Zwei Lagerarbeiter in Schutzausrüstung begutachten ein Paket. Eine Frau trägt einen gelben Helm und eine reflektierende Weste und hält ein kleines Paket, während ein Mann in einer blauen Helm und gelber Weste es notiert.
Im Auftrag der Gothaer Versicherung hat das Kölner Institut Heute und Morgen Unternehmen zu ihren Mitarbeiterbindungskonzepten mit Versicherungen befragt. (Quelle: Gothaer)

Unternehmensführung 2024-07-04T10:09:55.746Z Laut Studie: Versicherungen zur Mitarbeiterbindung noch zu wenig genutzt

Laut einer aktuellen Studie der Gothaer Versicherung hat knapp die Hälfte aller kleinen und mittleren Unternehmen Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Noch nicht ausgeschöpft wird insbesondere von kleineren Unternehmen die Zugkraft von betrieblicher Altersversorgung und Gesundheitsangeboten.

Untätigkeit bei der Mitarbeiterbindung und -gewinnung können sich kleine und mittelständische Unternehmen nicht mehr leisten. Das zeigen auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Thema Fachkräfte der Gothaer Versicherung. 1.022 Personen, die in den befragten Unternehmen für das Thema Versicherungen (mit-)verantwortlich sind, wurden dafür im Zeitraum 9. bis 29. Januar 2024 durch das Kölner Institut Heute und Morgen GmbH im Auftrag der Gothaer befragt. Nur 6 Prozent der Betriebe ergreifen demnach keine Maßnahmen, um Fachkräfte zu finden oder zu binden, 94 Prozent sind bereits aktiv. Auffallend ist: Je größer das Unternehmen ist, desto schwieriger gestaltet sich die Personalsuche. Während nur 30 Prozent der kleineren Unternehmen (1-10 Mitarbeitende) über diese Problematik berichten, tun dies 59 Prozent der größeren Unternehmen (201- 500 Mitarbeitende).

Standard-Benefits verlieren an Wirkung

Auf Platz eins der genutzten Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung landet mit 49 Prozent das Angebot von flexiblen Arbeitszeiten. Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich, dass dieses Angebot kontinuierlich wächst. (2023: 47 Prozent; 2022: 44 Prozent). Auch Home-Office-Optionen (39 Prozent) und attraktive Gehälter (39 Prozent) stehen weiterhin hoch im Kurs. Unternehmen müssten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass diese Angebote von Arbeitnehmenden mittlerweile als Standard betrachtet werden. „Es braucht schon etwas mehr, um auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt nachhaltig zu überzeugen“, sagt Oliver Brüß, Vertriebsvorstand der Gothaer.

Betriebliche Altersvorsorge noch zu wenig genutzt

Das Angebot einer betrieblichen Altersvorsorge wird von Arbeitgebern zunehmend genutzt, um sich positiv zu positionieren. Aktuell bieten 34 Prozent der KMU ihren Mitarbeitenden eine bAV an – ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Damit bleibt die bAV weiterhin die beliebteste Versicherung zur Mitarbeiterbindung. Das Ergebnis überrasche nicht, kommentiert die Gothaer Vorstandsvorsitzende Alina vom Bruck. „Um seinen Lebensstandard auch im Alter halten zu können, ist es wichtiger denn je, zusätzlich zur gesetzlichen Rente für das Alter vorzusorgen. Arbeitgeber können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch das Angebot einer bAV bei der privaten Altersvorsorge optimal unterstützen. Damit heben sie sich im Wettbewerb um Personal positiv von der Konkurrenz ab.“ Was jedoch besonders auffällig ist: Je kleiner das Unternehmen ist, desto weniger wird die bAV als Instrument zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung genutzt. Während fast die Hälfte (48 Prozent) aller größeren Unternehmen mit 201 bis 500 Beschäftigten eine solche Versicherung anbietet, sind es bei den kleinen Unternehmen nur 14 Prozent (plus 2 Prozentpunkte). „Leider nutzen kleine Unternehmen noch zu selten die Chance, die bAV als Baustein einzusetzen“, so vom Bruck, damit sei die Umsetzung unabhängig von der Unternehmensgröße möglich.

Größere setzen auf Gesundheitsvorsorge

Insgesamt 18 Prozent der Unternehmen bieten eine betriebliche Gesundheitsförderung an, beispielsweise Sport- und Entspannungskurse während der Arbeitszeit. Sie liegt damit gleichauf mit dem Jobticket (plus fünf Prozentpunkte) und einen Prozentpunkt vor Zeitwertkonten (17 Prozent; minus ein Prozentpunkt). 14 Prozent setzen auf die betriebliche Krankenversicherung als Maßnahme zur Mitarbeitendengewinnung und -bindung. Besonders auffällig: Je größer die Unternehmen, desto häufiger werden Gesundheitsleistungen angeboten. Während nur sieben Prozent der Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden eine betriebliche Gesundheitsförderung anbieten, sind es bei den Unternehmen mit 201 bis 500 Beschäftigten bereits 29 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der betrieblichen Krankenversicherung. Nur fünf Prozent der Kleinstunternehmen bieten ihren Mitarbeitenden den zusätzlichen Krankenversicherungsschutz an. Bei größeren Unternehmen sind es 17 bis 18 Prozent. Laut Dr. Sylvia Eichelberg, die ebenfalls Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung ist, zeigen diese Zahlen, dass man weiter an der Durchdringung betrieblicher Gesundheitsangebote arbeiten müsse. Vielen kleineren Arbeitgebern scheine nicht bewusst zu sein, dass eine betriebliche Krankenversicherung eine wirksame und kostengünstige Maßnahme sein könne, um Fachkräfte von sich zu überzeugen. Hinzu käme, dass sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels der Fachkräftemangel weiter verschärfen wird. Es könne daher nur im Interesse eines jeden Arbeitgebers sein, seine Belegschaft möglichst lange fit und gesund zu halten. Dazu könnten betriebliche Gesundheitsangebote einen wichtigen Beitrag leisten.

Auch betriebliche Unfallversicherung zieht

Neben dem Angebot einer bAV, einer betrieblichen Gesundheitsförderung oder einer betrieblichen Krankenversicherung kann auch die betriebliche Unfallversicherung eine wertvolle Zusatzleistung sein. 12 Prozent der Unternehmen bieten diese bereits für ihre Belegschaft an. Damit liegt sie fast gleichauf mit der Absicherung der Arbeitskraft, zum Beispiel durch eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung (11 Prozent). „Fast die Hälfte der Unternehmen, die noch keine Versicherungen als Benefits in ihrem Angebot für die Beschäftigte haben, geben an, zu wenig Wissen und Informationen über diese Instrumente zu haben. Meine Empfehlung ist hier, sich von Expertinnen und Experten beraten zu lassen, denn eine starke betriebliche Absicherung bietet nicht nur finanziellen Schutz für die Mitarbeitenden, sondern ist auch ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente“, so Gothaer Vertriebsvorstand Oliver Brüß.

Hinweis der Redaktion: Unter dem Titel „Mitarbeiterbindung, die sich rechnet“ haben wir in der Ausgabe 2/2022 von Motorist bereits ausführlich über das Mitarbeiter-Vorsorgekonzept berichtet, das der LandBauTechnik-Bundesverband gemeinsam mit der Signal Iduna entwickelt hat. Dieses ist speziell auf die Bedürfnisse des Motorgeräte-Fachhandels zugeschnitten und wurde mittlerweile weiter präzisiert. Lesen Sie den Artikel auch hier .

zuletzt editiert am 23. Juli 2024