Dr. Tobias Ehrhard
Dr. Tobias Ehrhard (Quelle: Kastner)

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21. June 2022 | Teilen auf:

VDMA will Kollateralschäden verhindern

Die Entscheidung des EU-Parlaments über eine Reform der CO2-Flottengrenzwerte, die de facto zum Verbrenner-Aus für PKW und leichte Nutzfahrzeuge führen dürfte, weckt beim VDMA Sorgen.

Anfang Juni hat das EU-Parlament in Straßburg beschlossen, den Verkauf von Neuwagen mit Verbrenner-Motor ab dem Jahr 2035 zu verbieten. Das hat auch Folgen für die Agrartechnik, wie die Branchenvertretung VDMA warnt. Zwar soll der Beschluss, der Teil des von der EU angestrebten Klimapakets "Fit for 55" ist, zunächst nur für Privat-Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gelten und die Regelung muss noch von den einzelnen EU-Staaten gebilligt werden. Sollte sich die EU-Flottenregulierung jedoch in der aktuell geplanten Form durchsetzen, könnte dies laut dem VDMA-Fachverband Landtechnik mittelbar auch weitreichende Konsequenzen für die Agrarwirtschaft haben.

Keine Alternative zum Verbrenner in Sicht

„Nachhaltigkeitsziele stringent zu verfolgen, ist politisch notwendig, auch mit Blick auf Emissionen im Mobilitätssektor. Dieser richtige Ansatz darf allerdings nicht zu weiteren Kollateralschäden führen“, warnt Dr. Tobias Ehrhard, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Landtechnik. Die Auswirkungen der aktuellen EU-Pläne zur Reform der CO2-Flottengrenzwerte auf andere Anwendungsfelder, etwa Landmaschinen und Traktoren, würden in Brüssel offenbar vollkommen ignoriert. Anders als im PKW-Segment seien Antriebsalternativen zum Verbrennungsmotor insbesondere für schwere und leistungsstarke Landmaschinen nämlich keinesfalls in Sicht.

ECO-Kraftstoffe als Lösung

So werden, wie Erhard weiter ausführt, beispielsweise Mähdrescher aufgrund ihres Einsatzprofils auch in absehbarer Zukunft und auch über das geplante Verbrenner-Aus im Jahr 2035 hinaus, auf flüssige Energieträger mit hoher Energiedichte angewiesen sein. Dies auch, weil diese Maschinen während der Erntekampagne, die sich nur über wenige Wochen im Jahr erstreckt, nahezu rund um die Uhr verlässlich laufen müssen. „Sofern wir nicht auf fossile Energieträger, sondern auf nachhaltige E-Fuels sowie Kraftstoffe biogenen Ursprungs setzen, können auch Landmaschinen und Traktoren mit modernen und effizienten Verbrennungsmotoren nahezu emissionsfrei und zeitnah auch klimaneutral betrieben werden“, ergänzt der VDMA Experte.

Doch sei nun zum einen zu befürchten, dass Investitionen in alternative Kraftstoffe ausbleiben, womit die erforderlichen Skaleneffekte in der Kraftstoffproduktion nicht realisiert werden können. Zum anderen ist bereits heute absehbar, dass sich ein schleichender Know-how-Verlust in Forschung und Entwicklung, aber auch in der Produktion einstellen könnte: Damit könnte mittelfristig die problemlose Verfügbarkeit moderner Verbrennungsmotoren auf dem Spiel stehen. Auf jeden Fall aber wäre der Produktions- und Entwicklungsstandort Europa für den Verbrennungsmotor und seine Peripherie akut gefährdet, was angesichts des unerreicht hohen Technologie- und Nachhaltigkeitsniveaus europäischer Unternehmen keinesfalls ein wünschenswertes Szenario darstellt.

zuletzt editiert am 21.06.2022