jährige hält den Laden ebenso zusammen und am Laufen, wie sie sich für die Branche insgesamt einsetzt. Etwa in der Einkaufskooperation Sümo eG, wo sie seit September 2014 stellvertretend im Aufsichtsrat sitzt. Wie ihr Geschäft hat sie dieses Amt gewissermaßen von ihrem Vater, einem der Gründungsmitglieder und damaligem Vorgänger, übernommen. Nicht in Erbfolge, sondern aufgrund des großen Engagements, das sie schon früh in diesem Kontext an den Tag legte. Seither kennt man Stefanie Schumm – in der Branche besser bekannt als Steffi Schumm – als leidenschaftliche, manchmal kämpferische, immer aber kritische und konstruktive Streiterin ihres Berufsstands. Und das, obwohl sie erst 2014 als Inhaberin und Geschäftsführerin so richtig in das Motoristen-Business eingestiegen ist.

Stefanie Schumm ist „Motorist des Jahres 2020“ – und die erste Motoristin, die diese Auszeichnung erhält
Stefanie Schumm ist „Motorist des Jahres 2020“ – und die erste Motoristin, die diese Auszeichnung erhält (Quelle: RM Handel)

Ihrer Performance als Unternehmerin tut dies keinen Abbruch, auch wenn kritische Stimmen im Ort ihr damals, zum Zeitpunkt der Übernahme „keine fünf Jahre“ gaben. Jetzt sind es sechs, und wer das Branchengeschehen in der seitdem verstrichenen Zeit verfolgt hat, weiß: Es waren insgesamt nicht die leichtesten für den Motoristen-Fachhandel. Das Geflecht aus einem sich veränderten Markt, preisopportunistischen Kunden, Konditionsdruck, neuen Vergabetechniken bei Forst und Kommunen, Akkuboom und Onlinehandel, gepaart mit Wetterkapriolen und Trockenheit, machten und machen so manchem Händler das Leben schwer. Stefanie Schumm geht dennoch unbeirrt ihren Weg.

Herausforderung nicht gescheut

Eine Herausforderung, die sicherlich nicht immer leicht war und ist, wenn man bedenkt, dass die Schumm und Vornwald GmbH ein kleiner Familienbetrieb ist. Neben ihr selbst arbeiten Vater und Bruder Daniel mit. Dazu gibt es einen Angestellten in der Werkstatt. Das ist nicht üppig, angesichts stetig wachsender Aufgaben. Doch die Personalsuche, die bei Schumm und Vornwald wie anderswo ein Dauerthema ist, gestaltet sich schwierig. Dennoch wollen Kunden aktiviert, beraten und überzeugt werden. Und das immer wieder. Auch Service, sei es in der Werkstatt oder beim Kunden vor Ort im Garten, wird bei Schumm und Vornwald groß geschrieben. Denn Nachhaltigkeit zählt. All das kostet Manpower und Einsatz. Letzteren hat Stefanie Schumm nie gescheut. Auch guter Service ist für die gelernte Hotelkauffrau kein Fremdwort. Ebenso vertraut ist ihr der Anspruch, hinzuhören und Kundenbedürfnisse aufzuspüren. Den daraus erwachsenden Lösungsansatz hat sich die Unternehmerin ebenso bewahrt wie die freundliche Offenheit Kunden und Marktpartnern gegenüber. Auch die Affinität zu Motorsägen und schwerem Gerät ist ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt, ebenso der Umgang damit.

Etablierte Größe

Schon Großvater Hans Schumm war Hausmeister im Wald. Als Ende der Fünfziger Jahre die Motorsägen aufkamen, begann er diese am heimischen Küchentisch zu reparieren. Zunächst nur sein eigenes Handwerkszeug, später auch die Maschinen von Freunden und Kollegen. Eine Werkstatt wurde gegründet, Anfang der Siebziger wurde aus dem Provisorium eine offizielle Reparaturwerkstatt, damals noch für Motorsägen der Marke Solo. Gut zehn Jahre später stieg Sohn Klaus, ebenfalls gelernter Forstwirt und im Vertrieb für Solo in Würzburg unterwegs, mit ein und gründete gemeinsam mit seinem Schwager Reinhold Vornwald die Schumm & Vornwald GmbH, damals eine reine Werksvertretung für Solo. In der Gegend hieß es: Wir gehen zum Solo-Schumm. 2003 folgte Stefanie Schumms Bruder in den Betrieb, 2011 sie selbst in Vollzeit. In den Jahren zuvor hatte sie den elterlichen Betrieb neben ihrer Arbeit im Hotel bereits im Büro unterstützt. 2014 übernahm Stefanie Schumm die Familienfirma dann als Geschäftsführerin.

