Laut einer Umfrage des Zentralverband Hartwarenhandel e.V. (ZHH) zur Situation im Hartwarenhandel in der Corona-Krise haben teilweise oder anteilige Betriebsschließungen in der Branche zu deutlichen Umsatzrückgängen geführt. Auch für April rechnet der Hartwarenhandel sowohl im Einzelhandel mit einer deutlichen Eintrübung der wirtschaftlichen Situation.
Die Erhebung signalisiert zwar auch, dass der Produktions-Verbindungshandel (PVH) im März ungeachtet drohender Betriebsschließungen, Kontaktbeschränkungen und der allgemeinen Verunsicherung in der Gesellschaft ein Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat erwirtschaften konnte. Trotz der Beeinträchtigungen der internationalen Lieferketten seien bisher nur vereinzelt Probleme bei der Warenversorgung und der eigenen Lieferfähigkeit festzustellen, heißt es. So bewerten 53 Prozent der befragten PVH-Unternehmen die Umsatzentwicklung im März als viel besser (mehr als 5% Zuwachs) oder besser (bis 5% Zuwachs) als im Vorjahresmonat und 29 Prozent als etwa wie im Vorjahresmonat – dies obwohl deutschlandweit seit dem 16. März Kontaktbeschränkungen und teilweise Betriebsschließungen angeordnet wurden.
Handwerk und Werkstätten retten die Bilanz
Dies kann zum einen darauf zurückgeführt werden, dass über 70 Prozent der Befragten ihre stationäre Verkaufsfläche offengehalten haben und das Geschäft im B2B-Bereich von einer intensiven Außen- und Innendienstbetreuung lebt. Zum anderen ging die Arbeit auf Baustellen und in handwerklichen Betrieben nahtlos weiter und es wurden teilweise auch von Seiten der gewerblichen Kundschaft Hamsterkäufe beobachtet. Doch die Unsicherheiten nehmen zu. So fällt die Umsatzprognose für den April deutlich negativer aus. Hier prognostizieren 71 Prozent der Fachhändler eine schlechtere (bis 5% Rückgang) oder viel schlechtere (mehr als 5% Rückgang) Umsatzentwicklung als im Vorjahresmonat, 24 Prozent erwarten eine Entwicklung auf dem Vorjahresniveau für den April. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Werkstatt-, Montage- und Dienstleistungsgeschäft beschrieb gut die Hälfte der Befragten mit gleichbleibend.
Krise rückt Multi-Channel in den Fokus
Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Handelsunternehmen nutzen die derzeitige Situation um den eignen Onlineshop auf- oder auszubauen. Auch der Vertrieb über Onlineplattformen (19%) und soziale Netzwerke (33%) sowie digitale Beratungstools (33%) erfreut sich gesteigerter Beliebtheit und wird herangezogen, um kontaktlos Geschäfte abzuwickeln und mit den Kunden im Dialog zu bleiben. Daneben zeigt sich deutlich, dass die klassischen Vertriebs- und Kommunikationskanäle weiterhin eine hohe Bedeutung haben und nach wie vor stark genutzt werden. So haben 67 Prozent der PVH-Unternehmen ihr Abhol- und Liefergeschäft ausgebaut und 86 Prozent ihre telefonischen Vertriebsaktivitäten ausgeweitet. Die Branche bewegt sich stärker denn je in Richtung Multi-Channel-Marketing.
Kurzarbeit, Steuerstundungen und Liquiditätshilfen
Von den Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern haben bisher zwei Drittel der PVH-Unternehmen Gebrauch gemacht. An erster Stelle steht hier die vereinfachte Möglichkeit, Kurzarbeit anzuordnen. 81 Prozent der Unternehmen haben Kurzarbeitergeld bereits beantragt oder planen dies zu tun. Betroffen hiervon sind primär Mitarbeiter im engen Kundenkontakt, wie Außendienst- und Thekenpersonal. Entsprechend kann der PVH bisher an seinen Mitarbeitern festhalten. An zweiter Stelle steht die Möglichkeit von Steuerstundungen: Hiervon haben bisher 29 Prozent der Fachhändler Gebrauch gemacht und 10 Prozent haben dies in Planung. Liquiditäts-/Soforthilfen mussten dagegen bisher lediglich 14 Prozent der Handelsunternehmen beantragen und weitere 19 Prozent planen dies.
