Nun ist es passiert, Husqvarna hat basierend auf der Power for All Alliance ein 18 Volt Akkuprogramm auf den Markt gebracht. Günstig, einfach zu bedienen und chic. Überraschend kommt das nicht. Dennoch wirft der Einstieg von Husqvarna in die neue Konsumklasse Fragen auf. - So titelte Motorist im Februar 2023, kurz nachdem Husqvarna das neue Sortiment vorgestellt hatte. Nun, ein Jahr später, haben sich einige Befürchtungen bewahrheitet. Die Grundsatzproblematik ist geblieben.
Dies betrifft nicht nur die Dehnung der Marke Husqvarna in den Preiseinstiegsbereich an sich. Die neue Akkulinie Aspire ist bekanntlich ausgelegt auf Konsumenten, die es funktional, chic und einfach mögen und über wenig Platz verfügen, also kleine Geräte bevorzugen. Umso besser aus deren Sicht, wenn sie die Gerätschaften noch dazu mit einem Akku betreiben können, den sie womöglich schon im Haus haben. Entweder, weil sie bereits ein Bosch-Akkugerät besitzen oder aber eines der anderen insgesamt 10 Fabrikate aus der 2020 gegründeten Power for All Alliance – der aktuell größten markenübergreifenden Akkuplattform im Consumer-Bereich. Schon allein der Schulterschluss der Gründungsmitglieder Bosch und Gardena im Jahr 2020 ließ die Branche aufhorchen und die Marschrichtung erahnen. Der Einstieg der Marke Husqvarna in den Verbund ein Jahr später, festigte diese.
Kritisch beäugt
Der Fachhandel beäugte dies skeptisch. Auch nun sorgt die mit Aspire gegenständlich gewordene Kooperation von Husqvarna mit Bosch bzw. das Einlassen auf den Fremdakku aus der Power for All Alliance für Stirnrunzeln. Zumal der Stuttgarter Elektrowerkzeughersteller gerade kundgetan hat, mit 12 Prozent am Aktienkapital bei den Schweden einsteigen zu wollen. Im Erfolgsfall könnte und dürfte ein Einfluss von Bosch auf die weitere Entwicklung der Akkusparte von Husqvarna nicht gänzlich auszuschließen sein. Kritisch beäugt wird auch die Vertriebsstrategie. Zwar versichert Husqvarna, dass das neue Aspire Sortiment ganz klar dem Fachhandel vorbehalten ist. Vertrieben werden soll es ausschließlich über diesen und im Husqvarna Online-Shop. Ob sich dieser Anspruch durchhalten lässt und Aspire nicht doch irgendwann im Baumarkt landet, steht jedoch in den Sternen. Und last not least wird sich der Fachhandel fragen, was er an so einfachen und günstigen Geräten überhaupt verdienen soll.
Locker bleiben
Soweit die Soll-Last auf Aspire. Blickt man auf die Haben-Seite, steht dort ein durchaus nachvollziehbares Argument: Husqvarna adressiert mit Aspire gezielt eine Kundengruppe, die man bis dato nicht hat erreichen, bzw. abschöpfen können. Aus Sicht des Herstellers, der ebenso als Wirtschaftsunternehmen agiert, ist das nicht nur legitim, es wäre vielmehr geradezu sträflich, dies nicht zu tun. Nun gilt es, die Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Klar handelt es sich bei Aspire um Geräte mit wenig Marge und nicht gerade überbordender Werkstattauslastung. Doch vielleicht sollte man das Augenmerk in diesem Fall auf einen anderen Fakt lenken, nämlich die Zielgruppe. Die mag es unkompliziert und chic, heißt es. Womöglich kann man sie so auch zu treuen Fans des Fachhandels machen? Denn Hand aufs Herz: Welcher Baumarkt ist schon chic? Der gemeinsame Ansporn könnte auch darauf liegen, sich auf den neuen Consumer-Markt einzulassen und den Impuls, den Husqvarna im Markt gerade mit Aspire setzt, erst einmal ganz gelassen mitzunehmen. Was soll ein schneller Verkauf an eine zahlungskräftige Kundschaft schon schaden? Denn auch das ist klar: Günstige Akkugeräte sind auch andernorts Trend.
Deutliches Statement
Klare Worte dazu kommen postwendend von Patrick Hermann, Vertriebsleiter Husqvarna Deutschland: „Husqvarna hat in den letzten 100 Jahren Geräte entwickelt, die Menschen dabei unterstützen, sich um die Natur zu kümmern, die sie lieben. Gleichzeitig ist unsere Arbeit von einem bewussten Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen auf dieser Welt geprägt. Wir wissen, dass viele Anwender einen starken und zuverlässigen Akku wollen, den sie für mehrere ihrer Heim- und Gartengeräte verwenden können. Die neue Produktreihe Husqvarna „Aspire“ ist unsere Antwort darauf. Gemeinsam mit unseren Händlern wollen wir, wie schon mit unserem Großflächenmähroboter Ceora, damit eine Zielgruppe ansprechen, die wir bisher nicht erreicht haben. Die Aspire Produkte werden im gleichen Rahmen wie andere Geräte unserer Einstiegsmodelle über das bestehende Husqvarna Händlernetzwerk und den E-com Shop von Husqvarna für unsere Kunden zur Verfügung gestellt. Wir sehen dies als weiteren Türöffner und Einstieg in die breite Husqvarna Produktpalette, die unsere Fachhändler für Garten- und Forstfreunde bereithält.“