Ausschließlich Markengeräte

Wie wichtig das Forstsortiment auch heute noch für Schumm und Vornwald ist, erschließt sich jedem, der sich Bad Brückenau nähert, sofort. Das Kurbad, das eingebettet zwischen tiefen Rhön-Tälern an der Grenze zwischen dem hessischen Fulda im Norden und dem bayerischen Bad Kissingen im Süden liegt, kann vor allem mit einem Pfund wuchern: Gegend. Wälder und aktuell erfreulich grüne Wiesen prägen das Bild. Ebenso große Gärten und Hanglagen. Auch am Besuchstag von Motorist lässt sich am Wegesrand ein AS-Hochgrasmäher im Einsatz erleben, gekauft mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bei Stefanie Schumm. Denn das Schwarzwälder Unternehmen gehört zu einem wichtigen Lieferanten im Sortiment. Weitere Marken im Angebot von Schumm und Vornwald: David Dominicus, Husqvarna, Kärcher, Keller Werkzeuge, Kienesberger, Müller Werkzeuge, Oregon, Sabo, Stihl, Solo by AL-KO und Willax Bekleidung. „Wir stehen aus Überzeugung und mit ganzem Herzen hinter unseren Markengeräten“, so Steffie Schumm, die ihre Zielgruppe kennt: Hobbygärtner, gewerbliche Unternehmer in der Landschaftspflege, Forstbetriebe und GaLabauer. Besonders stolz ist sie wie ihr Vater und Bruder darauf, dass noch immer Motorgeräte, die das Unternehmen in der ersten Stunde verkauft hat, im Einsatz sind und es dank des guten Service wohl auch noch eine Weile bleiben dürften. So legt sie auch viel Wert darauf, dass ihr Team immer up to date bleibt und zum Beispiel regelmäßig Hersteller- und Werkstatt-Schulungen besucht.

Verwurzelt in der Region

Für welches Gerät sich ein Kunde schließlich entscheidet, macht Stefanie Schumm am liebsten an der Beratung und Preis-Leistung fest: „Wir möchten, dass unsere Kunden den Laden mit dem für sie optimalen Gerät verlassen und nicht mit dem, das die meisten Prozentpunkte beim Lieferanten verspricht.“ Dies fällt nicht immer leicht, zumal man alleine im Umkreis von 40 Kilometern fünf Wettbewerber zählt. Das ist viel für eine unterm Strich strukturschwache Region. Doch Stefanie Schumm weiß, sich auch hier zu positionieren.

So war es kein Zufall, dass zur Preisverleihung vor Ort nicht nur die örtliche Presse vorbeischaute. Auch Vertreter aus lokaler Politik und Wirtschaftsförderung ließen sich am 28. Juli gerne mobilisieren. Sogar Sandro Kirchner, Landtagsabgeordneter und Kunde von Schumm und Vornwald, war mit von der Partie, um der coronabedingt vom Kongress auf den Lokaltermin verlegten Auszeichnung beizuwohnen. Die war so gesehen gleich zweimal besonders. Denn zum allerersten Mal in der Historie des Preises „Motorist des Jahres“ ging dieser an eine Unternehmerin. Verdient hat sich Stefanie Schumm diesen aus Sicht der Jury, weil sie nicht nur ihren eigenen Betrieb mit viel Sachverstand und gutem Gespür vorantreibt und dabei ein klares Zeichen pro Fachhandel setzt, sondern sich ebenso leidenschaftlich, engagiert und konstruktiv für die Belange ihrer Branche einsetzt. Das würdigte auch Stefan Günzer, Prokurist der Sümo eG, der eigens zu dem besonderen Termin angereist war. So ergab sich nach der feierlichen Preisverleihung unter strahlend blauem Himmel ein interessanter Austausch über den Motorgeräte Fachhandel in der Region und darüber hinaus. Sie sei froh und stolz darüber, wie sie sich bisher habe behaupten können, meint die Preisträgerin, und natürlich auf die Auszeichnung per se.

Ach ja, und falls Stefanie Schumm wieder mal „net do is“, findet man sie mit ziemlicher Sicherheit im Wald. Genauer im Holz. Oder auf der Jagd. Zwei Hobbys, die sie genauso leidenschaftlich betreibt wie ihr Geschäft. Doch nur so lange, bis sie im Laden gebraucht wird. ■

zuletzt editiert am 28. Oktober 2022
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