Rückgänge im Hartwareneinzelhandel
Im Hartwareneinzelhandel ist aufgrund seiner differenzierten Ausprägung und den damit verbundenen unterschiedlichen Restriktionen seitens der Politik kein einheitliches Bild darzustellen. So musste rund ein Drittel der Händler seine stationären Verkaufsflächen schließen, andere konnten teilweise oder ganz unter den spezifischen Vorgaben geöffnet bleiben. Entsprechend wirkte sich . dies auf die Umsatzentwicklung im März im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Entwicklung ging von deutlichen Zuwächsen bis zu massiven Einbrüchen von über 50 Prozent. Im Mittel lagen die Rückgänge im hohen einstelligen Bereich.
Für den April ist die Umsatzprognose negativer. Hier prognostizieren über 60 Prozent der Fachhändler eine schlechtere (bis 5% Rückgang) oder viel schlechtere (mehr als 5% Rückgang) Umsatzentwicklung als im Vorjahresmonat, 26 Prozent erwarten eine Entwicklung auf dem Vorjahresniveau und wenige eine Verbesserung. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung im Werkstatt-, Montage- und Dienstleistungsgeschäft beschreiben hier gut zwei Drittel der Befragten mit gleichbleibend oder gut.
Händler machen von Soforthilfe Gebrauch
Von den Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern haben nahezu alle der Hartwareneinzelhändler Gebrauch gemacht. An erster Stelle steht hier die Soforthilfe (72%), gefolgt von der vereinfachten Möglichkeit Kurzarbeit anzuordnen. 59 Prozent der Unternehmen haben Kurzarbeitergeld bereits beantragt oder planen dies zu tun. An dritter Stelle folgt die Möglichkeit von Steuerstundungen (49%) sowie der Beantragung von Zuschüssen durch Bund und Länder.
Kontaktlose Geschäfte im Fokus
Um den veränderten Vertriebsmöglichkeiten Rechnung zu tragen, hat der Hartwareneinzelhandel gegen die Umsatzrückgänge die telefonische Beratung intensiviert (90%), das Abhol- und Liefergeschäft ausgebaut (72%) und seine Werbemaßnahmen auf verschiedensten Kanälen verstärkt (67%). Auch der Vertrieb über soziale Netzwerke (44%) und lokale Marketing- und Wirtschaftsverbünde (36%) wird herangezogen, um kontaktlos Geschäfte abzuwickeln und Kunden zu erreichen. Hingegen werden Onlineplattformen (18%) und der Auf- oder Ausbau des Onlineshop (26%) bisher eher noch verhalten genutzt, was auch an fehlenden Produktdaten oder einem hierauf ausgerichteten Warenwirtschaftssystem liegen könnte. Auch der Facheinzelhandel nutzt andere Kontaktmöglichkeiten zu seinen Kunden, ansatzweise auch in Richtung Multi-Channel-Vertrieb.
Jetzt Kundennähe intensivieren
„Gerade jetzt kommt dem Fachhandel, sowohl dem PVH als auch dem Hartwareneinzelhandel die enge und intensive Kundennähe zugute. Jetzt gilt es diese den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und neue Wege auszuprobieren oder stärker zu nutzen. Hier sind erfreuliche Ansätze zu beobachten, die es weiter zu verfolgen gilt“, so Thomas Dammann, Hauptgeschäftsführer des ZHH. In beiden Handelsbereichen wird der Zusammenhalt der Branche in der Krise positiv bewertet: Über 80 Prozent der PVH-Unternehmen und Hartwareneinzelhändler zeigen sich mit der Unterstützung durch die Branchenverbände und Verbundgruppen zufrieden.