2 Männer beim Armdrücken (Quelle: pixabay)
Kräftemessen, auch im Motorgeräte-Fachhandel (Quelle: pixabay)

Handel & Hersteller

12. January 2022 | Teilen auf:

Viel Wirbel um MotorLand

Vergangene Woche hatte Motorist auf facebook darauf hingewiesen, dass der deutsche Motorgeräte-Fachhandel mehr oder wenig flächendeckend bei MotorLand als Service-Partner ausgewiesen ist. Die Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten.

Mehrheitlich erbost äußerten sich viele Händler im Netz und das aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Etliche hielten es schlicht für eine Frechheit, von ihrem überregionalen Wettbewerber ungefragt als Service-Stelle aufgeführt zu werden. Die MotorLand GmbH, die damit wirbt, Europas größter Motorgeräte-Spezialist zu sein, steht in der Branche für preisaggressives Vorgehen. Im Fokus steht nach Außensicht der Verkauf, weniger der nachgelagerte Service. Diesen fordern Kunden des Versandriesen nicht selten vor Ort beim stationären Fachhandel ein. Der kann dann zwar die herstellerübliche Vergütung geltend machen. Der eigentlich interessante Verkaufsumsatz ging zuvor jedoch an ihm vorbei. Verständlich, dass das vielen Händlern nicht schmeckt und sie die Löschung ihrer Daten einfordern, auch, weil sie als servicegebender Fachhandel nicht einen Topf mit dem Versender geworfen werden wollen.

Kaum rechtliche Handhabe

Doch so einfach ist es nicht. Denn MotorLand oder auch jeder andere Online-Versender kann sich darauf berufen, dass die Adressen der Service-Partner der von ihm gehandelten Fabrikate ganz legitim als Fabrikats-Servicestellen ausgewiesen werden dürfen – denn die Händler verpflichten sich per Vertrag mit ihren Lieferanten ja genau hierzu - und die Adressen noch dazu in öffentlichen Quellen frei zugänglich sind. Sprich: Aus datenschutzrechtlicher Sicht macht sich in diesem Falle MotorLand nicht angreifbar. Bleibt die Frage nach dem Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs, den stationäre Fachhandelskollegen ins Feld führen könnten. Auch ein solcher Umstand liegt offensichtlich nicht vor, da MotorLand auf seiner Internetseite explizit darauf hinweist, dass es sich bei den aufgeführten Betrieben um Vertragswerkstätten der genannten Marken handelt und der Online-Anbieter selbst mit den Händlern keine Beziehung oder Vereinbarung hat.

Nur im Einzelfall

Viel Wirbel um nichts also? Das kann man nun auch nicht sagen. Denn tatsächlich teilen Fachhändler unliebsame Erfahrungen mit MotorLand-Kunden, die bei ihnen Service einfordern und das nicht selten auf unangenehme Art und Weise, zumal, wenn sie zugunsten der Stammkundschaft vertröstet werden müssen. Doch derlei Hürden im Alltagsgeschäft spielen in der nüchternen Rechtsprechung keine Rolle. Im Gegenteil lässt sich durch die Listung der Händleradressen auf der Plattform aus juristischer Sicht auch keine Einschränkung für ihr Tagesgeschäft erkennen. So wird sogar argumentiert, dass die Listung für die genannten Unternehmen eher Werbung darstellt – wenn dies auch vielen Händlern nicht gefällt, die allein bei der Vorstellung, die verlängerte Servicetheke für einen Online-Versender zu sein, an die Decke gehen. Doch torpediert werden sie mitunter sogar aus den eigenen Reihen. Denn auch im stationären Handel gibt es Stimmen, die gelassen kommentieren, man solle sich über den Kunden im Laden doch freuen. Was also ist zu tun, wenn man die Listung bei MotorLand oder einem anderen Online-Portal nicht mitgehen will? Unterm Strich bleibt wohl nur die individuelle Lösung, die jeder Händler für sich selbst finden muss. Natürlich kann man darum bitten, die Auflistung aufzuheben. Ob der Bitte nachgekommen wird, ist dann die zweite Frage und appelliert eher an die gute Kaufmannssitte als an die Sorge vor juristischen Folgen.

Einladung zum Strategiespiel

In jedem Fall hilfreich ist bei allem Groll ein Perspektiv-Wechsel – ausdrücklich auf beiden Seiten. Als Fachhändler könnte man sich die ehrliche Frage stellen: Was macht das Geschäftsmodell MotorLand so erfolgreich? Beantwortet man sich dies mit „aggressiver Preiskampf“, ist das Strategiespiel erschöpft. Die Konsequenz: Man schluckt die Kröte, ärgert sich, opponiert oder will davon nichts weiter wissen. Lautet die Antwort hingegen: „Da hat es einer doch verdammt geschafft, Mengen an Ware in den Markt zu drücken, sich darüber hinaus offensichtlich nicht groß zu sorgen und verdient sich dabei eine (vermeintlich) goldene Nase“, ist das Rennen im Geist wieder offen. Zum Beispiel, indem man die Frage nach dem „Wie“ anschließt. Was genau überzeugt an Händlern wie MotorLand? Sind es tatsächlich nur der Preis, die schnelle Verfügbarkeit, garantiert durch ein vermeintlich gutes Standing bei der Industrie, und die unterstellte Kaltschnäuzigkeit? Oder überzeugt da einer auch durch ein selbstbewusstes Auftreten und konsequentes Geschäftsmodell? Wie wäre es, vom „Feind“ zu lernen? Motoristen haben Fachkenntnis, bieten Service, unterhalten Werkstätten, ohne die auch die Industrie nicht auskommt, holen auf in Sachen Sichtbarkeit und Marketing, kennen ihre Kunden. Dieser Werte darf und muss man sich bewusst sein, auch bei der nächsten Serviceannahme solcher Kunden, die nicht vor Ort gekauft haben, leidigen Gewährleistungsabwicklungen mit der Industrie oder Preisverhandlungen mit Schnäppchenjägern.

zuletzt editiert am 13.01.2022